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Leuchtend rote getrocknete Goji-Beeren

Ist Superfood tatsächlich "super"?

Jünger, schöner und fitter werden - sogenanntem Superfood werden allerlei positive Wirkungen nachgesagt. Wissenschaftliche Studie, die das belegen, gibt es allerdings nicht.

Ernährung 24.12.2015

Unzählige Kekse, viele Tassen Punsch und obendrein ein mächtiger Braten - nach dem üppigen Essen rund um die Weihnachtsfeiertage geloben viele Menschen Besserung: Im neuen Jahr soll der Speiseplan dann endlich gesünder werden.

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag im Morgenjournal am 24.12. um 07:00.

Wer das mit sogenanntem "Superfood" erreichen möchte, sollte sein Vorhaben vielleicht noch einmal überdenken. Denn dass diese exotischen Obst- und Gemüsesorten tatsächlich besser sind als andere Nahrungsmittel, ist wissenschaftlich nicht belegt.

Ausreichend europäische Alternativen

Zwar sind Produkte wie Goji-Beeren aus China, Chia-Samen aus Mexico oder Açaí-Beeren aus Brasilien durchaus gesund. Das gelte aber auch für heimische Lebensmittel, sagt der Ernährungswissenschaftler Jürgen König von der Universität Wien: "Zu all diesen sogenannten Superfoods haben wir zumindest eine europäische Alternative."

Den hohen Vitamin-C-Gehalt der Acaí-Beeren findet man auch im Sanddorn, der in Österreich heimisch ist. Und die Omega-3-Fettsäuren und Ballaststoffe, die in den Chia-Samen stecken, sind ebenfalls keine exotische Besonderheit. "Die besonderen Dinge, die im Chia drin sind, finden wir genauso in unserem traditionellen Leinsamen. Nur der ist halt aus der Mode gekommen", erläutert König.

Verjüngende Wirkung nicht belegt

Was die Goji-Beeren für europäische Konsumenten besonders attraktiv macht, ist der Gehalt an Flavonoiden. Diese sekundären Pflanzenstoffe sollen antioxidativ und damit verjüngend wirken, indem sie freien Radikalen entgegenwirken. Die Flavonoide findet man jedoch nicht nur in chinesischen Gojis, sondern in gleicher Konzentration auch in Heidelbeeren aus Österreich. Hinzu kommt, dass die positive Wirkung dieser Pflanzenstoffe durch keine Studie belegt werden konnte.

Allen Widersprüchen zum Trotz steigt der Absatz der exotischen Superfoods in Europa laufend an. Auch wenn es keine wissenschaftliche Evidenz zur gesundheitssteigernden Wirkung dieser Lebensmittel gibt und die Hersteller damit auch nicht werben dürfen, verbreiten sich die zugehörigen Mythen schnell unter interessierten Konsumenten. Superfood zu kaufen, liegt im Trend: Seit 2012 hat sich beispielsweise der Import von Chia-Samen aus Südamerika beinahe verfünffacht.

Nicht das "erste" Superfood

Auch wenn der Terminus "Superfood" relativ neu ist, die Versprechungen, die mit solchen vermeintlich potenten Lebensmitteln verbunden werden, sind altbekannt. Ob Quinoa (die glutenfreie "Andenhirse"), Papaya oder Avocado - auch diesen Lebensmitteln wurden bei der Markteinführung in Europa regelrechte Superkräfte unterstellt. "Das ist einfach die Hoffnung der Menschen, neue Lebensmittel mit besonderen Erwartungen zu verbinden", erläutert König.

Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht sei nichts gegen das exotische Superfood einzuwenden. Wer sich Abwechslung auf dem Speiseplan wünscht, kann Goji, Chia und Co. bedenkenlos konsumieren. Aber: "Ernährungsphysiologisch notwendig ist das nicht", erläutert König weiter.

Ökologischer Fußabdruck

Was die Beeren und Samen aus Übersee gemein haben, sind die langen Transportwege. Denn die Produkte kommen fast durchwegs aus Asien und Südamerika. In punkto ökologischem Fußabdruck schneiden diese Lebensmittel also schlechter ab als etwa lokale Bioprodukte. Ob man sie super findet oder nicht, müssen die Konsumenten selbst entscheiden.

Marlene Nowotny, Ö1 Wissenschaft