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Der Schauspieler Sean Penn als Schattenriss raucht eine Zigarette

WHO will "rauchfreie Filme"

Rauchende Pistolen sind okay, rauchende Leinwandhelden hingegen nicht - vor allem, wenn sie von Stars aus Hollywood gespielt werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor dem Einfluss, den rauchende Schauspieler auf Jugendliche haben. Die Altersfreigabe für Filme mit Raucherszenen soll deshalb nach oben gesetzt werden.

Gesundheit 01.02.2016

"Filme, in denen Tabakprodukte konsumiert werden, haben Millionen von jungen Menschen dazu verleitet, mit dem Rauchen anzufangen", betont die WHO zur Vorlage ihres "Smoke-Free Movies Report" in der Nacht zum Montag.

Für die Tabakindustrie seien Filme angesichts strenger Werbeverbote für Zigaretten "einer der letzten verbliebenen Kanäle, um Millionen von Heranwachsenden Szenen des Rauchens auszusetzen", sagt der zuständige WHO-Direktor Douglas Bettcher.

Zum Rauchen verleitet

Dass Rauchen zu Lungenkrebs sowie Herz- und zahlreichen weiteren Krankheiten führen kann, gilt längst als erwiesen. Umso schlimmer, so die WHO-Studie, dass neuen Untersuchungen in den USA zufolge das Vorbild paffender Schauspieler für 37 Prozent der neuen jungen Raucher der Auslöser gewesen sei, selbst zur Zigarette zu greifen.

Nach Schätzungen der US-Gesundheitsbehörde CDC könnten 2014 sechs Millionen amerikanische Jugendliche durch solche Filme zum Rauchen verleitet worden sein. Etwa zwei Millionen von ihnen könnten an tabakbedingten Krankheiten sterben, meint die WHO. Betroffen ist längst nicht nur Hollywood. Filme etwa aus Deutschland, Italien oder Polen bieten laut WHO sogar mehr Raucherszenen als US-Produktionen.

Ein langer Forderungskatalog

Die WHO will auch vermutete stille Geschäfte zwischen Tabakkonzernen und so manchem Studio unterbinden. Filmproduzenten sollen einen Ehrenschwur leisten: Im Abspann sollen sie erklären, "nichts von Wert für das Zeigen von Tabakprodukten" in dem jeweiligen Film erhalten zu haben. Zudem sollen Kinos, TV-Sender und Online-Anbieter verpflichtet werden, "Anti-Rauchen-Werbung vor jedem Film mit Tabakszenen" zu zeigen.

Ihren "Smoke-Free Movies Report" legte die WHO nach 2009 nun in der dritten aktualisierten Form vor. Während sich die Tabakindustrie bei dem Thema gern völlig bedeckt hält, gibt es unter Regisseuren und Schauspielern unterschiedliche Ansichten - bis hin zur Ablehnung.

Der italienische Regisseur Paolo Sorrentino etwa, der mit seinem Spielfilm "La Grande Bellezza - Die große Schönheit" 2013 der Stadt Rom samt ihren Zigarettenrauchern ein Denkmal setzte, hält gar nichts davon: Im Kino habe nicht das Gesundheitsministerium, sondern die künstlerische Freiheit zu regieren, erklärte er.

Ära des stilvollen Inhalierens ist vorbei

Einige Filmemacher sagen, die Zigarette werde aus ihren Werken erst verschwinden, wenn im realen Leben kaum noch jemand raucht. Ihre einst stilprägende Rolle hätten die Glimmstängel ohnehin nicht mehr, meinten Autoren des 2014 vom Deutschen Filminstitut herausgegebenen Bands "Thank You for Smoking - Die Zigarette im Film". Die Ära des stilvollen Inhalierens durch Größen wie Humphrey Bogart, Marlene Dietrich oder Marlon Brando ist jedenfalls längst vergangen. Selbst die lasziven Glimmzüge von Sharon Stone in "Basic Instinct" oder von Uma Thurman in "Pulp Fiction" wirken wie von anno dazumal.

Ganz zu schweigen von Clint Eastwood. In seiner Italo-Western-Phase war er ohne Zigarillo im Mund kaum vorstellbar. Erst viel später sprach sich herum, dass Eastwood Nichtraucher ist - und womöglich teils auch dieser Tatsache sein ansehnliches Alter von 85 Jahren bei guter Gesundheit verdankt. Gar nicht so selten sind es in Filmen zudem nicht die Guten, sondern die Schufte, die sich einen glühenden "Sargnagel" nach dem anderen reinziehen. Ein positives Vorbild dürften die kaum abgeben.

Anders war das freilich mit dem guten New Yorker Polizisten John McClane. Der brauchte im Kampf gegen Fieslinge immer wieder mal seine Zigarettenpause. Bis Hollywood-Star Bruce Willis "die Schnauze voll vom Rauchen" hatte, wie er dem "Spiegel" 2007 sagte. So kam es, dass im vierten Teil von "Stirb langsam" Superheld McClane nicht mehr raucht. "Ich möchte nicht wissen, mit wie vielen Zigaretten ich meine Lunge geteert habe", sagte der reumütige Willis (inzwischen 60).

science.ORF.at/Thomas Burmeister, dpa

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