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Internationale Raumstation ISS

ISS: Seit 15 Jahren ständig bemannt

Am 2. November ist rund 400 Kilometer über uns Geburtstag gefeiert worden. Angestoßen haben die sechs aktuellen Astro- und Kosmonauten der Internationalen Raumstation (ISS) - stellvertretend für alle bisherigen Besatzungen: Denn die Raumstation ist seit 15 Jahren ständig bemannt.

Raumfahrt 02.11.2015

Die Internationale Raumstation:

Ö1-Sendungshinweis:

Dem Thema widmete sich auch ein Beitrag im Mittagsjournal am 2. November.

1981 flog mit der Columbia erstmals eine Raumfähre ins All. Drei Jahre später gab US-Präsident Ronald Reagan den Startschuss zum nächsten Schritt: Ein Ziel für den Pendelverkehr in die Umlaufbahn musste her. Den Spaceshuttles sollte eine Spacestation folgen.

Die US-Raumfahrtbehörde NASA bekam die Aufgabe, binnen einer Dekade eine ständig bemannte Station für die Erdumlaufbahn zu entwickeln. "Tonight I am directing NASA to develop a permanently manned space station and to do it within a decade", so Reagan im Jänner 1984 in seiner Rede zur Lage der Nation vor beiden Häusern des US-Kongresses.

Für "Frieden" und "Freiheit"

Freedom , "Freiheit", war der Name des ersten Entwurfs, den die NASA dem russischen "Frieden", der Mir-Station, entgegenstellen wollte. Schon bald wurde aus Kostengründen aus dem US-Prestigeprojekt ein Gemeinschaftsunternehmen der westlichen Welt, das den Namen "Alpha" erhielt.

Zehn Jahre dauerten allein die ersten Planungen und Verhandlungen mit den neuen internationalen Partnern Kanada, Europa und Japan. Auch diese wurden jedoch bald von den Realitäten auf dem Boden eingeholt: Ende der 80er Jahre ging der Kalte Krieg zu Ende. Anfang der 90er Jahren holte US-Präsident Bill Clinton die Russen ins Boot. "Statt im All Waffen zu bauen, helfen uns russische Wissenschaftler nun dabei, eine internationale Raumstation zu errichten", so Clinton 1992.

Sechs Jahre später war es so weit: Am 20. November 1998 schoss eine russische Proton-Rakete von Baikonur aus das fast 13 Meter lange Kontrollmodul der ISS mit dem Namen Sarja - "Morgenröte" - ins All. Dazu nutzten die Russen die Hardware, die sie eigentlich für den Nachfolger der Mir verwenden wollten.

Arbeiten im All

"Es gab bereits den Kern für eine Mir-II-Station", erinnert sich Jeff Manber, der damalige Vizepräsident von Energia USA, dem amerikanischen Ableger der russischen Weltraumfirma NPO/Energjia . "Die Russen waren mit seiner Entwicklung jedoch nicht so weit gegangen, dass er auf ein bestimmtes Design festgelegt gewesen wäre." Sie hätten den Bau gestoppt, als sich abgezeichnet habe, dass die Module in eine internationale Station integriert würden.

Zwei Jahre später flog die erste Besatzung zur neuen Station: ein Amerikaner und zwei Russen, die am 2. November 2000 ihre Arbeit im All aufnahmen.

Die ISS wird weiter ausgebaut

Auch wenn die ISS nunmehr eigentlich fertig ist und der Betrieb an Bord mit sechs Personen auf Hochtouren läuft - angebaut werden könne immer noch, so Gerhard Thiele von Europas Weltraumagentur ESA . "Die Russen haben in der Tat noch Module, die sie hochzuschicken planen", so der ehemalige deutsche Astronaut.

Der Starttermin wurde von den Russen jedoch Jahr um Jahr verschoben. Dennoch: Wenn ein Partner einen Vorschlag habe, der ein echter Zugewinn für die Station wäre, sei es denkbar, dass die ISS mit dem einen oder anderen Modul weiter wächst. "Warum nicht?", fragt Thiele. Derzeit ist 2017 als Starttermin für das russische Multifunktionsmodul Nauka im Gespräch.

Schwierige Verschrottung

Doch irgendwann wird sich die Lebenszeit der Station dem Ende nähern. Und je größer sie dann ist, desto schwieriger ist ihre Verschrottung, fürchtet John Logsdon, der ehemalige Leiter des Space Policy Institute der George Washington University in der US-amerikanischen Hauptstadt.

"Der ursprüngliche Plan sah vor, die Station wieder zu zerlegen", so Logsdon. Die Raumfähren hätten die einzelnen Module zurück zur Erde gebracht. Heutzutage sei jedoch kein Raumschiff mehr in der Lage, Lasten solchen Ausmaßes zu transportieren. "Es ist gut vorstellbar, die ISS - so wie die Mir - als Ganzes irgendwo in der Mitte des Pazifiks kontrolliert zum Absturz zu bringen." Nach den derzeitigen Plänen soll es dazu jedoch frühestens 2024 kommen.

Guido Meyer, science.ORF.at

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