Standort: science.ORF.at / Meldung: "Neue Datenautobahn für Satelliten"

Europäisches Datenrelaissystem

Neue Datenautobahn für Satelliten

Zahlreiche Satelliten haben die Erde im Blick und sammeln Daten. Doch die Daten zur Erde zu bekommen, ist teilweise knifflig. Daher baut die ESA nun eine Datenautobahn im Weltall. Ein etwa 50 Kilogramm schweres Gerät soll künftig in rund 36.000 Kilometern Höhe als Übermittler Daten von Satelliten abholen und zur Erde übertragen.

Raumfahrt 27.01.2016

Damit könnten gesammelte Beobachtungsdaten viel schneller zu den Nutzern in Europa gelangen - und zum Beispiel Hilfseinsätze nach Naturkatastrophen oder die Grenzüberwachung erleichtern. Die erste Relaisstation soll am Freitagabend (23.20 Uhr) an Bord einer Proton-Rakete vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan abheben.

Das Projekt der Europäischen Weltraumorganisation ESA in Partnerschaft mit Airbus will einen Engpass bei der Übermittlung von Daten aus dem All auflösen. Viele Beobachtungssatelliten wie beispielsweise die "Sentinel" des EU-Programms Copernicus kreisen in einer niedrigen Umlaufbahn um die Erde. Dadurch seien sie aber im Schnitt nur 10 von 90 Minuten in Reichweite ihrer Bodenstation, erläuterte ESA-Projektmanager Michael Witting. "Wir können Daten nur in diesem Zeitraum übermitteln, was die Datenmenge empfindlich einschränkt und auch eine Verzögerung schafft."

Mehr Sicherheit

Von einem Satelliten im geostationären Orbit aus sind solche tieffliegenden Beobachter deutlich länger in Sichtweite - mindestens die Hälfte der Zeit. Die Relaisstation bleibt derweil immer über dem gleichen Punkt der Erdoberfläche und kann somit ständig Kontakt zur Bodenstation halten. Ziel des Europäischen Datenrelaissystem (EDRS) ist eine Übertragung zum Nutzer in einer Viertelstunde.

Für militärische Nutzer wirbt Airbus-Manager Evert Dudok dank der Lasertechnik mit Pluspunkten bei der Sicherheit. Als Einsatzmöglichkeiten nennt er auch Flutkatastrophen, die Beobachtung von Flüchtlingsströmen oder Umweltdelikten auf hoher See. "Da ist Geschwindigkeit wichtig", betont Dudok, der bei der Rüstungs- und Raumfahrtsparte des europäischen Konzerns für Kommunikations-, Überwachungs- und Sicherheitssysteme zuständig ist.

Zentrale Herausforderung war es, den Laserstrahl zwischen Beobachtungssatellit auf 800 Kilometer Höhe und der Relaisstation auf 36.000 Kilometer Höhe abzustimmen. Das Projekt hat ein Budget von etwa 500 Millionen Euro, rund 140 Millionen steuert Airbus bei.

Ab Sommer im Dienst

Die erste Relaisstation EDRS-A fliegt huckepack an Bord des Fernsehsatelliten Eutelsat-9B ins All. Die zweite Station bekommt einen eigenen Satelliten und soll 2017 starten. In der Diskussion sind laut Dudok eine oder zwei weitere Stationen, um eine globale Abdeckung sicherzustellen, damit Beobachter rund um die Uhr Daten übermitteln können.

Erste Dienste sollen in diesem Sommer angeboten werden, zunächst für zwei Copernicus-Satelliten. Zudem sollen bald neue Laserterminals getestet werden, mit denen auch Daten von Aufklärungsflugzeugen oder Drohnen über die Relais übertragen werden können. "Wenn dieses Produkt funktioniert, wird das Anwendungsspektrum sehr schnell sehr viel größer", hofft Dudok. Er meint: "Wir setzen mit EDRS auch einen globalen Standard, der sehr reizvoll ist."

science.ORF.at/APA/dpa

Mehr zum Thema:

Die ORF.at-Foren sind allgemein zugängliche, offene und demokratische Diskursplattformen. Die Redaktion übernimmt keinerlei Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Wir behalten uns aber vor, Werbung, krass unsachliche, rechtswidrige oder beleidigende Beiträge zu löschen und nötigenfalls User aus der Debatte auszuschließen. Es gelten die Registrierungsbedingungen.

Forum

 
  •