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 Ein Lachs-Brötchen auf einem weißen Teller

Fischöl schützt vor Schizophrenie

Die zum Beispiel in Fischöl enthaltenen Omega-3-Fettsäuren gelten seit Langem als gut für die Gesundheit. Sie schützen das Herz, den Kreislauf und sind auch in der Schwangerschaft positiv. Wie eine neue Studie zeigt, betrifft das auch die Psyche. Fischölkapseln können ihrzufolge bei jungen Menschen Schizophrenie und andere Psychosen verhindern.

Psychiatrie 12.08.2015

Der menschliche Körper kann Omega-3-Fettsäuren nicht selbst herstellen. Deshalb empfiehlt sich der Konsum von Fischen, Muscheln, Schalen- und Krustentieren. Aber auch einige Speiseöle sind reich an den ungesättigten Fettsäuren.

G. Paul Amminger, früher an der Abteilung für Kinder und Jugendpsychiatrie der Medizinuni Wien, jetzt an der Universität in Melbourne, untersucht seit Jahren, wie sich die Substanz auf die Psyche von Jugendlichen auswirkt. Einer der Hintergründe war die Beobachtung, dass es in Ländern mit hohem Fischkonsum weniger Fälle von Depressionen gibt als in anderen.

Die Studie:

"Longer-term outcome in the prevention of psychotic disorders by the Vienna omega-3 study" von G. Paul Amminger und Kollegen ist am 11. August 2015 in der Fachzeitschrift "Nature Communications" erschienen.

Ö1 Sendungshinweis:

Über das Thema berichteten auch die Ö1 Journale, 11.8., 18 Uhr.

Dosierung wie bei Nahrungsergänzungsmitteln

Bereits vor fünf Jahren zeigte Amminger in einer Studie, dass Fischölkapseln das Risiko von Jugendlichen, an einer Psychose zu erkranken, über den Zeitraum eines Jahres um etwa 25 Prozent senken. Nun haben sie den untersuchten Zeitraum ausgeweitet und die Ergebnisse nach sieben Jahren untersucht.

In der aktuellen, ebenfalls in Wien durchgeführten Nachfolgestudie überprüften die Forscher 81 Menschen im Alter zwischen 13 und 25 Jahren. Sie gehörten Risikogruppen für Psychosen an, d.h. bei ihnen waren zum Beispiel erste Anzeichen einer Psychose ersichtlich, wie das Hören von Geräuschen.

Die eine Hälfte der Studienteilnehmer schluckte in einem Zeitraum von zwölf Wochen zweimal täglich zwei Omega-3-Präparate - in der Dosierung entsprach dies also Nahrungsergänzungsmitteln, wie Amminger gegenüber dem Ö1 Abendjournal erklärte. Die andere Hälfte bekam Placebos.

Sieben Jahre nach der Verabreichung haben knapp zehn Prozent der "Fischöl-Gruppe" eine psychotische Krankheit entwickelt (4 von 41). In der Placebogruppe war dies bei 40 Prozent der Fall (16 von 40).

Vorzeichen sind erkennbar

Psychotische Erkrankungen betreffen etwa laut Medizinuni Wien zwei bis drei Prozent der Bevölkerung. Sie treten meist beim Jugendlichen oder jungen Erwachsenen erstmals auf, verlaufen dann aber oft chronisch und haben schwerwiegende Auswirkungen für die Betroffenen und ihre Familien.

Dabei gibt es jedoch Vorzeichen, die es ermöglichen, Patienten mit einem hohen Risiko für psychotische Störungen zu identifizieren. Eine Psychose tritt nämlich nur ganz selten plötzlich auf. In den meisten Fällen bestehen bereits über Wochen oder Monate Symptome in abgeschwächter Form. Und genau in dieser Phase setzten die Forschungsarbeiten rund um die Behandlung mit Fischölkapseln an.

"Das ist nach unserem besten Wissen die erste Studie, die zeigt, dass eine zwölfwöchige Intervention mit Omega-3-Fettsäuren den Übergang zu einem vollen psychotischen Krankheitsbild bei jungen Menschen mit einem Risiko dafür verhindert", schreiben die Mediziner in ihrer Studie, darunter auch die Jugendpsychiaterinnen Monika Schlögelhofer und Claudia Klier von der Medizinuni Wien.

Paul Amminger will laut Ö1 Abendjournal die Forschungsreihe in Melbourne fortsetzen - und in einem nächsten Schritt untersuchen, wie sich die erhöhten Fettsäurewerte direkt in den Membranen der Körperzellen auswirken.

science.ORF.at

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