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Gerodetes Stück Regenwald im Lore Lindu Nationalpark in Sulawesi (Indonesien)

Palmöl: Es fehlen die Alternativen

Was haben Weihnachtskekse, Cremesuppe und ein Stück Seife gemeinsam? Sie beinhalten allesamt Palmöl. Die Massenproduktion des Öls hat allerdings einen hohen Preis: Sie führt zur Vernichtung von Urwäldern.

Tropischer Kahlschlag 28.11.2015

Für den Anbau von Ölpalmen wird der tropische Regenwald, etwa in Indonesien massiv Brand gerodet auf Kosten von Klima und Artenvielfalt. Man müsse diesem Treiben ein Ende setzen, sagen Umweltschützer. Aus der Sicht der Lebensmittelindustrie ist Palmöl das perfekte Öl. Es ist bei Zimmertemperatur fest und streichfähig, erhitzt man es, entstehen keine krebserregenden Substanzen, wie bei anderen Fetten.

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Über dieses Thema berichtet auch das Ö1-Mittagsjournal, 28.11.2015, 12.00 Uhr.

Und es enthält zudem auch ungesättigte Fettsäuren, die der Gesundheit zuträglich sind. Populär ist Palmöl in Österreich geworden in Folge eines gesetzlichen Verbotes, das 2009 in Kraft getreten ist. Nämlich das Verbot von Transfetten, sagt Regine Schönlechner vom Institut für Lebensmitteltechnologie der Universität für Bodenkultur.

Transfettsäuren sind ernährungsphysiologisch sehr bedenklich, sagt die Expertin. Sie können, wenn man viel davon verzehrt, das Herzinfarktrisiko erhöhen. Daher habe der Gesetzgeber sich dazu entscheiden sie mehr oder weniger zu verbieten, die erlaubte Menge an Transfetten in Produkten aller Art wurde mit zwei Prozent festgeschrieben. "Diese Regelung hat die Margarine-Industrie auf den Kopf gestellt!"

Kokosfett und Kakaobutter kein Ersatz

Backwaren, Kekse, Brotaufstriche enthalten heute statt Transfetten Palmöl. Eine gute Entscheidung für die Gesundheit, sagt Schönlechner. Pflanzliche Alternativen zum Palmöl gibt es kaum.

Kokosfett habe ernährungsphysiologisch keinen Sinn, weil es mehrheitlich kurzfettige Fettsäuren beinhaltet. "Und produktionstechnologisch hat es erst recht keinen Sinn, da es einen sehr engen Schmelzbereich hat", so Schönlechner. Zuerst sei es steinhart und bei Erhitzung schmelze es sofort.

Eine sehr gute Alternative zu Palmöl wäre Sheabutter; diese koste aber in der Produktion deutlich mehr, da der Ertrag der Bäume sehr gering ist. Sie tragen nach 35 Jahren erstmals Früchte. Theoretisch gäbe es noch die Alternative der Kakaobutter, aber auch die Kakaopalme wächst in den Tropen – "und wir hätten dasselbe ökologische Problem, wie wir es jetzt mit den Ölpalmen haben“, so Schönlechner.

Palmöl bewusst verwenden

Palmöl ist also schwer zu ersetzen. Was man aber tun könne, so Schönlechner, sei, das eigene Konsum-Verhalten zu verändern, um damit die Nachfrage nach Palmöl zu reduzieren. Palmfett werde zurzeit auch in Produkten angewendet, wo es gar nicht notwendig wäre, etwa im Frittierbereich. Hier könne man leicht auf flüssige Öle umsteigen.

Und die Industrie könnte ihre Produktpalette anpassen.
"Warum muss jedes Nusskipferl aus Blätterteig sein? Es gibt auch Nusskipferl aus Germteig." Das heißt – man müsse umdenken. Der Konsument sollte seinen Fettverzehr senken, das wäre auch aus medizinischer Sicht sinnvoll.

Ein Verbot von Palmöl wäre übrigens aus der Sicht der Expertin kein gangbarer Weg, denn eine gesunde Alternative dazu gibt es eben bis dato nicht.

Gudrun Stindl, Ö1 Wissenschaft

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