Standort: science.ORF.at / Meldung: "Störche überwintern auf dem Misthaufen"

Junge Störche im Nest in Tunesien

Störche überwintern auf dem Misthaufen

Viele Störche fliegen im Winter nicht mehr in den tiefen Süden. Sie bleiben auf dem Weg dorthin auf Abfallbergen in Spanien oder Marokko hängen. Mit den Zwischenstopps sparen sich die Tiere viel Energie, es könnte aber Folgen für das Ökosystem haben, warnen Forscher.

Zugvögel 22.01.2016

Die Forscher um Andrea Flack vom Max-Planck-Institut für Ornithologie beobachteten für ihre Studie das Flugverhalten von 70 jungen Weißstörchen aus unterschiedlichen Ländern. "Damit wir eine Idee haben, wie viel Energie die Tiere brauchen", so die Verhaltensforscherin Flack. Ergebnis: Die Vögel auf den Mülldeponien verausgaben sich weniger als weitreisende Artgenossen, leben aber nicht unbedingt länger.

Die Studie in "Science Advances":

"Costs of migratory decisions: A comparison across eight white stork populations" von A. Flack et al., erschienen am 22. Jänner 2016.

Faule Vögel

Ein Storch bei der Landung

Julio Blas

Ein Storch bei der Landung

Die Forscher legten den Weißstörchen aus acht Populationen GPS-Sender mit Beschleunigungsmessern an. Sie beobachteten die gefiederten Tiere auf den ersten fünf Monaten ihrer Reise. Zugvögel etwa aus Russland oder Polen verbrauchen auf der Tausende Kilometer langen Ostroute in den Süden Afrikas viel Energie.

Ihre trägen Artgenossen etwa aus Süddeutschland, die im Herbst eigentlich über die sogenannte Westroute in den tiefen Süden ziehen, sparen sich hingegen immer häufiger den Weg und bleiben auf Mülldeponien entlang der Route hängen. Die Tiere finden dort reichlich Futter wie Fleisch- und Fischreste. "Auf den Müllhalden müssen sie nicht nach Nahrung suchen, in den natürlichen Habitaten in Afrika ist die Nahrungssuche aufwendiger", sagte Flack.

Russische Jungstörche im Nest

Jury Galchenkov

Russische Jungstörche im Nest

Das Verhalten der Wandervögel könnte sich aber auf Ökosysteme auswirken. "Wir wissen nicht, was das für Langzeitfolgen hat", meint Flack. Die Wandertiere können etwa nützlich sein bei der Bekämpfung von Heuschreckenplagen. Und trotz aller Energie lebten die Störche, die Müllkippen nutzen, nicht zwangsläufig länger: Verletzungen und Krankheiten drohten auf den Deponien, sagte Flack: "Die Gefahr ist groß, dass man was Falsches frisst."

science.ORF.at/APA/dpa

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