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Venusfliegenfalle mit Fliege

Venusfallen zählen ihre Beute aus

Nach zwei Berührungen durch ein Insekt schnappt die fleischfressende Venusfalle zu. Experimente zeigen, dass es aber mindestens drei weitere Kontakte braucht, damit es dem Tier endgültig an den Kragen geht. Hielte es still, würde die Pflanze die Beute verschmähen.

Botanik 22.01.2016

Schon Charles Darwin war fasziniert von Dionaea muscipula, der Venusfliegenfalle, weil sie einen genialen Weg gefunden hat, um in kargen, nährstoffarmen Böden zu überleben: Sie ernährt sich von Tieren. Diese fängt sie mit einer beweglichen Schnappfalle, die im Inneren von winzigen Härchen und mehr als 30.000 Drüsen überzogen ist. Die Haare reagieren auf Berührungen.

Die Studie in "Current Biology":

"The Venus Flytrap Dionaea muscipula Counts Prey-Induced Action Potentials to Induce Sodium Uptake" von J. Böhm et al., erschienen am 21. Jänner 2016.

Angezogen werden die Insekten von einem fruchtigen Duft, den die hungrige Pflanze verströmt. Auf der Suche nach vermeintlichem Futter berühren tierische Besucher die feinen Härchen und lösen damit einen elektrischen Impuls in der Pflanze aus.

Aber erst wenn zwei solche Impulse innerhalb von 15 bis 20 Sekunden aufeinanderfolgen, schnappt die Falle zu, wie die Forscher um Rainer Hedrich vom Biozentrum der Universität Würzburg schon vor einigen Jahren festgestellt haben. Bei falschem Alarm wird also keine Energie verschwendet.

Fünf Berührungen bis zum Tod

Noch ist der Verschluss jedoch nicht vollständig. Außerdem beginnt die Pflanze nicht sofort mit der Verdauung. Für größere Insekten ist ein Entkommen dennoch unmöglich. Fast wirkt es so, als würde die Venusfalle zuerst prüfen, ob das Futter den Aufwand auch lohnt, den der Verdauungsprozess für die Pflanze bedeutet. Erst wenn die Beute in Panik danach wiederholt die Härchen berührt, wird die Falle hermetisch verschlossen und verwandelt sich in einen grünen Magen. Die Drüsen produzieren Säure und Verdauungsenzyme, die das ganze Tier in seine Bestandteile zersetzen.

Video der Forscher: Venusfallen auf "Beutefang"

In seiner aktuellen Arbeit hat das Team um Hedrich nun genau untersucht, ab wann sich die tödliche Falle endgültig schließt. In einer Serie von Experimenten mit echten Tieren - verwendet wurden Heimchen - und rein elektrischen Stimulationen, haben sie die chemischen und mechanischen Mechanismen innerhalb der Pflanze genau analysiert.

Wie sich zeigte, reichen drei weitere Berührungsimpulse - also insgesamt fünf - aus, damit die Venusfalle einem Tier endgültig den Garaus macht. Ab diesem Moment läuft die Produktion der Verdauungsenzyme voll an und die Nahrungsaufnahme wird vorbereitet.
Die Erklärung der Forscher: Durch die Anzahl der Kontakte stellt die fleischfressende Pflanze gewissermaßen sicher, dass das Beutetier nahrhaft genug ist, und somit für den aufwändigen Verdauungsprozess wieder genug Energie hereinkommt.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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