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Bauernaufmarsch im Februar 1938 in der Steiermark

Steiermark: Hochburg "illegaler" Nazis

Die regionale Erforschung der illegalen NS-Bewegung zwischen den Jahren 1933 und 1938 fällt in den meisten österreichischen Bundesländern sehr karg aus. Das Gegenteil trifft nun auf die Steiermark zu. Ein bemerkenswerter Sammelband aus dem Czernin-Verlag bedient sich dafür umfangreicher und bisher unerschlossener Quellen.

Buchneuerscheinung 02.01.2016

Während der diktatorischen Regime von Engelbert Dollfuß und Kurt Schuschnig wurde die Steiermark zu einer Bastion der "illegalen" NS-Bewegung.

Wie, das schildert der Sammelband "Vom NS-Verbot zum 'Anschluss'. Steirische Nationalsozialisten 1933 – 1938." Herausgegeben wurde er von dem in Wien und Berlin lebenden Historiker Hans Schafranek und seinem steirischen Kollegen Herbert Blatnik, die selbst einige Beiträge verfasst haben. Sie unternahmen dafür bemerkenswerte Recherchen in Archiven in Deutschland und Österreich. Die Beiträge beruhen daher teils auf Quellen, die von der österreichischen NS-Forschung bisher nicht erschlossenen worden sind.

Ergänzt wird der Sammelband durch eine von Hans Schafranek angelegte Datenbank, die knapp 15.000 Einträge über illegale österreichische Nazis enthält. Im Buch selbst werden die Biografien einiger steirischer NS-Funktionäre vorgestellt, die in der Illegalität den Grundstein für ihre NS-Karriere nach 1938 legten.

Das Buch

Hans Schafranek, Herbert Blatnik (Hg.): "Vom NS-Verbot zum Anschluss. Steirische Nationalsozialisten 1933 bis 1938", Czernin Verlag

Sendungshinweis:

Das Dimensionen-Magazin berichtete über "Die Steiermark, eine Bastion der "illegalen" NS-Bewegung."

"Deutscher Tag" 1932 in Leibnitz

Hans Schafranek

"Deutscher Tag" 1932 in Leibnitz

science.ORF.at: Nach einer Serie von nationalsozialistisch motivierten Sprengstoffangriffen in ganz Österreich werden die österreichischen Nazis am 19. Juni 1933 verboten. Wie reagiert die NS-Bewegung darauf?

Hans Schafranek: Die österreichischen Nationalsozialisten ändern in der Folge ihre Strategie. An Stelle von offenem Terror setzen sie nun auf stille Morde an Spitzeln und politischen Gegnern, auf die Unterwanderung des Staatsapparates und auf eindringliche Propaganda im öffentlichen Raum. Deutschland nimmt jene, die nach dem Verbot von Österreich nach Deutschland flüchten, auf. Außerdem unterstützt es die illegalen Nationalsozialisten, die in Österreich bleiben, mit Geld. Und zwar über das NSDAP-Flüchtlingshilfswerk. Mehr als ein Fünftel des Geldes, das nach Österreich fließt, geht in die Steiermark

Nach dem Verbot flüchteten Tausende nach Bayern. Was ist über sie bekannt?

Die meisten davon waren Mitglieder der SA, der paramilitärisch organisierten Sturmabteilung. Aus ihnen wurden in Deutschland die so genannte "Österreichische Legion" geformt. Sie wurden militärisch ausgebildet und bewaffnet. Die Österreichische Legion sollte bei einem eventuellen Einmarsch Nazi-Deutschlands in Österreich bereitstehen. Viele wurden nach ihrer Rückkehr nach Österreich im Frühjahr 1938 allerdings enttäuscht, weil sie keine hohen Posten in der Verwaltung bzw. im NS-Parteiapparat bekamen. Sie beteiligten sich in der Folge jedoch intensiv am Raub jüdischen Vermögens.

Audio: Schafranek zur Datenbank über die Mitglieder der Österreichischen Legion

Ein Sendermast mit NS-Fahne in der Steiermark

Sammlung Killer, Graz

Ein Sendermast mit NS-Fahne in St. Peter, Graz

Steirer waren in der Österreichischen Legion überproportional stark vertreten. Wie lässt sich die Stärke der illegalen steirischen NS-Bewegung sonst noch untermauern?

