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Gruppentanz auf einer Bühne

Gruppentänzer haben weniger Schmerzen

Kriegstanz, Initiationsritus, Erntedank - wohl jede Kultur kennt Gruppentänze. Für das soziale Miteinander waren sie immens wichtig. Das spiegelt sich auch in körperlicher Hinsicht: Tänze regulieren das Schmerzempfinden, wie eine Studie nachweist.

Biologie 28.10.2015

Beim Gruppentanz werden Endorphine ausgeschüttet, berichten Forscher um Bronwyn Tarr von der Universität Oxford. Ausschlaggebend dafür dürfte neben der Anstrengung auch die synchrone Bewegung sein. Endorphine sind vom Körper produzierte Opioide, die in unseren Gefühlshaushalt eingreifen und Schmerz sowie Hunger regulieren.

Tanz im Labor

Die Untersuchung von Tänzen hat in der Naturwissenschaft durchaus Tradition. Charles Darwin, der Vater der Evolutionstheorie, mutmaßte etwa, dass der Tanz - ebenso wie der Gesang - eine entscheidende Funktion bei der Partnerwahl haben könnte. Moderne Studien hatten nachgewiesen, dass synchron ausgeführte Bewegungen menschliche Bindungen verstärken. Verantwortlich dafür sind Neurohormone. Nicht untersucht wurde bislang, ob dabei auch die Endorphine eine Rolle spielen.

Das haben die Forscher um Bronwyn Tarr nun nachgeholt. Sie verteilten 264 brasilianische Schüler in Dreiergruppen auf vier unterschiedliche Kategorien: In der ersten Gruppe wurde synchron unter großer Anstrengung getanzt, in der zweiten synchron im Sitzen, in der dritten asynchron unter vollem Körpereinsatz und in der letzten Kategorie asynchron im Sitzen.

Mit Hilfe einer (zu stark aufgepumpten) Blutdruckmanschette erfassten die Forscher anschließend das persönliche Schmerzempfinden der Probanden und erfragten zudem, wie nahe sie sich ihren Mitschülern empfanden.

Soziales "High" stellt sich ein

Das Ergebnis: Sowohl nach großer Anstrengung als auch synchronem Tanzen war die Schmerzempfindlichkeit deutlich vermindert. Beide Faktoren wirken offenbar unabhängig voneinander.

Die höhere Schmerzschwelle lässt aus Sicht der Forscher auf einen erhöhten Endorphin-Level schließen. Sie gehen davon aus, dass das "endogene Opiatsystem" (also das körpereigene Belohnungssystem) durch synchrone Bewegungen aktiviert wird. Die Ausschüttung von Neurohormonen bewirkt den Forschern zufolge außerdem eine Form von sozialem "High". Die Folge: Die Einstellung gegenüber Mitmenschen wird positiver.

science.ORF.at/dpa

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