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Sparschwein mit Geldmünzen

Macht Geld glücklich?

Rund um den Weltspartag denken viele daran, ein Sparbuch zu eröffnen. Aber machen große Summen auf der hohen Kante wirklich glücklicher? Geld macht erst dann glücklich, wenn man es ausgibt, sagen Konsumforscher - und zwar für das Richtige.

Konsumforschung 30.10.2015

Mit der Frage, ob und wie Geld glücklich macht, beschäftigt sich die Wissenschaft schon länger. Zu den prominentesten Vertretern dieser Forschungsrichtung gehört der britische Ökonom Angus Deaton, der unter anderem das Verhältnis von Einkommen und Lebenszufriedenheit untersucht hat und dafür heuer mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet wird.

Einkommens- und Glücksgrenze

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag im Mittagsjournal am 30.10. um 12:00.

Deaton kam vor einigen Jahren zu dem Schluss, dass Menschen immer glücklicher werden, je mehr sie verdienen, aber nur bis zu einem Jahres-Netto-Einkommen von 60.000 Euro im Jahr. Danach ist Schluss.

Warum steigt das Glück mit dem Einkommen? Wer mehr verdient, der hat einen größeren Spielraum bei seinen Ausgaben, sagt die Psychologin und Wirtschaftswissenschaftlerin Bernadette Kamleitner von der Wirtschaftsuniversität Wien. Und wer diese Freiheit hat, kann auch in Dinge investieren, die glücklich machen. "Wenn ich beispielsweise für karitative Zwecke oder Geschenke mehr Geld ausgeben kann, um etwas mit anderen zu machen oder etwas für andere zu machen, dann ist man in der Regel glücklicher, als durch rein materielle Anschaffungen", erläutert Kamleitner.

Wer spart, fühlt sich sicher

Doch nicht alle können es sich leisten, in gemeinsame Erlebnisse oder den guten Zweck zu investieren. Können diese Menschen ihr Lebensglück steigern, indem sie finanziell für die Zukunft vorsorgen? Nur bedingt. Denn Sparen gibt zwar ein Gefühl von Sicherheit, glücklich macht es laut Konsumforschung aber nicht unbedingt.

Und auch das Sicherheitsgefühl dürfte gegenwärtig nachlassen. Beim klassischen Sparen zeigt sich eine Trendwende: Das Sparbuch ist zwar immer noch beliebt, aber viele wollen nicht mehr Jahre darauf warten, sich zukünftig etwas leisten zu können.

Kredite für Alltagskonsum

Hinzu kommt die ungewisse wirtschaftliche Entwicklung und die niedrigen Zinsen. Deswegen werden Konsum-Kredite immer beliebter: Der große Fernseher, der lange Urlaub, das neueste Handy werden auf Pump gekauft. "Wir könnten bald in eine Schuldenspirale schlittern, weil es mittlerweile sozial anerkannt ist, über die jetzigen Verhältnisse zu leben", warnt die Konsumforscherin. "Und das, obwohl man diese Dinge in Zukunft nicht einmal mehr haben wird."

Trotzdem räumt Bernadette Kamleitner ein, dass auch solche Einkäufe die Lebenszufriedenheit steigern können: Geht es Menschen finanziell schlecht, dann können teure Konsumgüter ein Lichtblick sein.

Zeit und Geld gehören nicht zusammen

Kann Geld auch unglücklich machen? Diese Frage beantwortet Bernadette Kamleitner mit einem eindeutigen Ja. Nämlich dann, wenn die Menschen den Spruch "Zeit ist Geld" zu sehr verinnerlichen. Denn wer Zeit und Geld gleichsetzt, hat ständig Angst, Zeit zu verschwenden und damit Geld zu verlieren. Dinge zu genießen, fällt dann schwer. Und das macht bestimmt nicht glücklich.

Marlene Nowotny, Ö1-Wissenschaft

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