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Modell eines Gehirns.

Die Erinnerung ist blitzschnell

Erinnerungen an Erlebtes hat das Gehirn weit schneller wieder parat als angenommen. Bisher dachte man, das Hirn müsse etwa eine halbe Sekunde lang danach suchen. Wie Forscher nun berichten, werden die entsprechenden Hirnbereiche schon binnen 100 bis 200 Millisekunden aktiv.

Neurowissenschaft 06.01.2016

Die Neurowissenschaftler der Universitäten in Konstanz und Birmingham baten Teilnehmer zunächst, sich bestimmte Objekte möglichst genau einzuprägen. Später wurden die Erinnerungen wieder abgefragt. Als Analysemethode wurde die Elektroenzephalografie (EEG) verwendet, bei der aus Spannungsschwankungen an der Kopfoberfläche mit hoher zeitlicher Auflösung auf die Aktivität einzelner Hirnbereiche geschlossen werden kann.

Bei Erinnerungen an Erlebtes sind im Gehirn zum großen Teil dieselben Areale aktiv wie beim Abspeichern dieser Erlebnisse. Jede episodische Erinnerung ist einzigartig und an einen bestimmten Ort und Zeitpunkt gebunden. Im Erinnerungsprozess werden die Sinnesinformationen reaktiviert - also zum Beispiel Areale des Sehsinns wieder aktiv. Die im "Journal of Neuroscience" veröffentlichte Analyse ergab nun, dass dies bereits nach 100 bis 200 Millisekunden geschieht.

"Man hat gedacht, dass das Gehirn eine Weile braucht, um im Hippocampus - einer wichtigen Region für das Langzeitgedächtnis - danach zu suchen", erklärt Simon Hanslmayr von der Universität Birmingham. "Unsere Ergebnisse rütteln an dieser Vorstellung, denn sie zeigen eine sehr schnelle Reaktion des Gehirns." Erste Hinweise darauf hätten zuvor bereits andere Studien ergeben.

Unangenehme Erinnerungen blockieren

Gerade diese frühen Prozesse seien entscheidend für das erfolgreiche Erinnern an ein Geschehen, fanden die Forscher zudem heraus. Hemmten sie die frühe Reaktivierung mit sogenannter transkranieller Magnetstimulation (rTMS), störte das den Abruf der Erinnerungen. "Die Ergebnisse helfen uns, das episodische Gedächtnis, also die Erinnerung an Erlebnisse des Menschen, besser zu verstehen", erklärt Gerd Waldhauser, der inzwischen an der Ruhr-Universität Bochum forscht. Im Unterschied dazu speichert das semantische Gedächtnis Fakten - wie zum Beispiel, dass Paris die Hauptstadt von Frankreich ist.

Einen Nutzen könne möglicherweise die Psychiatrie haben, hieß es. "Es wäre hilfreich, in den Abruf von Erinnerungen eingreifen zu können, zum Beispiel bei Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen, die von wiederkehrenden unerwünschten Erinnerungen geplagt werden", so Waldhauser. Womöglich könne man in Zukunft einmal gezielt gegen diese immer wieder auftretenden Bilder vorgehen - allerdings seien zunächst weitere Studien nötig.

science.ORF.at/APA/dpa

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Forum

 
  • Parallel

    karl273, vor 201 Tagen, 7 Stunden, 58 Minuten

    Das ist eine Folge der hochgradig parallelen Arbeitsweise des Gehirns.
    Mikroprozessoren suchen sehr schnell lange Listen nacheinander ab.

    • foxkryptus, vor 200 Tagen, 22 Stunden, 43 Minuten

      Das hat nichts mit "Mikroprozessoren" zu tun, sondern mit Suchalgorythmen und Datenbankstrukturen.

      Wenn man ein elektronisches neurales Netzwerk simuliert ist die Abfrage- und Speicherungszeit relativ zum menschlichen Gehirn ähnlich und der Nachteil der strukturierten Informationsspeicherung ähnlich.

      Neurale Netzwerke sind ja nichts, das "übernatürlich" ist, sondern können auch mechanisch bzw. über Simulation nachgebildet werden.

    • Hallo foxkryptus,

      karl273, vor 200 Tagen, 9 Stunden, 4 Minuten

      welche Nachteile hat die strukturierte Informationsspeicherung?