Standort: science.ORF.at / Meldung: "Ameisen als perfekte Teamworker"

Blattschneiderameisen transportieren Blätter

Ameisen als perfekte Teamworker

Blätter transportieren, klein schneiden und verarbeiten: Die winzigen Blattschneiderameisen, die ein Vielfaches ihres Körpergewichts schleppen und ihr eigenes Futter anbauen, sind laut einer neuen Studie wahre Meister im geschickten und kräftesparenden Arbeiten in verteilten Rollen.

Verhaltensforschung 27.01.2016

Die Blattschneiderameise Atta cephalotes lebt in einem komplexen Staat und in enger Symbiose mit bestimmten Pilzen. Diese züchtet sie als Nahrung auf einem Nährboden aus Blattstückchen.

Die Studie in "Royal Society Open Science":

"Leaf processing behavior in Atta leafcutter ants: 90% of leaf cutting takes place inside the nest, and ants select pieces that require less cutting" von RyanW. Garrett et al., erschienen am 27. Jänner 2016.

Ryan Garrett von der University of Oregon und Kollegen fanden nun heraus, dass die Ameisen eine Strecke von drei Kilometern, und damit eine Million-mal ihre eigene Körperlänge, schneiden müssen, um einen Quadratmeter Blätter zu zerlegen. Diese kräftezehrende Aufgabe erledigen sie so energiesparend wie möglich.

Umhegte Pilzzucht

"90 Prozent des Blattschneidens finden im Ameisennest statt, und Ameisen wählen dazu Stückchen aus, die weniger Schneidearbeit erfordern", schreiben die Forscher. Die Ameisen seien dabei bemerkenswert geschickt: Oft benutzen sie drei ihrer Beine als Drei-Punkt-Standfläche und bearbeiten oder halten mit den anderen drei Beinen das Blattstück.

Sie durchbeißen es, lecken Kleinstlebewesen ab und durchlöchern es - die Forscher vermuten, um die Pilzsporen besser einpflanzen zu können. Dann setzen sie die mit einem Ameisensekret als "Mörtel" versehenen Blattstückchen wie ein Maurer in ihre schwammartigen Pilzgärten ein, wo die heranwachsenden Pilze anschließend aufwendig umsorgt werden. Ohne die Hege der Ameisen wiederum würden die Pilze von einem Schlauchpilz befallen und absterben.

"Perfekter Superorganismus"

In der Versuchsanordnung im Labor stellten die Forscher fest, dass die Ameisen bevorzugt kleinere, vorperforierte Blattstücke aus dem Freien in ihren unterirdischen Bau trugen und das Zerkleinern zu 90 Prozent erst im Bau erfolgte. Garrett und sein Team vermuten, dass dort vor allem junge Ameisen mit noch unbeschädigten Kiefern diese Arbeit erledigen - und so den Energieaufwand insgesamt möglichst gering halten.

Video: Das Teamwork der Blattschneiderameise

Über das hochkomplexe, arbeitsteilige Leben der Blattschneiderameisen ist schon viel geforscht worden. Die renommierten Biologen Bert Holldöbler und Edward Wilson nennen ihre Staaten im Pulitzerpreis-gekrönten Buch "The Ants" einen "perfekten Superorganismus" und zählen sie zu den sieben Weltwundern des Tierreichs. Die gigantischen unterirdischen Bauten können bis zu 50 Quadratmeter umfassen.

Lebende "Fliegenklatsche"

Zudem weiß man bereits, dass die blätterschleppenden Ameisen zugleich auch winzige Pygmäen-Ameisen tragen. Diese wehren als eine Art "Fliegenklatsche" tödliche parasitische Fliegen ab, die sonst Eier in den Nacken der Transportameisen legen würden.

Forscher aus Würzburg fanden heraus, dass die zumeist in den Tropen und Subtropen Amerikas lebenden Tiere ein ausgeklügeltes internes Benachrichtigungssystem haben, um neue Weidegründe schnell und effektiv abzugrasen - bevor ihnen andere Ameisenvölker zuvorkommen.

science.ORF.at/APA/dpa

Mehr zum Thema: