Standort: science.ORF.at / Meldung: "Jungsterne sind "kannibalisch" veranlagt"

Stern verschlingt den PLanet WASP-12b

Jungsterne sind "kannibalisch" veranlagt

Junge Sterne verleiben sich oft Planeten ein, die in ihrer nächsten Umgebung entstehen - sie verschlingen also quasi ihre "Kinder". Diesen Vorgang haben Astronomen nun erstmals per Teleskop beobachtet.

Leuchtfeuer 05.02.2016

Sterne entstehen aus Gas- und Staubwolken, die sich durch ihre Eigengravitation zusammenballen. Der Rest des Rohmaterials bildet eine rotierende Scheibe, aus der mitunter später Planeten hervorgehen.

Der Prozess verläuft allerdings weder glatt noch vorhersehbar. Junge Sterne haben, das wusste man schon von früheren astronomischen Messungen, eine eher sprunghafte Natur. Eduard Vorobiev vom Institut für Astrophysik der Universität Wien entwickelte aufgrund dieser Befunde mit einem Kollegen aus Kanada eine spezielle Theorie.

Ein Fanal im Sternbild Orion

Sie besagt, dass Gravitationsinstabilitäten in der Umgebung von jungen Sternen zur Bildung von Klumpen in der protoplanetaren Scheibe führen. Dann nimmt die Entwicklung laut der Theorie zwei mögliche Wege.

Die Studie

"Circumstellar Disks of the Most Vigorously Accreting Young Stars", Science Advances (5. Februar 2016).

Instabilitäten in zirkumstellaren Scheiben

Eduard Vorobyov, Universität Wien

Sternbild Orion: Instabilitäten in den Gasscheiben rund um junge Sterne

Erstens: Die Klumpen wachsen weiter und verwandeln sich im Idealfall zu gigantischen Planeten wie Jupiter und Saturn. Zweite Möglichkeit: Die Klumpen werden früher oder später von ihrem Mutterstern verschlungen.

Diesen "Kannibalismus" auf astronomischen Skalen haben Forscher um Vorobiev nun erstmals mit einem Teleskop auf Mauna Kea (Hawaii) nachgewiesen - unter anderem beim jungen Stern "FU Orionis" im Sternbild Orion. Er akkumuliert seine Masse schubweise - durch das Verspeisen von protoplanetaren Klumpen - und leuchtet bei diesen Wachstumsschüben entsprechend hell.

Wie die Forscher im Fachblatt in "Science Advances" schreiben, hat sich die Leuchtkraft von "FU Orionis" innerhalb eines Jahres um den Faktor 250 gesteigert. Vorobiev vermutet, dass ein Großteil aller Sterne diesem Entwicklungsmuster folgt. Falls das zutrifft, hat wohl auch unsere Sonne solch eine turbulente Jugend durchlebt.

science.ORF.at

Mehr zu diesem Thema:

Die ORF.at-Foren sind allgemein zugängliche, offene und demokratische Diskursplattformen. Die Redaktion übernimmt keinerlei Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Wir behalten uns aber vor, Werbung, krass unsachliche, rechtswidrige oder beleidigende Beiträge zu löschen und nötigenfalls User aus der Debatte auszuschließen. Es gelten die Registrierungsbedingungen.

Forum

 
  • naja

    eatthis, vor 169 Tagen, 9 Stunden, 4 Minuten

    die computermodelle von der
    entwicklung des universums,
    der galaxien und sonnensysteme
    haben das mit sicherheit schon
    vorhergesagt, die sind da glaub
    ich schon sehr genau. das heisst
    es wird einfach immer wieder
    nach bestimmten dingen dieser
    vorhersagemodelle gesucht, die
    halt noch nie beobachtet wurden.

    da sind schon sehr interessante
    dinge dabei, aber diese sache
    ist von vornherein aus meiner
    sicht klar gewesen. sehr
    aufregend find ich das jetzt
    nicht.

    ich würd gern mehr von den neu
    entdeckten planeten? hören.
    vor einiger zeit wurde eine
    neuentdeckung angekündigt, vor
    ganz kurzer zeit schon wieder...?

    wissenschaftler wissen ja noch
    nicht mal ganz sicher, ob wir
    ein ein-stern system sind, oder
    ob da nicht doch irgendwo ein
    brauner zwerg herumlungert.

    wir wissen über entfernte galaxien
    mehr als über unser eigenes
    sonnensystem, so wie wir
    mehr von unserem sonnensystem
    wissen, als über unsere meere.

    ;-)

    PS. und wahrscheinlich wissen wir
    auch mehr über unsere meere, als
    über uns selbst

    • funkelfels, vor 168 Tagen, 8 Stunden, 36 Minuten

      Doch, man ist sich ziemlich sicher, dass da kein Brauner Zwerg in Sonnennähe herum lungert, den hätte man inzwischen schon gesehen.

    • Unsere Sonne ist ein G-Stern

      butterfliagn, vor 168 Tagen, 1 Stunde, 43 Minuten

      Bis zu 300 Mrd. Sonnen gibt's in unserer Milchstraße (davon 20% G-Sterne = Spektralklasse), und ausschließlich solche G-Sterne haben auch Planeten in habitablen Zonen, in denen Planeten ihrer Mutterstern umkreisen. Ob sich auf jenen Gesteinsplaneten Leben bilden kann, hängt von sehr vielen Faktoren in Folge ab (Flaschenhals- oder Engpassentwicklung), und jeder einzelne Engpass muss abgeschlossen sein - ähnlich dem Laden einer Seite auf dem PC. Selbst 99,9% Aufladung ist nicht 100% und daher Abbruch, was zur Folge hat, dass der nächste Schritt nicht durchgeführt werden kann. Fazit: Entwicklung von Leben (in weiterer Folge Zivilisation ist ein sehr, sehr dünner Spalt und deshalb ist die Zahl der Planeten, wo Leben entstehen kann wirklich auch sehr klein (max. 1 - 4 in einer Evolutionsperiode bei ca. 30 Mio. Jahren Entwicklungszeit)

    • Merci, gute Info + Darstellung @butterfliagn & @funkenfels

      alfredsinnegger, vor 167 Tagen, 14 Stunden, 46 Minuten