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Buchrücken: Kritische Ausgabe von Hitlers "Mein Kampf"

Neuausgabe von "Mein Kampf" vorgestellt

Forscher vom Münchner Institut für Zeitgeschichte haben am Freitag die kritische Edition von Adolf Hitlers Hetzschrift "Mein Kampf" präsentiert. Die knapp 2.000 Seiten dicke Neuauflage sei als eine "Gegenrede" zu Hitlers Originaltext zu verstehen.

Zeitgeschichte 08.01.2016

Die Edition ist trotz der kritischen Intention der Herausgeber nicht unumstritten. Kritiker befürchten, rechtsextremes Gedankengut könnte dadurch verbreitet werden. Die Neuausgabe könne einem breiten Publikum verdeutlichen, dass es sich bei dem Buch "über weite Strecken um eine aggressive wie ordinäre Hasspredigt handelt", so der Leiter des Editionsprojekts, Christian Hartmann. "Dieses Buch war und ist ein Symbol, daran hat sich bis heute nichts geändert."

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Fernsehhinweis:

Am 17. Jänner zeigt ORF2 um 23:05 Uhr "Mein Kampf - das gefährliche Buch".

Historiker Christian Hartmann mit dem neuen Buch

APA/AFP/CHRISTOF STACHE

Christian Hartmann präsentiert die neue umfangreiche Edition

"Mein Kampf" müsse heute verstanden werden als "das gedankliche Zentrum einer menschenverachtenden wie mörderischen Ideologie, deren Verwirklichung schließlich in der größten Katastrophe endete, welche die Geschichte kennt", so der Historiker bei der Vorstellung der Neuauflage. Jedenfalls sei die Arbeit an dem Projekt keine einfache gewesen, so Hartmann Ende 2015 in einem Interview - mehr dazu in "Schwierig, so ein irres Gebräu zu widerlegen".

Urheberrechte ausgelaufen

Die deutsche Neupublikation des Buchs war möglich, weil die Urheberrechte Ende 2015 ausliefen. Nach Hitlers Tod waren die Schutzrechte für das Buch "Mein Kampf" - das bis 1945 rund zwölf Millionen Mal in Deutschland gedruckt worden war - für 70 Jahre auf den Freistaat Bayern übergegangen, der die Zustimmung zu einer Neuauflage stets verweigert hatte.

Dass "Mein Kampf" nun ohne urheberrechtliche Einschränkung publiziert werden könne, habe die kritisch kommentierte Edition geradezu zwingend erforderlich gemacht, sagte der Direktor des Instituts für Zeitgeschichte (IfZ), Andreas Wirsching. Es wäre schlicht unverantwortlich, "dieses Konvolut der Unmenschlichkeit" kommentarlos zu veröffentlichen, "ohne ihm eine kritische Referenzausgabe entgegenzustellen, die Text und Autor gleichsam in die Schranken weist".

Wirsching räumte ein, dass die Neuausgabe Unbehagen und Kritik hervorrufe - "insbesondere aus der Perspektive der Opfer des nationalsozialistischen Terrors". Es wäre aber "auch politisch-moralisch nicht zu vertreten und mit großen Risiken behaftet, in Sachen 'Mein Kampf' untätig zu bleiben", so der IfZ-Direktor.

Entmystifizierung und Aufklärung

Die Neuausgabe "enttarne die von Hitler gestreuten Falschinformationen und seine Lügen". Sie sei auch ein "wissenschaftlicher Dienst an der Würde der Opfer" und trage zu einer Entmystifizierung der Hetzschrift bei. Wirsching verwies in dem Zusammenhang auch auf das aktuelle Erstarken rechter Bewegungen in Europa.

Derzeit drohten "entsprechende Denkhaltungen wieder salonfähig zu werden", sagte er. Deshalb sei es "erforderlich, die entsetzlichen Triebkräfte des Nationalsozialismus und seines tödlichen Rassismus zu erforschen, kritisch zu präsentieren und einer informierten Öffentlichkeit zur Diskussion zu überlassen".

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, begrüßte die Neuveröffentlichung. "Ich kann mir gut vorstellen, dass diese kritisch kommentierte Auflage einer Aufklärung dient und dass sie einen gewissen Mythos, der um dieses Buch herrscht, aufzuklären vermag", so Schuster gegenüber dem Sender NDR - mehr dazu in "Zentralrat der Juden begrüßt neue Edition".

Unkommentierte Ausgabe bleibt verboten

Der deutsch-israelische Historiker Moshe Zimmermann befürchte keinen Missbrauch der kommentierten Neuausgabe von "Mein Kampf" durch Rechtsradikale. Er kenne den Text gut, schon vor 20 Jahren habe er an einer Übersetzung ins Hebräische mitgearbeitet: "Die Rechtsradikalen in Deutschland können kaum etwas mit dem Text anfangen, weil er nicht aktuell ist", sagte der Historiker gegenüber der dpa, "und weil er langweilig ist."

Die kritische Edition wird auch in Österreich erhältlich sein. Die größten Buchhändler des Landes gehen allerdings sehr vorsichtig mit dem Thema um. Man werde das Buch nicht in der Auslage präsentieren, hieß es kürzlich gegenüber dem Ö1-Mittagsjournal.

Unkommentierte Veröffentlichungen von "Mein Kampf" bleiben in Deutschland verboten, sie sind allerdings online immer wieder erhältlich. In Österreich ist das Buch selbst nicht verboten, das Verbotsgesetz 1947 untersagt jedoch nationalsozialistische Wiederbetätigung - was in der Praxis auf ein indirektes Verbot hinausläuft. Denn als Wiederbetätigung würde auch die unkommentierte Veröffentlichung von "Mein Kampf" gelten.

science.ORF.at/APA/dpa

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