Auffällig ist zum Beispiel auch, dass in der Mitgliederentwicklung der NSDAP, bis zu deren Parteiverbot, also von Jänner bis Juni 1933, die NS-Bewegung in der Steiermark wesentlich schneller wächst als in Rest-Österreich. Auch in Anhaltelagern, in denen die österreichischen Behörden illegale Nazis internierten, wurden überdurchschnittlich viele Steirer festgehalten – nämlich 38 Prozent.

Nach dem letztlich gescheiterten Putschversuch am 25. Juli 1934, bei dem unter anderem der autoritär herrschende Kanzler Engelbert Dollfuß ermordet wird, kommt es in den Folgejahren zu zahlreichen weiteren Morden. Sie schreiben, diese hätten auch eine propagandistische Funktion?

Die Propaganda der illegalen Nazis war sehr divers: Die Hakenkreuzfahne wurde an prominenten, aber schwer zugänglichen Orten im öffentlichen Raum gehisst, das Horst-Wessel-Lied in der Öffentlichkeit gesungen, Flugschriften verteilt, illegale Versammlungen abgehalten, Kulturveranstaltungen sabotiert. Und es wurde gemordet. Die Opfer waren politische Gegner und Spitzel, also Personen, die Behörden über die illegalen Aktivitäten der Nazis informierten. Das sollte potenzielle Informanten abschrecken. Die Täter flüchteten – mitunter über Jugoslawien, das sie nicht auslieferte, nach Nazi-Deutschland, das sie schützte. Interessant ist, dass sich das NS-System nach der Machtübernahme in Österreich sehr schwer damit tat, für diese Morde eine Art von juristischer Rechtfertigung zu finden, sie nicht weiter zu verfolgen und die Täter straffrei zu halten.

Audio: Schafranek zur fehlenden Ahndung der Fememorde an Gegnern der Nazis

Warum wurde gerade die Steiermark eine Hochburg illegaler Nazis?

Zum Großteil hat in der Steiermark, ähnlich wie in Kärnten, in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg Grenzlandideologie, gekoppelt an starken Antislawismus, eine bedeutende Rolle gespielt. Bald nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde in der Steiermark mit dem so genannten Steirischen Heimatschutz, kurz SH, eine extrem rechte, paramilitärische Organisation gegründet, die regen Zulauf erhielt. Er soll damals um die 120.000 Anhänger gehabt haben.

Wie unterschieden sich der Steirische Heimatschutz und die NSDAP?

Im Grunde gar nicht. Sie konkurrierten um Mitglieder, aber beide lehnten ein eigenständiges Österreich ab und forderten dessen Anschluss an Nazi-Deutschland. Beide waren stark antisemitisch geprägt.

Sie stellen in dem von Ihnen herausgegebenen Sammelband die Biografien einiger hochrangiger steirischer Nazis vor, die nach der Machtübernahme des Nationalsozialismus Karriere machten. Allerdings "nur" im Ausland?

Die Partei war sehr darauf bedacht, dass diese Personen in ihren Heimatgauen nicht zu mächtig werden. Wer in der SS war, musste sehr mobil sein. Steirische Nazis waren an Verbrechen am Balkan, in den Niederlanden und in der Sowjetunion federführend beteiligt.

Interview: Tanja Malle, Ö1 Wissenschaft

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Forum

 
  • Irgendwie nicht Überraschung...

    thom84, vor 203 Tagen, 15 Stunden, 42 Minuten

    Auch jetzt läuft der Großteil hier bereits wieder der Nachfolge Organisation nach. Auch die Atmosphäre ist hier gefühlt bereits sehr vergiftet und was zum Teil Personen wieder in der Öffentlichkeit aussprechen bringt einem schaudern

    • logopezi, vor 203 Tagen, 13 Stunden, 20 Minuten

      na dann sollen sich die Politiker der Regierungsparteien halt mal überlegen, womit sie die menschen dazu bringen, einer solchen "Nachfolgeorganisation" nachzulaufen. schaut aus, als hätten sie aus der geschichte nichts gelernt...

    • xcountry, vor 203 Tagen, 12 Stunden, 28 Minuten

      das ist ein dürftiges Argument, pezi. Nur weil die selbst gewählten Vertreter so agieren, das kann kein Grund für eine derart peinliche Entwicklung sein.

