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Künstlerische Darstellung von Exoplanet und seiner Sonne

Suche nach Sauerstoff soll schneller werden

Wenn Astronomen nach bewohnbaren Planeten suchen, dann haben sie ein Vorbild vor Augen: unseren Heimatplaneten, die Erde. Deswegen stehen Sauerstoff und Wasser ganz oben auf der Liste der Indizien. Wie man diese Suche beschleunigen kann, diskutieren Experten derzeit bei einer internationalen Konferenz in Wien.

Bewohnbare Planeten 09.02.2016

Angenommen, außerirdische Wissenschaftler würden unser Sonnensystem nach bewohnbaren Planeten durchforsten - würden sie fündig werden? Aus großer Entfernung würde die Erde zwar großes Potenzial aufweisen - einhundert Prozent bewohnbar erschiene sie dennoch nicht.

Der Glanz der Meere

Die Astrobiologin Victoria Meadows von der Universität Washington hat gemeinsam mit Kollegen einen Bewohnbarkeitsindex für Planeten erstellt. Die Erde schneidet hier mit immerhin 82 Prozent relativ gut ab. "Würden wir einen Planeten finden, wären wir zwar misstrauisch, aber eine Sache wäre auf jeden Fall ein guter Hinweis: Und das ist der Glanz unserer Ozeane", sagt Meadows.

Wenn die Sonne über dem Meer untergeht, dann entsteht ein schimmernder Streifen, der sich zum Horizont erstreckt. Dieser Glanz ist auch vom Weltall aus sichtbar. Besonders deutlich ist er zu sehen, wenn der Mond vor der Erde steht und die Erde nur sichelförmig zu sehen ist. Deswegen ist dieses Phänomen ein Indiz, nach dem die Astronomen bei ihrer Suche nach Leben auf anderen Planeten Ausschau halten.

Victoria Meadows, Astrobiologin, Universität Washington, NASA

Universität Washington

Zur Person:

Victoria Meadows ist Wissenschaftliche Leiterin des Virtual Planetary Laboratory, einer Kooperation der Nasa und der Universität Washington.

Veranstaltungshinweis:

Die internationale Konferenz The Astrophysics of Planetary Habitability findet von 08.02. bis 12.02.2016 an der Universität Wien statt.

Ö1-Sendungshinweis:

Über dieses Thema berichtet auch das Mittagsjournal, 09.02. 12:00 Uhr

Sauerstoff wichtigstes Indiz

Denn der Glanz deutet auf Wasservorkommen hin, und das wiederum auf Sauerstoff in der Atmosphäre. Doch Sauerstoff kann es auch ohne Wasser auf einem Planeten geben. Deswegen müssen die Astronomen hier vorsichtig sein: Denn Sauerstoff entsteht nicht nur durch Lebewesen wie Pflanzen, auch der Planet selbst kann es produzieren.

"Das Zentralgestirn, also der Stern, um den der Planet kreist, kann die Atmosphäre eines Planeten wegblasen", erläutert die Astrobiologin. Wenn das passiert, verdampft das Wasser auf dem Planeten und es bildet sich eine Wasserdampfschicht rund um den Himmelskörper. Aus großer Entfernung sei das schwer zu unterscheiden, sagt Meadows.

Testobjekt: 39 Lichtjahre entfernt

Noch handelt es sich bei den Annahmen um Sauerstoff und Wasserdampf nur um eine Theorie. Aber Victoria Meadows und ihre Kollegen hoffen, diese Annahme bald bestätigen zu können. Zielobjekt ist der Exoplanet GJ1132B, der 39 Lichtjahre von der Erde entfernt um einen Roten Zwerg kreist.

GJ1132B ist nur wenig größer als die Erde, aber er kommt seinem Stern wesentlich näher als die Erde der Sonne. Deswegen ist die Strahlungsintensität 20 Mal höher als auf unserem Planeten. Victoria Meadows geht davon aus, dass dort im Lauf der Zeit große Wassermengen verdampft sind. "Wir wissen, dass es dort kein Leben geben kann", betont Meadows, "aber vielleicht finden wir dort Sauerstoff, und das wäre ein guter Test für unsere Theorie."

Praxistest ab 2018

Dieses Vorhaben wollen die Astronomen ab dem Jahr 2018 in die Tat umsetzen. Dann soll das James Webb Weltraumteleskop 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt seine Arbeit aufnehmen.

Marlene Nowotny, Ö1 Wissenschaft

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