Standort: science.ORF.at / Meldung: "Das große Krabbeln in der Wohnung"

Käfer der Gattung Galerita auf einem Teppichboden

Das große Krabbeln in der Wohnung

Wohnungen und Häuser sind veritable Ökosysteme, wie eine Untersuchung amerikanischer Wissenschaftler zeigt: Sie haben in Haushalten 500 verschiedene Tierarten entdeckt - darunter Insekten, Spinnen, Milben und anderes Kleingetier.

Insekten und Co. 19.01.2016

Forscher um Matt Bertone von der North Carolina State University in Raleigh hatten in der Stadt und ihrer Umgebung 50 freistehende Häuser mit insgesamt 554 Zimmern nach sogenannten Gliederfüßern (Arthropoden) durchstöbert. Dieser großen Tiergruppe gehören unter anderem die Insekten, Tausendfüßer, Krebs- und Spinnentiere an.

32 bis 211 klar unterscheidbare Arten fanden die Forscher in den einzelnen Häusern, im Durchschnitt waren es um die 100. Insgesamt wurden 579 verschiedene Spezies erfasst.

Dauergäste: Speckkäfer und Bücherläuse

Die Studie

"Arthropods of the great indoors: characterizing diversity inside urban and suburban homes", Peer J (19.1.2016).

Sendungshinweis

Über diese Studie berichten heute auch die Ö1-Nachrichten.

"Unsere Häuser bieten viel mehr Biodiversität, als die meisten Leuten denken", wird Bertone in einer Mitteilung zur Studie zitiert. "Wir stellen uns unser Zuhause oft als sterile Umgebung vor, aber das ist sie nicht."

Unser Lebensraum sei auch der vieler anderer Arten - nur gebe es meist kaum Berührungspunkte und die Mitbewohner würden gar nicht bemerkt. Haubennetzspinnen (Theridiidae) zum Beispiel wurden demnach in allen Häusern und in zwei Dritteln aller Räume gefunden. Immer im Haus zu finden waren zudem Speckkäfer, Gallmücken und Ameisen, fast immer gab es Bücherläuse und Trauermücken.

Ameisen auf dem Teppichboden untersuchen einen Brotkrümel

Matt Bertone

Ameisen (Monomorium minimum) naschen an Speisresten

Auch versehentliche Besucher wie Kleinzikaden (Cicadellidae) fanden die Forscher. Viele der gefundenen Arten lebten nicht ständig in den Haushalten, sondern seien von draußen ins Haus gelangt, etwa in Blumensträußen, erklärt Bertone. In der Wohnung lebten sie dann meist nicht mehr lange. Als ein weiteres Beispiel dafür führen die Wissenschaftler die Gallmücken an, die sich von Pflanzen außerhalb der Häuser ernähren.

Zumeist harmlose Mitbewohner

Zu den wenigen Schädlingen, die die Forscher aufspürten, zählten diverse Schabenarten wie die Rauchbraune Großschabe (Periplaneta fuliginosa) und die Amerikanische Großschabe (Periplaneta americana). Sie kamen in knapp drei Vierteln der Haushalte vor. Seltener waren Termiten (28 Prozent der Häuser), Flöhe (10 Prozent) und die Deutsche Schabe (Blattella germanica, 6 Prozent).

"Die überragende Mehrheit der Gliederfüßler, die wir in den Häusern fanden, waren keine Schädlinge, sondern friedliche Mitbewohner", betont Bertone. Lästige Arten wie Staubmilben, Silberfischchen oder Kleidermotten habe es allerdings durchaus im Großteil der Häuser gegeben. Bettwanzen waren nicht darunter.

Die Forscher wollen ihre Analyse nun ausweiten. "Wir wollen auch in anderen Gegenden der USA Proben nehmen und erwarten da auch Unterschiede", sagt Bertone. Viele der Arthropoden seien aber weit verbreitet - in den USA und der ganzen Welt. "Sie reisen seit Jahrhunderten mit den Menschen mit."

Mitautorin Michelle Trautwein will die Rolle der Krabbeltiere im "Ökosystem Haus" untersuchen: "Haben sie mikrobielle Organismen, die unsere Gesundheit zum Guten oder Schlechten beeinflussen?"

Experten gehen davon aus, dass die Verhältnisse in mitteleuropäischen Haushalten ähnlich sein dürften, auch wenn es dazu noch keine Untersuchungen gab.

"Vieles, was bei uns in den Häusern rumkrabbelt, ist nicht gefährlich. Aber die Grenze, ab der man etwas noch okay findet oder sich ekelt, ist bei jedem anders", sagt Andreas Beckmann, Geschäftsführer des Deutschen Schädlingsbekämpferverbandes. So seien Silberfischchen in der Wohnung für manche tolerabel, für andere aber nicht.

science.ORF.at/dpa

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