Standort: science.ORF.at / Meldung: "Männer kommen in Medien viel öfter vor"

Der türkische Premier Erdogan und US-Präsident Obama im Vordergrund, dahinter die deutsche Kanzlerin Merkel, dahinter weitere Männer mit Anzug und Krawatte

Männer kommen in Medien viel öfter vor

Die Welt der Nachrichten ist von Männern dominiert: Das zeigt die bisher größte Studie zu dem Thema. Britische Forscherinnen haben dazu mehr als zwei Millionen Artikeln untersucht, die auf englischsprachigen Online-Medien erschienen sind. Ergebnis: 77 Prozent aller erwähnten Personen sind Männer.

Gender 03.02.2016

Bei Bildern ist der Unterschied etwas geringer, immerhin 30 Prozent aller abgebildeten Personen sind Frauen, heißt es in der am Mittwoch erschienenen Studie. Die Ergebnisse "unterstützen die Behauptung von Feministinnen, dass Frauen in den Medien marginalisiert werden", sagt die Journalismusforscherin Cynthia Carter von der Universität Cardiff.

Die Studie

"Women Are Seen More than Heard in Online Newspapers" von Sen Jia und Kolleginnen ist am 3. Februar 2016 in "PLOS ONE" erschienen.

Screenshot einer Website, der die Erkennung von Männern und Frauen in Text und Bild zeigt

University of Bristol

Das Werkzeug erkennt auf einer Website automatisch Männer und Frauen in Text und Bild

Mode ist die Ausnahme

Für die Studie haben Experten für Künstliche Intelligenz mit Medienforscherinnen zusammengearbeitet. Gemeinsam entwickelten sie ein Werkzeug, das zwischen Oktober 2014 und April 2015 über 2,3 Millionen Online-Artikeln von 950 englischsprachigen Online-Medien untersucht hat. Es durchforstet automatisch sowohl die Texte als auch die Bilder und erkennt, ob sich darunter Männer oder Frauen befinden.

Nachdem die Forscherinnen zwölf Kategorien gebildet hatten, zeigte sich ein klares Bild: Männer sind fast überall stärker vertreten. Spitzenreiter ist der Sport, wo 91,5 Prozent aller Namen männlich waren, im Bereich Unterhaltung waren es "nur" 70 Prozent. Bei den Bildern ist der Unterschied nicht ganz so groß: Hier gibt es im Bereich Unterhaltung immerhin 40 Prozent Frauen, in der Politik sind es nur 20 Prozent.

Nur in einem einzigen Ressort sieht es anders aus: in der Mode. Hier sind 54 Prozent der namentlich erwähnten Personen Frauen, bei den Bildern sind es fast zwei Drittel. In nahezu allen Bereichen ist die Wahrscheinlichkeit für Frauen höher, dass sie auf einem Bild erscheinen als im Text (Ausnahme: Politik).

"Forbes" mit den meisten Männern

Unter den 15 wichtigsten Online-Medien am wenigsten ausgewogen waren das Wirtschaftsmagazin "Forbes", die BBC und Fox News mit jeweils rund 80 Prozent Männeranteil. Am "geschlechtergerechtesten" war die australische Webseite News.com.au mit rund einem Drittel Frauenanteil.

Ihre Studie sei die bisher größte ihrer Art, betonen die Forscherinnen. Sie zeige die systematische Unterrepräsentation von Frauen im Nachrichtenbereich – und das "unterschätzt ihre potenziellen Beiträge für die Gesellschaft und verringert dabei die Demokratie", wie es die Studienautorin Cynthia Carter ausdrückt.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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