    • logopezi, vor 203 Tagen, 12 Stunden, 1 Minute

      das ist keine peinlich Entwicklung, das ist logische Konsequenz. mit andren worten: rotschwarz wollen es nicht anders, denn das ist der einzige weg für die wähler, die führenden Politiker von rot und schwarz jemals gegen den willen der Partei loszuwerden.
      und: selbst gewählt ist bei uns bestenfalls der Bundespräsident - bei allen andren macht man das kreuzl bei der Partei, und DIE wählt aus, wer IHRE Interessen dann vertritt - so weit ist unsre demokratur schon verkommen.

    • logopezi

      solidstate, vor 202 Tagen, 18 Stunden, 34 Minuten

      Dass die FP die einzige Möglichkeit sei SP und VP loszuwerden ist ein alter Werbespruch der FP und fern jeder Realität. Noch dazu hat die FP keine Alternativen anzubieten - wie man nicht nur in 6 Jahren "Wenderegierung" oder in Kärnten beobachten konnte. Ausserdem ist die heutige FP-Führung die 2. und 3. Garnitur der alten FP.
      Das Wählerpotential der heutigen FP ist das gleiche wie das der alten Nazis: stramme Nazis als Kern, vom Leben sich selbst und sonstigem Enttäuschte als als aktive Mitläufer und minder Gebildete als große Füllmenge.

    • logopezi

      solidstate, vor 202 Tagen, 18 Stunden, 28 Minuten

      Demokratur ist ein Wort, dass in rechtsextremen Kreisen zur Verächtlichmachung der Demokratie verwendet wird.
      Wenn Du auf Parteiwahlen Bezug nimmst: In Wien war ein gewisser Strache Spitzenkandidat. Stadtrat wurde ein gewisser Gudenus, jemand aus altem Adel, mit rechtsextremer persönlicher und Familientradition der im Kreise Gleicher bestenfalls verächtlich über jemanden wie Strache und die Wähler aus den Gemeindebauten spricht. So jemand hätte wohl kaum nennenswerte Stimmen bekommen.

    • logopezi, vor 202 Tagen, 10 Stunden, 16 Minuten

      du verbreitest unreflektiert anti-FPÖ-Propaganda insbesondere der roten. bestes bsp: der teil jener Arbeiterschaft, auf die die roten immer so stolz waren, der ihnen entlaufen ist, wird nun als minder gebildete füllmenge verunglimpft, und lt einer Studie, ich ich vor einiger zeit gelesen habe, ist der Anteil der Akademiker bei den blauwählern nicht geringer als bei rot und schwarz.
      und: nicht rotscharz IST eine alternative zu rotschwarz! nix tun können die blauen auch, und schlechter sein als rotschwarz können die blauen selbst wenn sie tätig werden nicht.
      demokratur: deine Argumentation ist reine reductio ad hitlerum! und nein: nicht die Verwendung des begriffes demokratur für das was sich bei uns abspielt macht die Demokratie verächtlich, sondern das, was rotschwarz aufführen, immer noch als Demokratie zu bezeichnen.

    • solidstate, vor 202 Tagen, 9 Stunden, 8 Minuten

      Du bestätigst nur was ich oben geschrieben habe. Die rechtsextreme Propaganda lief immer nach diesem Schema und sie läuft noch immer danach.
      Dass man es noch schlechter machen kann ist erwiesen (siehe meine oben genannten Beweise).

    • logopezi, vor 202 Tagen, 1 Stunde, 21 Minuten

      ich bestätige gar nichts, du verunglimpfst jede Kritik an den bestehenden zuständen, die dir nicht passt, als rechtextreme Propaganda, und glaubst, so nicht darauf eingehen zu müssen. und es stellt sich die frage, warum. (2 bis drei möglich Kandidaten für einen verdacht hab ich schon, aber die brauch ich hier nicht äußern, weils sofort gelöscht wird).

      merke: etwas einfach als rechtextreme Propaganda zu bezeichnen um sich inhaltlich damit nicht aueinandersetzen zu müssen, ist schon ein bissl billig und entspricht eher der Argumentation "minder gebildeter", wie du die leute postwendend bezeichnest, die die Frechheit besitzen, nicht mehr rotschwarz zu wählen.

