Standort: science.ORF.at / Meldung: "Barrierefrei durch akustische Leitsysteme "

Frau hält Hand zum Ohr

Barrierefrei durch akustische Leitsysteme

Forscher vom Grazer "Joanneum Research" entwickeln technische Lösungen für mehr Barrierefreiheit. Sie sollen Menschen mit Hör- und Sehbeeinträchtigungen dabei unterstützen, ihre täglichen Einkäufe und Erledigungen selbstständig und ohne fremde Hilfe durchzuführen.

Technologie 20.01.2016

Es sind sogenannte intelligente Assistenz- und Navigationssysteme, mit denen Franz Graf von der Grazer Forschungsgesellschaft Joanneum Research beispielsweise den Weg zu Ämtern und Behörden ebnen will.

Ö1 Sendungshinweis:

Darüber berichtet auch das Mittagsjournal am 20.01. um 12:00.

Ein Navigationssystem soll etwa Sehbeeinträchtige mithilfe spezieller Lautsprecher vom Portier bis hin zum gewünschten Sachbearbeiter führen: "In den Gängen, zum Beispiel beim Finanzamt, sind diese Lautsprecher installiert. Der Sehbehinderte kann genau diesen schmalen Schallstrahl entlanggehen. Wenn es z.B. um die Ecke geht, werden genau die Lautsprecher aktiviert, die notwendig sind, um ein bestimmtes Zimmer zu finden."

Das Besondere daran: Nur die Person, die sich direkt im Schallstrahl befindet, kann die gewünschte Wegbeschreibung hören. Damit stören die Textansagen weder andere Kunden auf den Gängen, noch die Mitarbeiter in den Büros. Dafür sorgt eine Technologie, an deren Entwicklung der Joanneum-Research-Akustiker Clemens Amon mitarbeitet. "Wir nennen diese Technologie Soundsoning: Wir können bestimmte Bereiche im Raum beschallen und andere nicht. So können wir akustisch Wege definieren", erklärt Amon.

Gebündelter Schall

Stark bündelnde elektroakustische Lautsprecher sind auch als Hilfestellung für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen bestens geeignet. Die praktische Umsetzung schildert Franz Graf am Beispiel eines Apothekenbesuchs: "Der Kunde kann sich an eine bestimmte Stelle im Raum stellen, wird dort von dem Ultraschalllautsprecher beschallt, und der Apotheker kann - z.B. ein neues Medikament - gut erklären. Wieder mit dem großen Vorteil: Es hört nur die Person, die es auch wirklich betrifft. Alle anderen können nicht mithören. Damit haben wir auch den Datenschutz gewahrt und können älteren Personen helfen, selbst in die Apotheke zu gehen und ihre Geschäfte zu erledigen."

Seit etwa zwei Jahren arbeiten die Forscher bereits an den entsprechenden Lautsprechersystemen, deren Funktionsweise auf einer Ultraschalltechnik basiert: "Sehr stark gebündelt - das kann man sich vorstellen wie einen Laserstrahl - wird Schall über eine lange Strecke übertragen. Auf einen Ultraschallstrahl mit einer Träger Frequenz von ca. 40 kHz wird der hörbare Schall, das Sprachsignal, aufmoduliert, und durch die Inhomogenitäten in der Luft wird dieses Sprachsignal wieder demoduliert, und die Person kann es hören."

Prototypen einzelner Bereiche sind fertig - in eineinhalb bis zwei Jahren sollen die ersten Systeme für die Nuter zum Einsatz kommen, hofft der Grazer Forschungsgruppenleiter.

Sylvia Sammer, Ö1 Wissenschaft

Mehr zum Thema: