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Bakterien unter dem Mikroskop

Die guten Seiten von Helicobacter pylori

Das Bakterium Helicobacter pylori hat keinen besonders guten Ruf: Es kann Schleimhautentzündungen hervorrufen, Magengeschwüre und sogar Magenkrebs. Es hat aber auch seine positiven Seiten, wie Grazer Forscher in einer neuen Studie berichten.

Mikrobiologie 04.02.2016

Weltweit dürfte die Hälfte aller Menschen mit Helicobacter pylori infiziert sein, häufig verläuft der Befall jedoch ohne Symptome. Unter bestimmten Voraussetzungen kann das Bakterium aber schwere Erkrankungen auslösen. Oft wird es deshalb mit Antibiotika ausgerottet - selbst wenn der Patient keine Beschwerden hat.

Die Studie

"Gastric Helicobacter pylori Infection Affects Local and Distant Microbial Populations and Host Responses" von Sabine Kienesberger-Feist und Kollegen ist am 4. Februar 2016 in "Cell Reports" erschienen.

Infektion sechs Monate lang untersucht

Aus zahlreichen Studien weiß man mittlerweile, dass sowohl die An- als auch die Abwesenheit bestimmter Bakterien das menschliche Immunsystem massiv beeinflussen kann. Sabine Kienesberger-Feist vom Institut für Molekulare Biowissenschaften der Universität Graz hegt den Verdacht, dass das auch bei dem berüchtigten Bakterium H. pylori der Fall sein könnte.

"Wir wissen zum Beispiel, dass Gesellschaften, in denen Helicobacter weiter verbreitet ist, Kinder seltener an Asthma erkranken", erklärte die Molekularbiologin in einer Mitteilung der Uni Graz am Donnerstag.

Kienesberger-Feist und ihre Kollegen an der New York University School of Medicine haben erstmals die Auswirkungen einer Helicobacter-Infektion in Magen, Darm und Lunge über einen Zeitraum von sechs Monaten untersucht.

Wirkt sich auf Immunsystem aus

Bei ihren Studien am Mausmodell entdeckte das Team mehrere interessante Zusammenhänge. "Unsere Untersuchungen zeigten, dass es bei einer Infektion mit Helicobacter zu einer Anreicherung bestimmter T-Zellen in der Lunge kommt. Diese Zellen spielen eine wichtige Rolle im Immunsystem", wird Kienesberger-Feist zitiert. Sie sei vor allem über die "frühen und teilweise gegensätzlichen Auswirkungen auf die Lunge", überrascht gewesen.

Eine ansteigende Immunreaktion im Magen sei hingegen erst zu späteren Zeitpunkten zu beobachten gewesen, so die Erstautorin der Studie.

Das Team hat auch Veränderungen in der Zusammensetzung der Darmflora festgestellt. Diese können wiederum zu einer Stimulierung des Immunsystems führen. Weiters erkannte man Verschiebungen im Hormonhaushalt. "So steigt zum Beispiel die Konzentration des 'Hunger-Hormons' Ghrelin an. Bei Überproduktion regt es den Appetit an. Von Ghrelin ist bekannt, dass es ebenfalls Auswirkungen auf das Immunsystem hat", ergänzte die Grazer Molekularbiologin.

Ideal wäre es, sich die positiven Aspekte der Bakterien zu Nutzen zu machen, ohne sich gleichzeitig ihrer negativen Wirkungen auszusetzen. Doch um das komplexe Zusammenspiel der Bakterien zu durchschauen, ist noch viel Forschungsaufwand notwendig.

science.ORF.at/APA

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