    • @logopezi

      kakanien, vor 201 Tagen, 21 Stunden, 53 Minuten

      was daran ist falsch?

      "...Noch dazu hat die FP keine Alternativen anzubieten - wie man nicht nur in 6 Jahren "Wenderegierung" oder in Kärnten beobachten konnte. Ausserdem ist die heutige FP-Führung die 2. und 3. Garnitur der alten FP.
      Das Wählerpotential der heutigen FP ist das gleiche wie das der alten Nazis: stramme Nazis als Kern, vom Leben sich selbst und sonstigem Enttäuschte als als aktive Mitläufer und minder Gebildete als große Füllmenge..."

    • logopezi, vor 201 Tagen, 21 Stunden, 44 Minuten

      die letzten 4 zeilen sind reines, von rotschwarz lanciertes propagandaklischee, alternativen (=Reformen), die dringend nötig und auch parteiübergreifend bekannt sind, werden von rotschwarz seit Jahrzehnten nicht angegangen, und wenn die blauen diese einfordern (imo auch nur Lippenbekenntnisse), wird das abgetan mit "komt aus dem rechten eck".
      und zu 1., 2. oder 3. (4.? 5.?) Garnitur: du willst doch nicht behaupten, das was derzeit bei rot und schwarz an der spitze steht wär erste Garnitur?! wenn, dann schaut das bild dieser Parteien noch viel trister aus, als ich geglaubt hätte...

    • logopezi

      solidstate, vor 201 Tagen, 21 Stunden, 2 Minuten

      Ich habe mit keinem Wort behauptet, dass Rot oder/und Schwarz gut wären. Das bildest Du Dir höchstens ein!
      Ich habe nur geschrieben, dass Blau zumindest keine sinnvolle Alternative ist und wahrscheinlich, wie die Geschichte zeigt, noch schlechter ist.
      Selbst Dir sollte bewusst sein, dass es noch mehr Möglichkeiten als diese 3 Parteien gibt.

    • logopezi, vor 201 Tagen, 20 Stunden, 50 Minuten

      welche denn? die grünen sind roter Appendix: *blind*-*darm*-*Wurmfortsatz* und genau so entbehrlich. neos? ein unausgegorenes Mischmasch aus schwarz mit neoliberalen Versatzstücken. Kommunisten? stimme fürs Klo. hab ich wen vergessen?
      die einzigen mit realistischen chancen, rotschwarz einmal von der Regierung entfernen können, ist blau: nicht weil sie besser wären, aber weil sie stark genug sind, bei wahlen diesen erfolg haben zu können. schlechtere performanz als rotschwarz ist kaum möglich, und selbst wenn: einfach mal der wechsel der macht weg von rotschwarz wiegt selbst eine schlechtere regierungsleistung von blau (die zwar nicht unwahrscheinlich, aber auch nicht sicher ist)bei weitem auf. du darfst nicht vergessen: der notwendige periodische *wechsel der macht*, und zwar ohne Blutvergießen, ist imo ein wesentlicher Vorteil der Demokratie gegenüber jeder andren Regierungsform, weil sich dadurch nicht eine gruppe oder Person an der macht so festsetzen kann, dass er davon nicht mehr entfernbar ist. obwohl: mit rotschwarz haben wir diesen punkt ohne wiederkehr (ohne gewaltsame Revolution) eigentlich leider schon erreicht...

    • logopezi

      solidstate, vor 201 Tagen, 18 Stunden, 5 Minuten

      Und wieder wiederholst Du blaue Parteipropaganda 1:1 ("wir sind die einzige Alternative", "Grüne sind rotes Anhängsel"....).
      Dass es noch schlechter als bei der aktuellen Regierung geht habe ich schon mit konkreten Belegen mehrfach geschrieben.
      Zu Deiner Behauptung die Akademikerquote bei der FP ware nicht geringer als bei anderen, kann ich nur Antworten, dass sie geringer ist als bei jeder anderen Partei: http://www.sora.at/fileadmin/downloads/wahlen/2013_NRW_Wahlanalyse.pdf
      Du kannst aber auch gerne bei anderen Instituten nachlesen, es steht überall das Gleiche und es bestätigt meine persönlichen Eindrücke von Studium, Arbeit an einer Universität und meinem heutigen Arbeitsumfeld.