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Angebrochene Packung Antibaby-Pille

"Pille" schützt langfristig vor Krebs

Die Antibaby-Pille senkt das Risiko für Gebärmutterkrebs deutlich und diese Schutzwirkung bleibt auch Jahre nach Ende der Einnahme bestehen - zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler der Universität Oxford in einer aktuellen Studie.

Krebsforschung 13.08.2015

Die "Pille" habe Menschenleben gerettet - so lautet die Conclusio der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Universität Oxford, die für ihre Analyse die Daten von mehr als 130.000 Patientinnen aus 36 internationalen Studien ausgewertet haben.

400.000 Tumore verhindert

Allein in den vergangenen zehn Jahren habe das hormonelle Verhütungsmittel 200.000 Gebärmutterkrebsfälle bei Frauen, die jünger als 75 Jahre alt sind, verhindert. In den vergangene 50 Jahren, seit der Einführung der Antibaby-Pille, konnte insgesamt die Entstehung von 400.000 Tumoren in der Gebärmutterschleimhaut verhindert werden. Die Ergebnisse der staatlich finanzierten Studie sind vor kurzem im Fachjournal "The Lancet Oncology" erschienen.

Die Studie:

Endometrial cancer and oral contraceptives: an individual participant meta-analysis of 27 276 women with endometrial cancer from 36 epidemiological studies ist im August 2015 in "The Lancet Oncology" erschienen.

Ö1- Sendungshinweis:

Über dieses Thema berichtet auch das Mittagsjournal am 13.8 um 12:00.

Anhaltende Schutzwirkung

"Die neue Erkenntnis ist, dass selbst 30 Jahre nachdem die Frauen aufgehört haben die Pille zu nehmen, das Krebsrisiko immer noch vermindert ist", sagt die Leiterin der Studie Valerie Beral. Je länger die Frauen die Pille genommen haben, desto geringer sei die Gefahr an Gebärmutterkrebs zu erkranken.

Von 1.000 Frauen, die nie die Pille genommen haben, entsteht bei 23 vor ihrem 75. Geburtstag ein Tumor in der Gebärmutterschleimhaut. Haben sie zehn Jahre lang die Pille eingenommen, sind es nur 13. Und die Ergebnisse wären vermutlich noch besser gewesen, wenn nicht andere Risikofaktoren für Gebärmutterkrebs, wie Übergewicht, in den vergangenen Jahren angestiegen wären, ist Beral überzeugt.

Risiko fast halbiert

"Bei Frauen, die die Pille zehn bis 15 Jahre lang eingenommen haben, halbiert sich das Risiko für Gebärmutterkrebs und das Risiko für Eierstockkrebs beinahe", erläutert die Epidemiologin Beral weiter. Den Schutzeffekt der Antibaby-Pille beim Ovarialkarzinom, dem Eierstockkrebs, hatte die Wissenschaftlerin bereits 2008 in einer Studie untersucht.

In einer Risiko-Nutzen-Analyse würde die Antibaby-Pille positiv abschneiden, so Valerie Beral. Denn die Nebenwirkungen - dazu gehört ein erhöhtes Risiko ein gefährliches Blutgerinnsel, eine Thrombose, zu bekommen oder auch an Brustkrebs zu erkranken, seien nur kurzfristig gegeben.

Brustkrebsrisiko nur kurzfristig höher

Eine Einschätzung, die der Leiter des Brustgesundheitszentrums an der Medizin Uni Wien Christian Singer teilt: "Die Risikoerhöhung an Brustkrebs zu erkranken, ist etwa fünf bis zehn Jahre nach Beendigung der Pilleneinnahme wieder auf null gesunken." Das heißt, zehn Jahre nachdem eine Frau die Pille abgesetzt hat, ist ihr Risiko an Brustkrebs zu erkranken genauso hoch, wie bei einer Frau, die die Pille nie eingenommen hat.

Hinzukommt, dass das Brustkrebsrisiko im Alter insgesamt steigt, die Antbaby-Pille jedoch von jüngeren Frauen eingenommen wird, so der Krebsspezialist Singer. Demnach ist die Schutzwirkung der Pille größer als die damit verbundenen Risiken. "Gerade das Ovarialkarzinom ist eine sehr aggressive und meist im späten Stadium entdeckte Krebsart", betont Christian Singer. "Das heißt, bei Eierstockkrebs gibt es relativ wenig Hoffnung auf Heilung und die Pille schützt ganz deutlich vor einer Erkrankung."

Keine Werbung für die Pille

Eine Werbung für die Pille soll die staatliche finanzierte Studie nicht sein, betonen die Wissenschaftler der Universität Oxford. Aber: Man wolle es Frauen ermöglichen eine fundierte Entscheidung zu treffen, wenn sie sich für oder gegen das hormonellen Verhütungsmittel entscheiden.
Ein Risiko bleibt im Zusammenhang mit der Antibaby-Pille in jedem Fall: Sie schützt nicht vor HIV und Geschlechtskrankheiten, das tut nur das Kondom.

Marlene Nowotny, Ö1-Wissenschaft

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