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Tüpfelhyäne schaut auf Metallbehälter

Gehirn: Es kommt doch auf die Größe an

Gemessen an der Körpergröße haben manche Arten - wie auch der Mensch - ein recht großes Gehirn. Ob das besonders intelligent macht, ist umstritten. Laut einer neuen Studie an 39 Tierarten kann man damit jedenfalls besser neue Probleme lösen.

Intelligenz 26.01.2016

Ganze neun Kilogramm wiegt das Gehirn des Pottwals, das einer Wüstenameise nur 0,28 Milligramm. Die Unterschiede haben zunächst natürlich vor allem mit der Körpergröße zu tun, aber nicht nur.

Denn bei manchen Arten ist das Gehirn unverhältnismäßig groß, z.B. beim Menschen und bei manchen Delfinen. Genau in dieser Unverhältnismäßigkeit könnte der Zusammenhang mit geistigen Fähigkeiten bzw. Intelligenz liegen. Diese schon länger kursierende Idee ist jedoch nicht unumstritten, vor allem weil es wenige experimentelle Belege dafür gibt.

Experiment mit 39 Arten

Die Studie

"Brain size predicts problem-solving ability in mammalian carnivores" von A. Benson-Amram et al, erschienen am 25. Jänner 2016 in den "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Ö1Sendungshinweis:

Darüber berichtet auch Wissen aktuell am 26.1. um 13:55.

Mit einem Großexperiment haben die Forscher um Sarah Benson-Amram von der University of Wyoming nun versucht, solche zu erbringen. In neun US-amerikanischen Zoos haben sie dafür Versuche mit 39 fleischfressenden Säugetierarten durchgeführt. Insgesamt wurden 140 Tiere getestet, darunter Eisbären, Polarfüchse, Tiger, Flussotter, Wölfe, Tüpfelhyänen, Marderbären und Schneeleoparden.

Innerhalb von 30 Minuten konnten die tierischen Probanden probieren, einen in der Größe passenden Metallbehälter zu öffnen, in dem ein artgerechter Snack versteckt war. Wenn es dem Tier gelang, den Riegel zu lösen, wurde es damit belohnt.

Video: Versuchstiere beim Öffnen des Behälters:

Erfolgreiche Bären

Die Ergebnisse sprechen klar für einen Vorteil der relativen Gehirngröße: Je (relativ) größer das Gehirn, umso leichter fiel dem Tier die Aufgabe. Laut den Forschern konnten insgesamt 35 Prozent der Tiere das für sie neue Problem lösen. Am besten schnitten dabei die Bären ab. Sie waren in 70 Prozent der Versuche erfolgreich. Erdmännchen und Mangusten waren die großen Verlierer, kein einziger ihrer Artgenossen schaffte es, an das begehrte Futter zu kommen.

Im Allgemeinen gelang dies aber kleineren Tieren deutlich häufiger als großen. Die Geschicklichkeit an sich hatte den Forschern zufolge keine Auswirkungen auf die Ergebnisse, denn sie hätten die diesbezüglichen Fähigkeiten bei der Konstruktion des Behälters berücksichtigt.

Sozialleben unerheblich

Darüber hinaus überprüften die Forscher, ob die Problemlösungsfähigkeiten etwas mit dem Sozialleben der jeweiligen Art zu tun haben. Denn laut der "social-brain"-Hypothese ist das Gehirn mancher Arten, wie auch des Menschen, nur wegen des sozialen Kontexts und der entsprechenden Anforderungen so gewachsen.

Wenn diese These stimmt, müssten Tiere, die in größeren Gruppen leben, intelligenter sein. Die aktuellen Resultate sprechen dagegen, denn dafür, wie gut ein Versuchstier den Behälter öffnen konnte, war es den Autoren zufolge völlig unerheblich, ob dieses als Einzelgänger oder als Gruppenwesen lebt.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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