Standort: science.ORF.at / Meldung: "Auch das Immunsystem lernt im Schlaf"

Die Füße von zwei schlafenden Menschen schauen unter der Bettdecke hervor

Auch das Immunsystem lernt im Schlaf

Nicht nur unser Gehirn braucht Schlaf, um Gelerntes dauerhaft abzuspeichern. Auch unser Immunsystem nützt die Ruhephase, um die Abwehr von Krankheitserregern zu stärken. Dabei nutzen Gehirn und Immunsystem recht ähnliche Mechanismen, berichten deutsche Forscher.

Medizin 30.09.2015

Die Studie:

"System Consolidation During Sleep – A Common Principle Underlying Psychological and Immunological Memory Formation" ist am 29. September 2015 in "Cell" erschienen.

Ö1-Sendungshinweis:

Über den Effekt des Schlafs auf das Immunsystem berichtete auch "Wissen Aktuell" am 30. September 2015 um 13.55 Uhr.

Wenn Krankheitserreger in unseren Körper eindringen, reagiert unser Immunsystem, indem es T-Zellen ausbildet. Diese weißen Blutkörperchen, die im Knochenmark erzeugt werden, speichern die Erkennungsmerkmale der Viren und Bakterien, um sie bei einer weiteren Infektion gleich zu Beginn unschädlich machen zu können.

Besonders wichtig sind die T-Gedächtniszellen, weil sie über Monate, in manchen Fällen sogar ein ganzes Leben lang die Hauptmerkmale von Krankheitserregern speichern.

Speicherfreundlicher Tiefschlaf

Ein Forscherteam um den Neurowissenschaftler Jan Born von der Universität Tübingen berichtet nun, dass Schlaf genau diesen Speicherprozess unterstützt - aber nicht irgendein Schlaf, sondern der Tiefschlaf, der rund 30 Minuten nach dem Einschlafen beginnt. Das Immunsystem nutzt diese Schlafphase, um T-Zellen auszubilden. Es funktioniert in diesem Sinn also durchaus vergleichbar dem Gedächtnis, das im Tiefschlaf Erlerntes in Form von Nervenzellen und ihren Verbindungen "ablegt".

Schon frühere Studien haben Hinweise darauf geliefert, dass nach einer Impfung - also der künstlich herbeigeführten Konfrontation des Immunsystems mit Viren oder Bakterien - dann besonders viele T-Gedächtniszellen gebildet werden, wenn in Nächten danach die Tiefschlafphasen möglichst ungestört durchlaufen werden.

Treffsichere Impfungen

Eine wichtige Rolle kommt auch dem Hormonsystem zu, schreiben die Forscher: Denn während des Schlafs ausgeschüttete Hormone fördern die Kommunikation zwischen verschiedenen Abwehrzellen, bei Schlafentzug hingegen fehlen sie. "Wenn wir nicht oder deutlich zu wenig schlafen, könnte sich das Immunsystem außerdem auf die falschen Teile der Krankheitserreger konzentrieren", so Studienleiter Jan Born. Dann würden sich die T-Zellen austricksen lassen, wenn die Erreger einen kleinen Teil ihres Erbguts verändert hätten.

Die Forscher wollen nun noch im Detail klären, welche Informationen über Viren und Bakterien das Immunsystem genau abspeichert - um damit Impfungen möglicherweise noch treffsicherer zu machen.

science.ORF.at

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