Standort: science.ORF.at / Meldung: "Wochenendschlaf schützt vor Diabetes"

Mann schläft im Bett

Wochenendschlaf schützt vor Diabetes

Fünf kurze Nächte und dann zweimal ausschlafen - das ist der Wochenrhythmus, den der Arbeitsalltag aufzwingt. Mediziner haben für den "Homo bureauensis" nun eine gute Nachricht: Die Ruhephasen am Wochenende könnten vor Diabetes schützen.

Medizin 19.01.2016

"Unsere Studie zeigt, dass man mit zwei langen Nächten Schlaf aufholen und dadurch negative Wirkungen auf den Stoffwechsel aufheben kann", sagt Studienautorin Josiane Broussard.

Mit "negativen Wirkungen" meint die Forscherin von der University of Boulder den mittlerweile recht gut belegten Zusammenhang von Schlafentzug und Diabetes. Selbst mäßig kurze Nächte von vier bis fünf Stunden erhöhen das Risiko für diese Krankheit. Der Effekt ist in etwa so groß wie jener von Übergewicht.

Versuch: Arbeitswoche simuliert

Aber er lässt sich umkehren, wie Broussard mit ihren Kollegen im Fachblatt "Sleep" berichtet. Die amerikanischen Wissenschaftler beobachteten 19 junge Männer bei folgendem Experiment. Einmal durften die Probanden vier Tage hintereinander 8,5 Stunden pro Nacht im Bett bleiben, beim zweiten experimentellen Durchgang wurde die Schlafdauer auf 4,5 Stunden begrenzt.

Diese vier kurzen Nächte wurden allerdings von einem normierten "Wochenende" gefolgt, zwei Nächte mit ausreichend Schlaf, hier wachten die Probanden im Schnitt erst nach 9,7 Stunden wieder auf.

Während der Versuche kontrollierten die Forscher die sogenannte Insulinempfindlichkeit - sie zeigt an, wie gut Körperzellen auf das Hormon Insulin ansprechen. Und sie bestimmten auch den sogenannten Dispositionsindex, ein Maß für das Risiko, Diabetes zu entwickeln.

Resultat: Nach den vier kurzen Nächten sank die Insulinempfindlichkeit der Probanden um 23 Prozent, der Dispositionsindex stieg im Gegenzug um 16 Prozent. Das zweimalige Ausschlafen in den Folgenächten beförderte die Werte dann wieder auf das Normalniveau des ersten Versuchsdurchgangs.

Effekt auch bei Frauen und Älteren?

"Die Wirkung dieser Extradosis Schlaf auf den Stoffwechsel ist interessant und vielversprechend", sagt Esra Tasali, ein Koautor der Studie. "Junge, gesunde Menschen, die unter der Woche zu wenig Schlaf bekommen, können ihr Diabetesrisiko mindern, sofern sie am Wochenende den Schlaf wieder aufholen."

Er betont aber auch, dass man aus den vorliegenden Ergebnissen keine voreiligen Schlüsse ziehen sollte. Die Aussagekraft der Studie sei in mehrfacher Hinsicht begrenzt.

Erstens, weil dafür nur junge Männer rekrutiert wurden, zweitens, weil der Untersuchungszeitraum der beiden Experimente nicht über eine Woche hinausging, und drittens, weil die Probanden im Laufe der Studie einem kontrollierten Ernährungsplan folgten.

Letzteres ist im normalen Leben eben oft nicht der Fall: Menschen, die zu wenig schlafen, neigen laut Untersuchungen zu maßlosem Essverhalten, essen zu viel, zu fett und zu süß - alles Faktoren, die Diabetes begünstigen. Chronischer Schlafmangel hat auch andere negative Wirkungen, er fördert Entzündungen, begünstigt Bluthochdruck und schränkt das Denkvermögen ein.

science.ORF.at

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