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Verschiedene Schokoladen und Schokoprodukte

Das Erfolgsgeheimnis von Schokolade

Es ist die Suche nach Energie, die uns immer wieder zu süßen Speisen greifen lässt, und nicht etwa die Lust auf den süßen Geschmack - so lautet das Ergebnis einer Gehirnstudie. Die Forscher sehen darin einen möglichen Grund, weshalb viele Diäten scheitern.

Ernährung 08.02.2016

Gesündere Ernährung stand bei vielen Österreichern und Österreicherinnen auch heuer ganz oben auf der Liste der Neujahrsvorsätze. Nun ist der erste Monat vorüber und damit bei vielen auch der Vorsatz, weniger Süßes zu essen, bereits verworfen. Der Griff in die Süßigkeitenlade könnte aber unter Umständen weniger mit dem Geschmack zu tun haben, als vielmehr mit den Kalorien im Zucker.

Darauf lässt zumindest eine Studie schließen, die ein Forschungsteam der Yale Universität an Mäusen gemacht hat. "Wenn das Gehirn die Wahl hat zwischen einer guten und süßen, jedoch kalorienarmen Kost einerseits und einer energiereichen Mahlzeit mit furchtbarem Geschmack andererseits hat, dann wählt es Energie", fasst Ivan de Araujo das Ergebnis in einer Aussendung zusammen.

Studie

"Separate circuitries encode the hedonic and nutritional values of sugar" von Luis A Telez und Kollegen ist am 25. Jänner 2016 in Nature Neuroscience erschienen.

Unterschiedliche Neuronengruppen verantwortlich

Sowohl die Reize für Geschmack als auch jene für Kalorien werden in einem Teil des Großhirns verarbeitet, dem Striatum. Auf süßen Geschmack reagiert ein Bereich des Striatums, auf Kalorien ein anderer.

Um herauszufinden, ob das Verlangen nach Süßem in erster Linie auf den guten Geschmack oder doch auf die darin enthaltenen Kalorien und somit Energie zurückzuführen ist, haben die Neurowissenschaftler künstliche Kostproben für die Mäuse zusammengemischt – zum einen "süß und kalorienarm", zum anderen "unangenehm bittersüß, aber kalorienreich".

Ergebnis: Die Mäuse zogen die Kalorien dem Geschmack vor. Und zwar selbst dann, wenn die Nervenzellen jenes Striatumbereichs, der den Geschmack verarbeitet, künstlich angeregt wurden.

Bedeutung für das menschliche Verhalten

"Man muss natürlich vorsichtig sein, wenn man versucht, Studien an Mäusen auf Menschen zu übertragen. Bei den untersuchten Gehirnarealen handelt es sich jedoch um evolutionär alte Bereiche des Gehirns, die sowohl bei Mäusen als auch bei Menschen erhalten sind. Diese spielen bei Entscheidungen als auch bei Belohnungen eine wesentliche Rolle", so de Araujo gegenüber science.ORF.at.

Daraus schließt das Forscherteam, dass diese Nervenbahnen "unsere Energiezufuhr überwachen" und darüber hinaus unsere Speisewahl beeinflussen.

"Dass die Suche nach Energie Priorität hat, erklärt möglicherweise, warum es vielen schwerfällt, bei einer Diät Zucker zu reduzieren und durch kalorienarme Kost zu ersetzen", so de Araujo.

Ruth Hutsteiner, science.ORF.at

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