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Forscher untersucht Aedes Aegypti (Überträgermücke des Zika-Virus) im Labor

Zika-Virus: Kein Grund zur Panik

Die WHO hat am Montag wegen des Zika-Virus den Gesundheitsnotstand verhängt. Es steht im Verdacht, Schädelfehlbildungen bei Neugeborenen auszulösen. Der Tropenmediziner Herwig Kollaritsch hält eine Warnung vor allem für Schwangere gerechtfertigt, für die Normalbevölkerung sei das Virus aber nicht gefährlich.

Epidemie 02.02.2016

Die WHO-Verordnung sei wegen der epidemiologischen Ausmaße der Erkrankung gerechtfertigt, erklärt Kollaritsch im Ö1 Mittagsjournal, wenngleich diese für einen großen Teil der Bevölkerung nicht gefährlich sei. "Das ist der große Unterschied zum Ebola-Virus, der im Gegensatz zum Zika-Virus auch zu sehr schweren Erkrankungen und häufig zum Tod führt", so der Mediziner.

Gefährdet sind im Fall von Zika schwangere Frauen oder solche, die schwanger werden wollen, obwohl immer noch nicht eindeutig belegt ist, dass Schädelfehlbildungen von Neugeborenen darauf zurückzuführen sind.

Keine Panik

In den betroffenen Gebieten ist eine Empfehlung, geplante Schwangerschaften vorerst zu verschieben, laut Kollaritsch durchaus sinnvoll. Für eine spätere Schwangerschaft nach einer Infektion sieht der Mediziner aber keine Gefahr: "Nach einer Infektion entwickelt man in der Regel eine langanhaltende Immunität."

Herwig Kollaritsch zu Gast im Ö1 Mittagsjournal

ORF, Raphaela Pint

Herwig Kollaritsch zu Gast im Ö1 Mittagsjournal

Nur bei Männern gebe es Hinweise, dass das Virus im Sperma länger überleben kann. Eine Infektion beim Geschlechtsverkehr sei aber extrem unwahrscheinlich. Es sind laut Kollaritsch momentan nur zwei Fälle bekannt, wo sich das Virus im Sperma nachweisen ließ.

Wieso entfaltet das Zika-Virus dann eine derartige Panikwirkung? Die unglaubliche Zahl an Betroffenen und die Tatsache, dass man Schwangere nicht schützen kann, meint der Mediziner. Eigentlich sei die Infektion recht harmlos, und man sollte nicht überreagieren.

Tests und Impfung

Die WHO will indes dem Kampf gegen das Virus einen neuen Schub verleihen - auch aus diesem Grund wurde die Krankheit als internationaler Gesundheitsnotfall deklariert. Eines der Hauptprobleme sei das Fehlen eines zuverlässigen Tests, so ein WHO-Sprecher. "Wir wissen nicht, wann ein Mensch infiziert ist." Die Entwicklung eines Impfstoffs werde voraussichtlich Jahre dauern. All das werde viele Millionen Dollar kosten.

Nun kommt es der WHO zufolge darauf an, bei den etwa 4.200 Verdachtsfällen von möglichen Schädelfehlbindungen in Brasilien genau festzustellen, ob es sich tatsächlich um Mikrozephalie handelt. Das könne Monate dauern. Bisher seien 270 Fälle von Mikrozephalie bestätigt. Nur in wenigen Fällen habe die Mutter vorher definitiv Zika gehabt, sagte der WHO-Mikrozephalie-Experte Anthony Costello.

Speziell mit Blick auf die Olympischen Spiele in Brasilien riet die WHO den Frauen erneut zur Vorsicht. "Nutzen Sie die Empfängnisverhütung, wenn sie zu den Spielen reisen", sagte Costello. Unterdessen hat das Kinderhilfswerk Unicef eine Kampagne zum Schutz von Müttern und Schwangeren in den betroffenen Gebieten gestartet. Mit einem Spendenappell über neun Millionen Dollar (8,3 Millionen Euro) sollen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus finanziert werden.

science.ORF.at/dpa

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