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Die Raumsonde Juno vor dem Jupiter

2016 - Aufbruch zu fernen Zielen

Die Silvesterraketen sind kaum abgeschossen, da nehmen bereits ihre großen Schwestern Aufstellung: Auf den Startrampen in Cape Canaveral, Kasachstan und Kourou laufen die Vorbereitungen für die Raumfahrtmissionen des neues Jahres. 2016 werden einige Missionen zu Ende gehen, aber noch viel mehr aufbrechen zu fernen Zielen.

Raumfahrt 04.01.2016

Eine der Mission, die 2016 ihren Höhepunkt erleben wird, ist bereits seit mehr als vier Jahren unterwegs: "Juno", eine US-Raumsonde auf Kurs zu Jupiter. Am amerikanischen Unabhängigkeitstag, dem 4. Juli, soll sie endlich am Zielplaneten eintreffen – wenn alles klappt, so die Einschränkung von Steven Levin, dem Projektwissenschaftler für "Juno" am Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Kalifornien: "Das dürfte der heikelste Teil der Mission werden."

Denn die Haupttriebwerke müssten im richtigen Moment zünden und Gegenschub liefern. Nur so könne die Sonde abbremsen, so dass Jupiters Schwerefeld sie einfangen kann. Es nütze nichts, wenn die Motoren erst eine halbe Stunde später anspringen. "Dann wären wir längst an Jupiter vorbeigeflogen", ergänzt der US-Amerikaner. "Wir werden also am 4. Juli nervös auf unseren Fingernägeln kauen."

Run auf den Roten Planeten

Auch andere Planeten werden im Laufe des neuen Jahres Besuch von der Erde bekommen. Wie fast jedes Jahr ist der Mars eines der Ziele. Der erste Teil der zweigeteilten ESA-Mission "ExoMars" soll am 14. März abheben. Ihr Ziel: Erstmals eine gelungene Landung auf dem Roten Planeten zu absolvieren, wie Ali Guelhan erklärt, der Chef des Überschalllaboratoriums beim DLR in Köln: "Wir Europäer waren noch nicht auf dem Mars. Wir möchten aber natürlich auch diese Technologie beherrschen."

Ö1 Sendungshinweis

Dem Thema widmete sich auch ein Beitrag in den Journalen: 2.1., 12 Uhr.

NASA-Sonde InSight

NASA/JPL-Caltech

Der NASA-Lander InSight

Erfolgreich zu landen, Daten zu sammeln und sie auszuwerten - das sei ein Riesenschritt für Europa. "So etwas haben wir noch nie gemacht." Gelingt dieser erste Schritt, wird 2018 Europas erster Mars-Rover folgen, der gezielt nach Leben suchen soll.

Die ebenfalls für den März geplante Marsmission der NASA wurde kurz vor Jahresende noch abgesagt. Der Roboter "InSight" sollte getreu seinem Namen "Einsichten" in das Innere des Roten Planeten vermitteln. Dazu sollte "InSight" unter anderem seismische Aktivitäten messen und Tiefenbohrungen vornehmen, um herausfinden, ob sein Kern fest ist oder flüssig wie bei der Erde.

Der Mars-Rover der ESA

ESA

ExoMars - der Mars-Rover der ESA

Es gab ein Problem mit einem von der französischen Weltraumbehörde CNES bereitgestellten Seismographen. Versuche, ein Leck an der Vakuumdichtung des Geräts zu reparieren, waren fehlgeschlagen. Wenn sie aus Budgetgründen nicht ganz abgesagt wird, kann die Mission frühestens wieder im März 2018 starten.

Mit dem Staubsauger zum Asteroiden

Doch nicht nur den Planeten gilt die Aufmerksamkeit des Weltraumjahres 2016. Auch Asteroiden, Kometen und Zwergplaneten werden eine Rolle spielen. Im September will die NASA mit der Sonde "OSIRIS-REx" einen Asteroiden aus nächster Nähe untersuchen, wie Alexander May vom Raumfahrtkonzern Lockheed Martin erläutert, der die Sonde gebaut hat: "Der Zweck der Mission OSIRIS-REx ist es, eine Probe des Asteroiden zu entnehmen und sie zur Erde zu fliegen. Dann können wir hier untersuchen, woraus dieser Himmelskörper besteht und wo er herkam."

Dazu wird die Sonde nicht landen, sondern während des Vorbeifluges, nur wenige Meter über der Asteroidenoberfläche, eine Art Staubsauger ausfahren, der eine Bodenprobe entnehmen soll. "Wir müssen den Asteroiden nur für wenige Sekunden berühren, um eine Probe zu bekommen", so der US-Ingenieur. "Wir senken die Sonde ab, dringen kurz in die Oberfläche ein und entfernen uns sofort wieder."

Die zweite Kometenlandung

Aber nicht nur neue Missionen werden sich 2016 auf den Weg machen. Zwei werden auch zu Ende gehen. "Rosetta", Europas erfolgreiche Kometensonde, bereitet sich auf ein spektakuläres Finale vor: Nachdem vor einem Jahr der Lander "Philae" auf Tschurjumow-Gerasimenko niedergegangen ist, soll in der zweiten Jahreshälfte nun auch das Mutterschiff eine Landung auf dem Kometen versuchen.

"Man kann sich am Ende der Mission zwei Szenarien überlegen", sagt Stephan Ulamec, der Projektleiter für Rosettas Lander "Philae" beim DLR. Entweder "Rosetta" driftet schlicht weg vom Kometen, wenn der Treibstoff zu Ende geht. "Das wäre aber ein bisschen langweilig", so Ulamec.

Die Alternative wäre, die Sonde auf immer niedrigere Orbits abzusenken. Solche Flugmanöver brächten hochaufgelöste Bilder der bordeigenen Kameras. "Das wäre zwar riskanter, aber am Ende der Mission letztlich egal", findet Stephan Ulamec. Ziel wäre eine Landung auf dem Kometen, bei der die Sonde nicht zerstört wird. "Wie sie dann letztlich dort steht, wie die Antennen ausgerichtet sind, was sie noch messen und ob sie dann noch kommunizieren kann - das ist alles offen."

Dämmerung für "Dawn"

Die Raumsonde Dawn und Ceres

NASA/JPL-Caltech

Die Raumsonde Dawn und der Zwergplanet Ceres

Die Amerikaner haben sich für das Ende ihrer Raumsonde "Dawn" ein anderes Szenario überlegt. Da es auf dem Zwergplaneten Ceres vielleicht organische Moleküle gibt, will die NASA diese möglicherweise bewohnbare Welt nicht mit Objekten von der Erde verseuchen, so Keri Bean, "Dawn"-Ingenieurin am JPL in Pasadena.

"Unser Plan für 'Dawn' ist es, sie am Ende ihrer Lebenszeit einfach für immer auf ihrer derzeitigen Umlaufbahn zu belassen, als eine Art Friedhofsorbit." So wolle die NASA sicherstellen, dass die Sonde nicht in Kontakt mit möglichem flüssigem Wasser kommt. - Und so wird die Raumsonde "Dawn" ihr Leben als einsamer, künstlicher Mond beenden, der Ceres für immer umkreist – ein ewiges Überbleibsel des Raumfahrtjahres 2016.

Guido Meyer, science.ORF.at

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