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Mensch als Spiderman verkleidet auf einem Hochhaus

Warum es Spider-Man nicht geben kann

Wie eine Spinne klettert die Comicfigur Spider-Man die Wände hinauf. Laut Forschern wäre das im echten Leben nicht einmal theoretisch möglich. Für eine überzeugende Performance müsste ein Mensch "Klebefüße" in der Größe 145 besitzen. Bei Lebewesen größer als Geckos sei diese Art der Fortbewegung auch nicht praktikabel.

Klettern 19.01.2016

Die Schwerkraft ist für Geckos kein Problem, blitzschnell klettern sie Wände hoch und spazieren selbst auf glatten Flächen kopfüber. Die flinken Schuppenkriechtiere sind aber nicht die einzige Spezies, die sich mittels Klebkräften in alle Richtungen bewegen kann. Auch Milben, Spinnen und Frösche haften auf allen Flächen.

Die Haftfähigkeit von insgesamt 225 Tierarten - darunter Insekten, Frösche und Echsen - analysierten nun die Forscher um David Labonte von der University of Cambridge. Sie verglichen, wie die Tiere genug Kraft erzeugen, um ihr Körpergewicht auch kopfüber tragen zu können. Mit zunehmender Körpergröße wächst demnach auch die Größe der benötigten Haftflächen.

Die Studie

"Extreme positive allometry of animal adhesive pads and the size limits of adhesion-based climbing" von David Labonte et al. erschien am 18. Jänner in den "Proceedings of the National Academy of Science".

Haftflächen von Klettertieren

D. Labonte

Die Haftflächen von Fröschen, Fledermäusen, Kakerlaken, Wanzen, Echsen, Käfer, Fliegen und Spinnen

Limitierte Größe

Daraus ergebe sich ein natürliches Limit für die Größe der Tiere. "Je größer ein Tier ist, umso weniger Körperfläche hat es im Vergleich zu seinem Volumen. Eine Ameise hat viel Fläche, aber kaum Volumen. Ein Wal hingegen ist vor allem Volumen mit einer vergleichsweise kleinen Oberfläche", so Labonte in einer Aussendung. Das sei ein Problem für größere und schwerere Tiere, denn dies bräuchten mehr Klebkräfte, um auch an senkrechten Wänden zu haften, haben aber tatsächlich weniger Haftfläche zur Verfügung.

Ameise und Gecko-Fuß

A. Hackmann & D. Labonte

Eine Ameise neben einem Gecko

Geckos benötigen laut den Studienautoren bereits 200-mal so viel Klebefläche wie etwa Milben. Damit befinden sich die Schuppenkriechtiere bereits am oberen Limit für Senkrechtkrabbler. Größere Tiere haben daher den Forschern zufolge auch zusätzliche Kletterhilfsmittel wie etwa Krallen ausgebildet.

Klebrige Riesenfüße

Menschen sind also deutlich zu groß für diese Art der Fortbewegung. Sie bräuchten eine Haftfläche, die 40 Prozent der Körperoberfläche entspricht. Ganze 80 Prozent der Vorderseite müssten kleben, um eine überzeugende Spider-Man-Performance hinzukriegen. Oder die Füße müssten entsprechend größer sein.

"Wenn ein Mensch wie ein Gecko die Wand erklimmen möchte, müsste er extrem unpraktische, riesige Füße haben, etwa in Größe 145", so Koautor Walter Federle, auch von der University of Cambridge. Der einzige Ausweg wäre es, die Haftfähigkeiten zu verändern - eine Entwicklung, die sich etwa an manchen Fröschen nachweisen lässt: Ihre eher kleinen Haftstellen sind laut den Forschern einfach extrem klebrig.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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