Standort: science.ORF.at / Meldung: "Mediziner: Grenzwert für Bluthochdruck senken"

Ein Arzt misst den Blutdruck eines Patienten

Mediziner: Grenzwert für Bluthochdruck senken

Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat weltweit jeder dritte Mensch über 25 Jahre zu hohe Werte, in Österreich sind es fast 40 Prozent der Bevölkerung. Doch was ist zu hoch, was normal? Experten plädieren dafür, die Richtwerte zu senken.

Gesundheit 14.01.2016

135 zu 90 - misst die Hausärztin solche Blutdruckwerte, dann bleibt das für die Patienten im Normalfall ohne Folgen. Denn von Bluthochdruck spricht man erst, wenn der erste Wert, der systolische Blutdruck, über 140 liegt. Das soll sich nun ändern, fordert die Österreichische Hochdruck Liga, eine medizinische Fachgesellschaft.

Eine US-amerikanische Studie mit mehr als 9.000 Teilnehmern hat gezeigt, dass Risikopatienten von einem niedrigeren Blutdruck stark profitierten. Die Versuchsteilnehmer wurden in zwei Gruppen geteilt: Eine hatte das Blutdruckziel von maximal 120, die andere von maximal 140.

Eine Tablette zusätzlich

Die Studie:

"A Randomized Trial of Intensive versus Standard Blood-Pressure Control" ist im November 2015 im "New England Journal of Medicine" erschienen.

Link:

Ö1 Sendungshinweis:

Über die Empfehlung berichtete auch das Mittagsjournal am 14. Jänner 2016.

"Herausgekommen ist, dass in der intensiven Gruppe, die das Blutdruckziel unter 120 gehabt hat, viel weniger Herzinfarkte, Schlaganfälle, Fälle von Herzschwäche aufgetreten sind und es sind auch viel weniger Patienten verstorben", erläutert der Kardiologe Thomas Weber vom Klinikum Wels-Grieskirchen und Präsident der Hochdruckliga.

Die Teilnehmer der Studie waren über 50 Jahre alt, hatten Ausgangswerte zwischen 130 und 180 und ein erhöhtes Risiko für Herzkreislauferkrankungen, etwa wegen eines erhöhten Cholesterinspiegels. Die Gruppe mit dem Zielwert "unter 120" musste im Schnitt eine Tablette ihres Blutdruckmedikaments am Tag zusätzlich einnehmen.

"Unter 130"

In der Studie wurden die gängigen Medikamente verwendet. Sie wurde nicht von der Pharmaindustrie finanziert, sondern von der US- Gesundheitsbehörde. In Österreich leiden etwa zwei Millionen Menschen an einem zu hohen Blutdruck. Würde man zumindest in der vergleichbaren Risikogruppe ein Blutdruckziel unter 120 anstreben, könnten möglicherweise einige tausend Todesfälle verhindert werden, argumentiert Thomas Weber.

Die Österreichische Hochdruckliga spricht sich deswegen dafür aus, auch in Österreich die Richtwerte zu senken. Jedoch nicht auf "unter 120", sondern auf "unter 130". Denn oft werde der Bluthochdruck beim Hausarzt festgestellt, nicht jedoch im Alltag, und da, so Kardiologe Thomas Weber "hat man natürlich diese Weißkitteleffekte, diesen Praxishochdruck drinnen".

Regelmäßige Messungen

Die Empfehlung an die Ärzteschaft lautet daher, Blutdruckmessungen automatisiert in einem ruhigen Nebenraum durchzuführen und den Durchschnittswert aus drei Messungen heranzuziehen. Die Patienten sollten auch regelmäßig selbst messen und Protokoll führen.

Wer bereits unter Bluthochdruck leidet, sollte natürlich auch seinen Lebensstil ändern, was heißt: mehr Bewegung, kein Rauch und gesunde Ernährung.

Marlene Nowotny, Ö1 Wissenschaft

Mehr zum Thema: