Standort: science.ORF.at / Meldung: "Forscher verwalten Daten recht unprofessionell"

Zwei Männer sitzen in einem Wiener Kaffeehaus, einer liest die Zeitung, der andere arbeitet mit dem iPad.

Forscher verwalten Daten recht unprofessionell

Rohdaten werden in der Wissenschaft immer mehr und immer wichtiger. Doch die meisten Forscher und Forscherinnen behandeln und speichern sie eher schlampig. Viele Daten gehen laut einer neuen Studie verloren – und nur die wenigsten werden der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt.

Wissenschaftsforschung 10.12.2015

Der Umgang mit Forschungsdaten ist also alles andere als professionell: Das ist das Fazit einer Umfrage unter 3.000 Wissenschaftlern aus 20 Unis und drei Forschungseinrichtungen in Österreich.

"Wir haben die Forscher zum Beispiel gefragt, wer sich normalerweise um ihre Daten kümmert. Bei manchen war dies institutionell organisiert, bei manchen der Sohn oder andere Familienmitglieder", erklärte Jose Luis Preza vom Zentralen Informatikdienst der Universität Wien. Die Befragung wurde von Wissenschaftlern der Universität Wien gemeinsam mit österreichischen Forschungseinrichtungen im Rahmen des Projekts "e-Infrastructures Austria" durchführt.

Oft keine Struktur

"Mehr als zwei Drittel der Wissenschaftler gaben an, ihre Forschungsdaten individuell und uneinheitlich zu beschreiben", heißt es in dem Bericht. Jeder Dritte habe sich auch schon damit abfinden müssen, dass wertvolle Aufzeichnungen verloren gegangen sind.

"Es gibt auch eine große Palette, wo die Daten gespeichert und wie sie verschickt werden", so Preza. Manche Forscher würden sie auf Servern geschützt bereitstellen, manche als E-Mails verschicken, und andere zögen den guten alten Postweg vor.

"Einige Forscher arbeiten freilich mit System, aber es gibt da draußen Tausende Wissenschaftler ohne strukturierte Methoden, was den Umgang mit ihren Forschungsdaten von der Planung bis zum Ende eines Projekts betrifft."

Daher benötige es zum Beispiel an den Instituten Richtlinien und Rahmenbedingungen, dass es auch nach Projektende Langzeitzugriff auf die Daten gibt. "Auch die Forscher selbst bräuchten dringend Training im Datenmanagement", meinte der Experte.

Nur zehn Prozent Open Data

Etwa zwei Drittel der österreichischen Forscher und Forscherinnen würden auch mit Fremddaten arbeiten und diese damit wiederverwerten. "Doch die Entstehung der verfügbaren Daten ist oft schlecht dokumentiert, und sie liegen häufig unstrukturiert irgendwo rum", sagte Preza. Außerdem fehle es oft an klaren rechtlichen Informationen, was mit solchen Daten gemacht werden dürfe.

Auch rund um die eigenen Daten bestünden bei vielen Forschern rechtliche Unklarheiten, die sie oft vom Teilen mit anderen abhalten. "Sie haben wenig Informationen, wie sie sich, ihr Institut und andere Personen schützen können, wenn sie Daten freigeben", erklärte Preza. Vor allem in medizinischen Bereichen sei dies kritisch, denn dort wären drei Viertel aller Daten sensibel. Befürchtet werde auch die Kommerzialisierung von Ergebnissen durch Dritte.

Ohne einen genauen rechtlichen Rahmen und institutionelle Richtlinien würden daher viele davon für die weitere Nutzung ausgeschlossen bleiben. So stellt nur jeder zehnte österreichische Wissenschaftler seine Forschungsdaten als Open Data allgemein zur Verfügung, so Paolo Budroni, der Leiter des e-Infrastructures-Projekts.

Ein solides Forschungsdatenmanagement sei nicht nur Grundlage für eine kooperative, offene Wissenschaft, sondern auch für ihre Nachvollzieh- und Überprüfbarkeit, betonen die Experten im Bericht. Empfehlungen für Verbesserungen soll nun eine Expertengruppe ausarbeiten.

science.ORF.at/APA

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