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Informatik-Pionierin Ada Lovelace auf einem historischen Gemälde

Ada Lovelace - die "Zauberin der Zahlen"

Ada Lovelace war die erste Programmiererin der Weltgeschichte. Am "Ada Lovelace Day" werden die Leistungen von Forscherinnen aus Mathematik, Technik und Naturwissenschaft gewürdigt: Eine von ihnen ist die russische Mathematikerin Ekaterina Fokina. Sie erklärt, warum Vorbilder wie Ada Lovelace wichtig für junge Frauen sind.

Frauen & Forschung 13.10.2015

In Österreich sind Softwareentwicklerinnen und Informatikerinnen eher die Ausnahme und auch Nachwuchs gibt es kaum. So sind momentan nur 15,5 Prozent der Informatikstudenten an der TU Wien Frauen. Auch in anderen Ländern sind die Zahlen ähnlich.

Doch egal ob männlich oder weiblich, "Ada" kennen sie alle – die Programmiersprache, die in den 1970er Jahren entwickelt und nach der Mathematikerin Ada Lovelace benannt wurde.

Veranstaltungshinweis

Der internationale Ada Lovelace Day wurde im Jahr 2009 von Suw Charman-Anderson ins Leben gerufen und findet jährlich am 13.Oktober statt.

Das Technische Museum Wien veranstaltete am 13. Oktober 2015 von 9.00 bis 10.30 Uhr ein informatives Programm für Interessierte ab 14 Jahre. Diese Initiative soll dabei helfen, Mädchen und Frauen für Technik und Naturwissenschaften zu begeistern.

Sendungshinweis

Über die Veranstaltung berichtet auch "Wissen aktuell" am 13.Oktober 2015 um 13:55 Uhr.

Grenzen der Algorithmen

Wie viele ihrer Kolleginnen ist auch die russische Mathematikerin Ekaterina Fokina von der Technischen Universität Wien von der Vordenkerin fasziniert. In ihrer Forschung bewegt sich die Wissenschaftlerin zwischen den Grenzen der theoretischen Informatik und der mathematischen Logik.

"Die wichtigste Frage ist, festzustellen, was man mit Hilfe eines Computers berechnen kann und was nicht, also für welche Probleme wir einen Algorithmus finden können und wo die Grenzen liegen", erklärt Fokina ihre Forschung.

Während ihres Mathematikstudiums inspirierte sie Ada Lovelace: "Ada ist eine wichtige Figur für Wissenschaftlerinnen weltweit." Doch wer war Ada Lovelace? Außerhalb Mathematik- und Informatikkreisen ist sie nämlich weitgehend unbekannt.

Ihrer Zeit voraus

Ada Lovelace war ihrer Zeit weit voraus - aufgewachsen im viktorianischen England, einer Zeit in dem zwei Welten aufeinander trafen: Zum einen neigte sich die Epoche der Romantik dem Ende zu, während technische und wissenschaftliche Erkenntnisse die Welt zu revolutionieren begannen.

Zu den Revolutionären dieser Zeit gehört etwa Charles Darwin, der mit seiner Evolutionstheorie unser Weltbild grundlegend veränderte. Aber auch Charles Wheatstone und William Fothergill Cooke, die Entwickler des ersten Telegraphensystems, und Michael Faraday, der Pionier der Elektrizität, trieben die Technisierung der Welt voran.

In dieser Zeit verfolgte auch Ada Lovelace eine Idee, die unser Informationszeitalter gewissermaßen vorwegnahm. Im Jahr 1843 – 100 Jahre bevor der erste funktionierende Computer gebaut wurde - entwickelte sie einen Algorithmus für eine Maschine. Es handelt sich dabei um die "Analytical Engine", entwickelt von Adas Mentor Charles Babbage.

Die erste "Software"

Zwar wurde die Maschine in der Größe einer Dampflok nie gebaut, aber Ada Lovelace schrieb mit dem Algorithmus quasi die erste "Software" - genauer gesagt, eine Handlungsanweisung, wie man mit Hilfe der Maschine schrittweise Bernoulli-Zahlen hätte berechnen können. Das verschaffte ihr den Beinamen "Zauberin der Zahlen“.

Ada erkannte, dass man mit Babbages Erfindung nicht nur rechnen, sondern auch Formeln sowie Musiknoten, Buchstaben und Bilder verarbeiten könnte. Manche sagen sogar, sie verstand seine Maschine besser als er selbst.

Das mathematische Verständnis dafür hat sie vor allem ihrer Mutter zu verdanken, die sie privat in Algebra, Astronomie und Geometrie unterrichten ließ. "Ada Lovelace war unglaublich, allerdings muss ich gestehen, dass ich den Namen nicht kannte, ehe ich an der Uni war und Mathematik studierte", erzählt Fokina gegenüber science.ORF.at.

"Stoße immer noch auf Vorurteile"

Doch gerade für junge Menschen sind solche Vorbilder wichtig. Auch um das Vorurteil abzubauen, Frauen und Mathematik würden nicht zusammenpassen, meint die Mathematikerin:

"Es wäre wichtig, Mädchen zu zeigen, dass Frauen immer schon wissenschaftlich tätig waren, diese Info sollten sie schon in der Schule bekommen. Lehrer sollten ihre Schüler fördern, wenn sie merken, dass sie Interesse haben. Darüber hinaus sollen sie aber auch aufzeigen, dass Mädchen dieses Interesse überhaupt haben können und dass Mathematik und der wissenschaftliche Beruf nicht nur Männersache ist."

Dass Fokina Mathematik zu studieren begann, hat sie nicht zuletzt auch selbst ihrer eigenen Mathematiklehrerin zu verdanken, die ihr Interesse erkannte und sie mit schwierigeren Mathematikaufgaben beschäftigte.

Doch immer noch stößt sie ob ihrer Studienwahl auf Missverständnis: "Manche sagten, ich würde Mathematik studieren, um einen Ehemann zu bekommen, andere wiederum sagen mir auch heute noch, ich solle doch endlich aufhören, meine Zeit zu verschwenden und heiraten und Kinder bekommen. Am häufigsten stoße ich aber immer noch auf Vorurteile, wo behauptet wird, Frauen und Mathematik passen einfach nicht zusammen."

Diese Vorurteile und zu wenig präsente positive Beispiele sind für die Mathematikerin auch der Hauptgrund, weshalb es vielen Mädchen schwer fällt, sich auf technische und naturwissenschaftliche Fächer einzulassen. "Aus diesem Grund ist der 'Ada Lovelace Day' sehr wichtig, aber es muss natürlich darüber hinausgehen", so Fokina.

Ruth Hutsteiner, science.ORF.at

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  • hastemanemark, vor 284 Tagen, 14 Stunden, 33 Minuten

    Nehmt besser lebendige Beispiele für gute Vorbilder:

    https://www.linkedin.com/in/jeriellsworth