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Bewerber und Bewerberinnen beim Medizin-Aufnahmetest im Juli 2013 in Wien

Prüfungsstress verbrennt Kalorien

Fett und Stress haben ein schlechtes Image, kombiniert aber eine positive Wirkung: Prüfungsstress, so berichten britische Forscher in einer neuen Studie, kann das "gute" braune Fett anregen und dabei Kalorien verbrennen.

Medizin 09.02.2016

Neben dem energiespeichernden, sogenannten weißen Fettgewebe, existieren zwei weitere Formen von Fett. Während sich das weiße Fett als Pölsterchen an Bauch und Oberschenkeln bemerkbar machen kann, verbrennt das beige bzw. braune Fettgewebe Kalorien und produziert dabei Wärme.

Diese Fähigkeit hat schon seit einiger Zeit das Interesse der Adipositas- und Typ-2-Diabetes-Forschung geweckt. Denn könnte man braunes Fett aktivieren, würden etwa dickleibige Menschen leichter abnehmen. Eine Forschungsgruppe aus Nottingham hat nun beschrieben, wie leichter Stress den Stoffwechsel anregen kann.

Die Studie

"Brown adipose tissue activation as measured by infrared thermography by mild anticipatory psychological stress in lean healthy females" von Lindsay Robinson und Kollegen ist am 9. Februar 2016 in der Fachzeitschrift "Experimental Physiology" erschienen.

Ö1 Sendungshinweis

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 9. 2., 13:55 Uhr.

Kopfrechnen als Stressauslöser

Auslösen kann man "leichten Stress" durch ungewohnte Situationen und Tätigkeiten, so Studienautor Michael Symonds. In der aktuellen Studie beispielsweise mussten fünf schlanke und gesunde Frauen zwischen 21 und 29 Jahren ein paar Kopfrechnungen lösen. Dabei maßen die Forscher die Konzentration des Stresshormons Cortisol in ihrem Speichel.

Ergebnis: Am stärksten war der "leichte Stress" direkt vor der prüfungsähnlichen Situation. Mit steigendem Stresspegel nahmen auch die Aktivität und somit die Wärmeproduktion des braunen Fettes zu – was die Forscher im Gewebe oberhalb des Schlüsselbeins mithilfe einer Wärmebildkamera gemessen haben.

Abwechslung lautet die Devise

Was man selbst tun kann, um das braune Fettgewebe zu aktivieren? Symonds gibt ein paar Tipps: "Durch eine ungewohnte, neue Tätigkeit, die den Körper überrascht, gibt der Körper Stresssignale ab. Eine kalte statt einer warmen Dusche in der Früh etwa ist ein praktisches Beispiel dafür. Eine andere Idee ist es, in der Arbeit statt dem Lift das Treppenhaus zu benutzen, um obere Stockwerke zu erreichen."

Wichtig sei es, so Symonds, dass man die Tätigkeiten zur Ankurbelung des Fettgewebes abwechseln lässt, damit diese eben nicht zur Gewohnheit werden.

Als nächstes will die Forschungsgruppe größere Studien durchführen und auch Männer und übergewichtige Menschen als Versuchspersonen mit einbeziehen, um aussagekräftigere Ergebnisse zu erzielen.

Geraldine Zenz, Ö1 Wissenschaft

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