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Biene und Waben

Die Honigbiene: Nützlich seit 9.000 Jahren

Honigbienen versorgen uns mit Honig und Bienenwachs und das vermutlich schon länger als gedacht. Wie eine Analyse von Keramikscherben nun zeigt, hat der sesshafte Mensch die Produkte der fleißigen Insekten schon sehr früh genutzt - nämlich vor mindestens 9.000 Jahren in Anatolien, in Österreich vor 7.500 Jahren.

Nutztiere 12.11.2015

Kein Insekt liebt der Mensch so sehr wie Bienen - nicht ohne Grund, gelten sie doch als besonders fleißig, klug und nützlich. Tatsächlich sind die Bestäuber für die Landwirtschaft enorm wertvoll. Wie wertvoll, hat das Bienensterben der vergangenen Jahre deutlich gemacht. Laut einem UN-Bericht von 2011 tragen bestäubende Insekten rund 9,5 Prozent zum weltweiten Gesamtwert der Nahrungsmittelproduktion bei, ein Rückgang der Tiere schadet also nicht nur der Umwelt, sondern auch der Wirtschaft.

Fleißig, klug und nützlich

Die Studie in "Nature":

"Widespread exploitation of the honeybee by early Neolithic farmers" von M. Roffet-Salque et al., erschienen am 12. November 2015.

Ö1 Sendungshinweis:

Über das Thema berichteten auch die Ö1 Journale, 12..11., 7:00 Uhr.

Und - wie eine Studie 2013 ergeben hat - die Bestäubung steigert nicht nur den Ertrag: Von Bienen bestäubte Pflanzen liefern nämlich zudem hochwertigere und haltbarere Früchte.

Außerdem faszinieren Honigbienen durch ihr komplexes, aber hoch funktionelles Schwarmwesen. Nicht zuletzt versorgen sie den Menschen mit ihren Produkten, Honig und Bienenwachs - und das offenbar schon länger, als man dachte. Das legt eine Untersuchung von Keramikresten nun jedenfalls nahe.

Nützliche Produkte

Dabei ist es gar nicht so leicht, Spuren der Honigbiene Apis mellifera zu finden. Anders als früher angenommen stammt das Tier übrigens ganz ursprünglich aus Europa und hat sich von dort nach Asien und Afrika ausgebreitet, das ergab eine Analyse von Fossilien. Aus Afrika sind sie dann möglicherweise im Gefolge der Menschen als Nutztiere wieder zurückgekommen - das ist aber reine Spekulation.

Laut den Forschern um Mélanie Roffet-Salque von der University of Bristol gibt es aber für die jüngere Vergangenheit - also für die vergangenen 10.000 Jahre kaum direkte Belege - das ist in etwa jener Zeitraum, in dem der Mensch bereits sesshaft und nicht mehr als Jäger und Sammler gelebt hat.

Man muss also mit indirekten Hinweisen arbeiten. Recht gut dokumentiert ist die Haltung von Honigbienen im Alten Ägypten. Für das symbolträchtige Tier gab es dort sogar ein eigenes Schriftzeichen. Es ist aber recht wahrscheinlich, dass Bauern schon viel früher die Produkte der Honigbiene nutzten: einerseits natürlich den Honig - ein kostbarer Süßstoff für prähistorische Menschen. Auf der anderen Seite das nicht weniger bedeutsame Bienenwachs für technische, rituelle, kosmetische und medizinische Anwendungen.

Die ersten Imker

"Das wasserabweisende Material wurde auch zum Imprägnieren von Geschirr verwendet", wie der Koautor Peter Stadler von der Universität Wien und vom Naturhistorischen Museum gegenüber science.ORF.at erklärt. Und das zähe Wachs hinterlässt hartnäckige Spuren auf nicht glasierter Keramik - für die Forscher ein glücklicher Umstand. Selbst auf tausende Jahre alten Scherben kann man noch Reste nachweisen.

Insgesamt 6.400 solcher Keramikreste hat das internationale Forscherteam nun analysiert und dabei zahlreiche Hinweise auf frühe Imkerei gefunden. Ob man tatsächlich schon von Imkerei sprechen kann oder nur Bienenstöcke genutzt wurden, bleibt dabei offen. Stadler vermutet aber ersteres: "Ich würde sagen, es handelt sich um eine alte Kulturtechnik, die irgendwo in Afrika oder am fruchtbaren Halbmond entstanden ist und von den ersten Bauern mitgebracht wurde."

Bauern ...

Die ältesten Bienenwachsspuren entdeckten die Forscher auf etwa 9.000 Jahre alten Scherben aus Anatolien. Die meisten Belege für die Verwendung von Bienenprodukten fanden sie auf der Balkanhalbinsel, z.B. in Griechenland, Rumänien und Serbien. Die dortigen Überreste sind bis zu 7.800 Jahre alt.

Auch Scherben der Linearbandkeramik früher Bauern in Österreich und Deutschland wurden analysiert, z. B. Fundstücke aus Brunn am Gebirge, die etwa 7.500 Jahre alt sind. Forscher um Stadler haben dort zwischen 1989 und 2005 die älteste frühneolithische Siedlung in Österreich ausgegraben - d.h., nach heutigem Kenntnisstand haben dort die ersten Bauern in unser Region gelebt. Für die internationale Studie wurden dort gefundene Keramikteile chemisch analysiert.

... und Imker

Somit sind sie nun auch die ältesten Belege für Bienennutzung in unserem Land. Für Stadler eine freudige Überraschung: "1992 haben wir die Gegenstände ausgegraben und jetzt 20 Jahre später erzielt man damit so überraschende Ergebnisse." Die Imkerei haben sie vermutlich aus Anatolien mitgebracht, denn von dort kamen die damaligen Siedler laut Stadler.

Fündig wurden die Forscher auch in Nordafrika, in Frankreich und sogar im Süden der britischen Insel. Keine Belege gibt es hingegen in nördlicheren Regionen, wie Irland und Schottland. Laut den Forschern ist der 57. nördliche Breitengrad die ökologische Grenze für Honigbienen. Zu warm und zu trocken ist aber offenbar auch nicht gut für die Honigbiene, denn in der Eurasischen Steppe gibt es ebenfalls keine Belege.

Wann der Mensch erstmals die Produkte der Honigbiene nutzte, bleibt offen. Die neuen Spuren legen aber nahe, dass Bienen schon bald nach dem Beginn der Sesshaftigkeit neben und mit den Menschen lebten.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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