Standort: science.ORF.at / Meldung: "Spione im Wandel der Zeit"

James-Bond-Darsteller Daniel Craig mit einer Pistole in der Hand.

Spione im Wandel der Zeit

Britische Roman- und Filmspione folgen in gewisser Weise der politischen Großwetterlage und den aktuellen technologischen Entwicklungen. Das analysierte ein britischer Medienwissenschaftler im Rahmen eines FWF-Projekts. Im Februar erscheint sein neues Buch dazu.

Literatur 05.01.2016

Britische Romanagenten, wie Ian Flemings James Bond oder John Le Carres George Smiley haben vor allem bei ihren zahlreichen Auftritten im Kino über die vergangenen Jahrzehnte das Bild des Spions in der Öffentlichkeit geprägt.

Buchhinweis:

Alan Burton: "Historical Dictionary of British Spy Fiction (Historical Dictionaries of Literature and the Arts)", Rowman & Littlefield Publishers, 528 Seiten, 125 US-Dollar, Erscheinungstermin: 23. Februar 2016.

An britischer Spionageliteratur werde im weltweiten Vergleich nicht nur am meisten produziert, sie habe sich auch "als geeignetes Mittel erwiesen, um Modellbeispiele nationalen Heldentums oder Kommentare zu Themen wie Korruption und Verrat einer großen Leserschaft näherzubringen", erklärt Alan Burton von der Universität Klagenfurt und der University of Leicester.

Passend zum Zeitgeist

In einer 2013 erschienenen ersten Buchveröffentlichung mit dem Titel "Historical Dictionary of British Spy Fiction" hat sich der Wissenschaftler mit Forschungsschwerpunkt britische Filmgeschichte mit einschlägiger Literatur auseinandergesetzt und dabei auch einen inhaltlichen Wandel herausgearbeitet: Vor dem ersten Weltkrieg wurden Spione als Gentlemen der Upper-Class dargestellt, "die als amateurhafte Abenteurer nicht nur dem damaligen Hauptgegner Deutschland die Stirn bieten, sondern nebenbei auch das Empire retten", so Burton.

Im Kalten Krieg boomte das Genre und vor allem Le Carre setzte sich in seinen Romanen "realistischer und zynischer mit gesellschaftspolitischen Fragestellungen zu Loyalität und Patriotismus auseinander", so der Befund. Momentan hätten wiederum ähnliche Invasionsängste wie im späten Viktorianismus Hochkonjunktur - allerdings vor dem Hintergrund neuer Bedrohungsszenarien, wie dem Diebstahl von und Misswirtschaft mit sensiblen Daten oder dem Terrorismus.

In der nun folgenden Veröffentlichung setzt sich Burton mit dem Spionagedrama in Film und Fernsehen bis in die Gegenwart auseinander. Am Beginn der Thatcher-Ära spiegelte sich demnach "der Rechtsruck in der britischen Politik" auch im Fernsehen wider, indem "die Tradition des Gentleman-Helden", der "gegen das nostalgisch simplifizierte Böse" antritt, wiederbelebt wurde. Zeitgleich ortet Burton aber auch einen anderen Trend in Richtung "Produktionen, die Spionageskandale und politische Verstrickungen thematisieren und Probleme des Umgangs mit geheimen Daten und Sicherheitsfragen behandeln".

science.ORF.at/APA

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