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Wiener Schnitzel

Fleischkonsum schadet auch dem Klima

Gestern erst hat die WHO Wurst und Schinken als krebserregend eingestuft. Heute legt der WWF nach: Auch das Klima wird durch Fleischkonsum geschädigt. Bei Klimawandel denkt man zwar zuerst an Großindustrie, Autos und Flugzeuge. Aber für ein Viertel des ökologischen Fußabdrucks in Österreich ist die Ernährung verantwortlich.

Öko-Bilanz 28.10.2015

Energiehunger

Eine neue Studie der Umweltschutzorganisation WWF und der Wirtschaftsuniversität Wien hat untersucht, wie klimafreundlich die Ernährung in Österreich ist. Besonders Fleisch- und Milchprodukte schneiden dabei sehr schlecht ab. Sie alleine sind für 67 Prozent der Treibhaugasemissionen verantwortlich, die auf die Ernährung zurückgehen.

Die Studie:

"ACHTUNG: HEISS UND FETTIG –
KLIMA & ERNÄHRUNG IN ÖSTERREICH"
Auswirkungen der österreichischen Ernährung auf das Klima, erschienen Oktober 2015.

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Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag im Mittagsjournal am 28.10. um 12:00.

Debattenlink:

Die Kühlkette aufrecht zu erhalten und die komplizierten Verpackungen herzustellen, verbraucht viel Energie. Für die Produktion von einem Kilogramm Fleisch benötigt man - je nach Tierart sieben bis 16 Kilogramm Futtermittel, erklärt Friederike Klein, Referentin für Nachhaltige Ernährung beim WWF in Österreich. Der gesamte Ablauf, und die Wertschöpfungskette seien sehr energieaufwändig.

Zudem produzieren Wiederkäuer, wie zum Beispiel Rinder, bei ihrer Verdauung Methan, ein Treibhausgas: Je mehr Rinder also gehalten werden, desto mehr Methan wird abgegeben.

Fleischnation Österreich

Ein Problem ist das vor allem deshalb, weil wir immer mehr Fleisch und Milchprodukte essen - gerade in Österreich. Nirgendwo sonst in der EU konsumiert man so viele tierische Produkte. 100 Kilogramm Fleisch (inkl. Heimtierfutter) verzehrt der Durchschnittsösterreicher der Studie zufolge pro Jahr.

Der EU-Schnitt liegt bei rund 80 Kilogramm und auch das ist laut Ernährungsempfehlungen des Gesundheitsministeriums noch mehr als doppelt so viel wie für eine gesunde, ausgewogene Ernährung nötig wären. Unseren Konsum von Milchprodukten sollten wir hinsichtlich einer gesünderen Ernährung ebenfalls um 20 Prozent einschränken.

Gesündere Ernährung, gesünderes Klima

Unser Ernährungswandel in den letzten Jahrzehnten hin zu mehr Fleisch, Fett und Zucker sorgt meist für Schlagzeilen über neue Höchststände bei Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wie die neue Studie darlegt, leidet das Klima bei jeder solchen Meldung mit.

Ein Teil der Lösung: zurück zur traditionellen Küche. Denn nicht immer war der Hunger auf Fleisch so groß wie heute. Noch in den Sechziger Jahren lag der Fleischkonsum in Österreich bei 70 Kilogramm pro Jahr. Und die meiste Zeit davor galten Schweinsbraten, Schnitzel und Co. als besondere Mahlzeiten. Heute sind sie alltäglich, während Krautfleckerl, Kürbissuppe und Bohneneintöpfe immer seltener auf den Tisch kommen.

Ein Umdenken in der Ernährung würde viel bewirken, meint Friederike Klein. Um bis zu 22 Prozent könnten die Treibhausgasemissionen sinken, wenn die Menschen sich gesund ernähren würden - eigentlich also eine Win-win-Situation. Gesund heißt dabei, grob gesagt: weniger Fleisch, tierische Fette, Milchprodukte und Zucker, stattdessen mehr regionales Gemüse.

Denn auch der Transport von Nahrungsmitteln fällt für das Klima ins Gewicht - und nicht nur die tausenden Kilometer bis zum Supermarktregal zählen, sondern auch der letzte Kilometer: Zwei Taschen voller Einkäufe nicht mit dem Auto zu holen - also gut eine Tonne Blech mitzubefördern - mache genauso etwas aus.

Effizient und ökologisch

Liesbeth de Schutter, Studienautorin und Agrarökonomin am Institutes of Ecological Economics der WU Wien, erklärt, dass man mit dem Verzehr von Fleisch und Milch sowie mit der Viehzucht nicht aufhören muss. Manchmal sei das sogar die logische Wahl für eine Region: "Wenn man in einer Bergregion mit viel Grasland lebt, mit Alpenwiesen, dann kann man eigentlich nur Wiederkäuer halten, um irgendwie das Land zu bewirtschaften." Und das sei auch ökologisch in Ordnung.

Auf der anderen Seite aber verwenden wir viel Ackerfläche ausschließlich für den Anbau von Tierfutter, und das sei wenig effizient, erklärt de Schutter. Ein Tier braucht eben mehr Pflanzenmaterial als wir bräuchten, wenn wir unseren Proteinbedarf vermehrt aus pflanzlichen Quellen wie Bohnen oder Linsen decken würden. Gerade Österreich sei übrigens in der glücklichen Lage aufgrund unterschiedlicher regionaler Bedingungen eigentlich sehr viel Verschiedenes gut anbauen zu können, dazu zählt sogar Soja.

Praktisch nachhaltiger essen

Was kann man nun aber tun? Klein und de Schutter wünschen sich von der Politik Strategien und Aufklärungskampagnen, die die Grundlage für einen bewussteren Umgang mit Nahrungsmitteln schaffen. Auch Unternehmen könnten hier eine Vorreiterrolle übernehmen, indem sie weniger Lebensmittel, zum Beispiel in Großkantinen, verschwenden, und bewusst lokale Produzenten unterstützen.

Für den Konsumenten empfehlen die Studienautorinnen: Regionales einkaufen, mehr Gemüse statt Fleisch essen und insgesamt mehr aus biologischer Landwirtschaft, denn die ist ressourcenschonender.

Isabella Ferenci, Ö1 Wissenschaft

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