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Bauch eines Mannes

Unterschätzte Ursache: Fettleber

Heute ist Welt-Hepatitis-Tag - meistens verbindet man das mit einer Viruserkrankung wie Hepatitis A, B oder C. Doch nicht jede Hepatitis geht auf Viren zurück, sondern es kann zum Beispiel auch eine Fettleber die Ursache sein. Die Fettleber ist die häufigste Lebererkrankung in reichen Staaten.

Welt-Hepatitis-Tag 28.07.2015

Überschüssiges Fett lagert sich in der Leber ab, das kann zu einer Entzündung führen, chronisch werden und im schlimmsten Fall droht eine Krebserkrankung.

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag im Mittagsjournal am 28.07. um 12:00

Bis zu 30 oder gar 40 Prozent der Bevölkerung in Österreich haben eine Fettleber, schätzt Wolfgang Sieghart im Gespräch mit science.ORF.at - er ist am AKH Wien spezialisiert auf Lebererkrankungen. Bei circa 25 Prozent der Betroffenen kann das Fett eine Entzündung auslösen, eine Hepatitis.

In der Ursache liegt ein Teil der Lösung

Die Ursachen liegen meist im Lebensstil: Alkohol; aber auch: zu viel Essen, das falsche Essen, zu wenig Bewegung und daher Übergewicht. Daher unterscheidet man zwischen alkoholischer und nicht-alkoholischer Fettleber.

Bei der nicht-alkoholischen Fettleber liegt ein Teil der Lösung in der Ursache: Gewicht runter und man kann die Erkrankung (oft) aufhalten, schildert der Gastroenterologe: "Indem man seinen Lebensstil verändert: Es gibt Studien, dass die Entzündung im Lebergewebe rückgängig gemacht werden kann, wenn man mindestens sieben bis zehn Prozent seines Körpergewichts reduziert.“

Nach Jahren droht Hepatitis - und mehr

Tut man hingegen nichts, kann die Fettleber in eine Entzündung, eine Hepatitis münden. Laut Mediziner Sieghart kann in weiterer Folge das Lebergewebe vernarben (Fibrose); bis hin zur Zirrhose. "Sobald eine fortgeschrittene Vernarbung besteht, steigen die Risiken: für einen Leberzelltumor sowie für Komplikationen des Leberhochdruckes mit Bauchwasser und Blutungen aus der Speiseröhre.“

Zudem sei Fettleber mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden. Vergleicht man Todesursachenstatistiken, stehe bei Patient/innen mit Fettleber eine Tumorerkrankung an zweiter Stelle - besonders häufig seien das Dickdarmkarzinom sowie der Leberzellkrebs.

"International sagen uns epidemiologische Daten, dass beispielsweise in den USA die Lebertransplantationen wegen Leberkrebs in den meisten Fällen auf eine Fettleber zurückgehen. Auch in Österreich beobachten wir eine Zunahme der Fettleber-bedingten Leberkrebsfälle", so Sieghart.

Beschwerdefrei, aber nur scheinbar

In den ersten Jahren habe man kaum Beschwerden, daher werde die ernährungs- und nicht alkoholbedingte Fettleber meist zufällig entdeckt - anhand von Laborbefunden einer Routine-Untersuchung, erklärt Wolfgang Sieghart Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der Medizinischen Universität Wien (AKH): "Selten macht die Fettleber selbst Symptome; die sind meistens eher unspezifisch: z.B. ein Unwohlsein im rechten Oberbauch oder ein unspezifischer Schmerz."

Auch wenn eine Fettleber lange Zeit keine Beschwerden macht: Ab der Stufe der Entzündung steigt das Risiko für Krebs. Daher müssten Betroffene alle sechs Monate mit Ultraschall kontrolliert werden, damit ein möglicher Tumor früh entdeckt wird, rät der Mediziner.

Moderne Diagnose ohne OP

Bei der Diagnose hilft Ultraschall, zudem wird abgeklärt, ob eine Virusinfektion oder eine andere Erkrankung die Leberwerte verändert hat; Letztlich folgt eine Gewebsprobe - der "Goldstandard".

Schonender ist eine neuere Methode, bei der ein spezieller Ultraschall recht genau zeigt, wie steif und vernarbt die Leber ist, so der Gastroenterologe Sieghart. Dieser Scan ("FibroScan") werde an diversen Spitälern angeboten; in manchen Privatordinationen ebenfalls, hier aber nicht auf Kassenkosten.

Therapie noch zu erforschen

Das Wichtigste in der Behandlung der Fettleber ist der Lebensstil - bzw. die Änderung desselben: Abnehmen (im Falle der nicht-alkoholischen Fettleber) - "dann kommt lange nichts", so der Mediziner.

Ein eigenes Medikament gegen Fettleber-Hepatitis gibt es heute keines, das werde aber heftig beforscht - etwa an der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie am Wiener AKH (Leitung: Michael Trauner; dort gibt es eine eigene Fettleberambulanz).

Barbara Riedl-Daser, Ö1 Wissenschaft

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