Standort: science.ORF.at / Meldung: "Rätsel um die "Tiefseesocke" ist gelöst"

Xenoturbella profunda, eine der vier nun entdeckten Arten

Rätsel um die "Tiefseesocke" ist gelöst

Es sieht aus wie eine gebrauchte lila Socke: ein Lebewesen auf dem Boden der Tiefsee, das Forscher seit Jahrzehnten rätseln ließ. Mithilfe von Genanalysen ist es nun geglückt, den Wurm in den Stammbaum des Lebens einzubauen – er gehört zu einem der ältesten Zweige überhaupt.

Zoologie 04.02.2016

"Dadurch können wir die frühe Phase der Tierevolution besser verstehen", sagt der Meeresbiologe Greg W. Rouse von der Scripps Institution of Oceanography in La Jolla, San Diego, Kalifornien.

Haben nur einen Mund

Die Studie

"New deep-sea species of Xenoturbella and the position of Xenacoelomorpha" von Greg W. Rouse und Kollegen ist am 3. Februar 2016 in "Nature" erschienen.

Ö1 Sendungshinweis

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 4. 2., 13:55 Uhr.

Xenoturbella ("fremde Strudelwürmer"), so heißt die umstrittene Gattung. Erstmals entdeckt wurde ein Exemplar bereits vor knapp 100 Jahren vor den Küsten Schwedens, wissenschaftlich beschrieben und eingestuft wurde es erst 1949. Seit damals sind kaum weitere Exemplare gesichtet worden, und die Frage, worum es sich genau handelt, blieb umstritten.

Ein Team um Greg Rouse hat nun in Gewässern vor Mexiko und Kalifornien vier weitere Tiere entdeckt. "Als Greg die ersten von ihnen gefunden hat, haben wir sie scherzhaft 'lila Socken' genannt", erzählt Robert Vrijenhoek vom Monterey Bay Aquarium Research Institute. Vrijenhoek ist Ko-Autor der Studie und hat die Expeditionen geleitet, bei denen unbemannte U-Boote die Tiefsee durchforsteten.

YouTube-Video der UC San Diego:

Die Forscher analysierten 1.200 Gene der "lila Socken" und schlossen daraus auf ein sehr frühes Entwicklungsstadium der tierischen Evolution: Sie gehören zu den Bilateria, zweiseitig symmetrischen Tieren. Xenoturbellae haben keine Hirn, keine Augen, keine Kiemen und auch keinen Anus – dafür einen riesigen Mund, durch den sie sowohl fressen als auch ausscheiden.

Und es gibt mindestens fünf Arten, denn alle bisher entdeckten unterscheiden sich voneinander. So ist Xenoturbella monstruosa, wie der Name schon verrät, mit 20 Zentimetern recht groß, Xenoturbella churro hingegen sieht aus wie das namengebende spanische Fettgebäck. "Ich habe das Gefühl, dass dies erst der Beginn von vielen weiteren Entdeckungen dieser Tiere rund um den Globus ist", freut sich Greg Rouse.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

Mehr zu dem Thema: