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Weiße Labormaus

Darmbakterien sagen, wann Essenszeit ist

Wer satt ist, weiß das meistens ganz genau. Der Mechanismus, der zu diesem Gefühl führt, ist aber äußerst kompliziert. Zentral dabei sind Hormone im Darm und bestimmte Gehirnregionen. Laut einer neuen Studie an Ratten und Mäusen sind aber auch Darmbakterien am Sättigungsgefühl beteiligt.

Ernährung 25.11.2015

Dass diese Bakterien wichtig sind für die Gesundheit des Menschen, ist seit Langem bekannt. Studien haben gezeigt, dass einige Arten Übergewicht fördern und mit der Entstehung von chronischen Darmentzündungen, Diabetes und Allergien in Verbindung stehen.

Ein Team um Jonathan Breton vom französischen Forschungsinstitut Inserm in Rouen hat nun untersucht, ob Darmbakterien auch das Hungergefühl ihres "Wirten" beeinflussen.

Satte Bakterien produzieren andere Proteine

Die Studie

"Gut Commensal E.coli Proteins Activate Host Satiety Pathways Following Nutrient-Induced Bacterial Growth" von Jonathan Breton und Kollegen ist am 24. November 2015 im Fachjournal "Cell Metabolism" erschienen.

Die Forscher zeigten zunächst in Zellversuchen, dass regelmäßig "gefütterte" E. coli-Bakterien etwa 20 Minuten nach der Nahrungsaufnahme in eine stationäre Wachstumsphase übergehen. Dies ist etwa der Zeitpunkt, an dem sich nach dem Beginn einer Mahlzeit ein Sättigungsgefühl einstellt.

In dieser Phase, in der die Zahl der Bakterien weitgehend konstant bleibt, produzieren die Bakterien nun andere Proteine als in der vorhergehenden Phase, in der sie sich stark vermehren, berichten die Forscher. Eines dieser Proteine sei einem bekannten Hormon ähnlich, das die Sättigung fördert und Hunger unterdrückt.

Verändertes Fressverhalten

Verabreichten die Forscher den Proteinmix Ratten in den Darm, veränderte sich dort der Gehalt bestimmter Hormone. So führten "Ich bin satt"-Proteine zu mehr Hormonen, die mit Sättigung verbunden sind. "Ich bin hungrig"-Proteine hingegen ließen den Gehalt eines Hormons steigen, das die Freisetzung von Insulin fördert.

Die Änderungen der Proteine scheinen sich auf die Nahrungsaufnahme direkt auszuwirken, meinen die Forscher: So fraßen Mäuse, die für eine Woche zweimal täglich die "Ich bin satt"-Proteine verabreicht bekommen hatten, etwas kleinere Portionen als Mäuse, die die anderen Proteine bekommen hatten. Dafür fraßen letztere etwas häufiger.

Schließlich zeigte das Team noch, dass die Proteine die Aktivität bestimmter Nervenzellen beeinflussen, die ebenfalls mit der Regulation des Sättigungsgefühls in Verbindung stehen.

Weitere Forschung notwendig

"Unsere Studie zeigt, dass bakterielle Proteine von E. coli in die gleichen molekularen Mechanismen involviert sein können, die der Körper nutzt, um Sättigung zu signalisieren", sagt Studienleiter Serguei Fetissov vom Inserm. "Wir müssen jetzt herausfinden, wie veränderte Darmbakterien diese Vorgänge beeinflussen."

"Das sind interessante Experimente", kommentierte Michael Blaut vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam die Studie. "Aber ich halte die Daten momentan für überinterpretiert."

Für ihn sind viele der Zusammenhänge noch nicht klar belegt. So hätten die Forscher nicht nachgewiesen, dass es auch im Darm - und nicht nur in der Zellkultur - zu einer Veränderung der Proteinbildung kommt. Auch sei unklar, welche Komponenten für die beobachteten Effekte verantwortlich seien.

science.ORF.at/dpa

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