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Schlafende Frau

Schlafmangel steigert Erkältungsrisiko

"Vier Stunden der Mann, fünf die Frau, sechs der Idiot", soll Napoleon über Schlafgewohnheiten gesagt haben. Forscher widersprechen dem Wenigschläfer: Wenig Schlaf ist nicht nur unangenehm, sondern macht auch deutlich anfälliger für Infektionen.

Schlafmedizin 31.08.2015

Laut einer Studie des Mediziners Aric A. Prather von der University of California und seinem Team erhöht ein Schlafdefizit das Risiko für Schnupfen um gut das Vierfache.

Die Studie:

"Behaviorally Assessed Sleep and Susceptibility to the common cold" von Aric A. Prather und Kollgen ist am 1. September in "Sleep" erschienen.

Dafür haben die Forscher 164 Erwachsene zwischen 18 und 55 Jahren untersucht und zu ihrem Lebensstil - etwa in Bezug auf Alkohol, Tabak, Ernährung und Stress - befragt. Zudem haben sie eine Woche lang mit Sensoren ihren Schlaf gemessen. Dann infizierten sie die Teilnehmer mit Erkältungsviren und isolierten sie in einem Hotel.

Rund viermal anfälliger

In der folgenden Woche nahmen die Teilnehmer täglich eine Probe Nasenschleim, die dann untersucht wurde. Das Ergebnis: Wer weniger als sechs Stunden pro Nacht schlief, war rund viermal so anfällig für eine Erkältung wie jemand mit mindestens sieben Stunden Schlaf. Wer weniger als fünf Stunden schlief, war sogar viereinhalbmal stärker gefährdet. Insgesamt hat Schlaf laut den Forschern einen viel größeren Einfluss als Alter, Ernährung, Stress oder Rauchen.

"Schlaf geht über alle anderen Faktoren unserer Messung hinaus", wird Prather in einer Pressemitteilung zitiert. "Es spielte keine Rolle, wie alt die Leute waren, wie gestresst, ihre ethnische Zugehörigkeit, Bildung oder Einkommen. Es spielte keine Rolle, ob sie Raucher waren. Keinen Schlaf zu bekommen beeinträchtigt die körperliche Gesundheit grundlegend."

Gesellschaft stolz auf wenig Schlaf

Nach Prathers Einschätzung ist die Studie aussagekräftiger als frühere Untersuchungen. Denn da seien die Probanden wachgehalten oder geweckt worden, während diesmal das ganz normale Schlafverhalten zur Grundlage gemacht wurde. "Es könnte eine ganz normale Woche während der Erkältungszeit sein", sagte Prather.

Dabei gehe es auch um die Gesellschaft. Laut dem Schlafforscher seien viele "in unserer geschäftigen Kultur" stolz darauf, wenig zu schlafen und trotzdem leistungsfähig zu sein. Schlafen sei jedoch unerlässlich für unser Wohlergehen.

science.ORF.at/dpa

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