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Das Denkmal "Der Denker" von Auguste rodin

Denkfabriken wieder im Aufwind

Meinungsbildende Expertengruppen, "Thinktanks" genannt, befinden sich wieder im Aufschwung. Die Zahl der Institutionen, die sich mit militärischen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Fragen und Strategien befassen, stieg 2015 um gut 200 auf 6.846. 40 solcher "Denkfabriken" zählt eine US-Studie in Österreich.

"Thinktanks" 12.02.2016

Im Jahr zuvor, 2014, war es laut dem jüngsten "Global Go To Think Tank Index Report" der University of Pennsylvania zum ersten Mal nach drei Jahrzehnten zu einem Rückgang bei den Neugründungen von Denkfabriken gekommen. Die Blütezeit der "Thinktanks" begann nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA. Die stärksten Zuwächse wurden in den 1990er-Jahren verzeichnet, als weltweit jährlich im Schnitt 142 neue Institutionen gegründet wurden.

Denkfabriken sind laut Studie in der Zwischenzeit zu einem globalen Phänomen geworden. Sie spielen für Regierungen und Zivilgesellschaften rund um die Welt eine entscheidende Rolle und fungieren dabei als Verbindungsglied zwischen Wissenschaftlern und politischen Machthabern. Nicht nur die Anzahl der Thinktanks sei gestiegen, sondern auch der Zweck und Einfluss ihrer Arbeit habe sich dramatisch erweitert - oft werden ihnen auch Lobbying-Aktivitäten vorgeworfen. Dennoch sei ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft.

Spitzenreiter USA

Die meisten Denkfabriken gibt es in den USA. In ganz Nordamerika zählt die Studie 1.931 Thinktanks - davon alleine in 1.835 in den USA. Das entspricht einem Anteil von 28,2 Prozent. Knapp dahinter folgt Europa (inklusive Russland) mit 1.770 Instituten bzw. einem Anteil von 25,9 Prozent. Fast 55 Prozent aller Thinktanks arbeiten somit in Nordamerika oder Europa. Die Region Südostasien inklusive China und Japan kommt auf 18,4 Prozent.

In den USA hat sich die Zahl der Denkfabriken seit 1980 mehr als verdoppelt. Über ein Viertel der US-Thinktanks - rund 400 - befinden sich in Washington, DC. Mehr als die Hälfte steht Universitäten nahe. In den letzten zwölf Jahren ist die Rate der Neugründungen sowohl in den USA als auch in Europa zurückgegangen, in Asien, Lateinamerika, Afrika und dem Nahen Osten dagegen angestiegen. In Asien ist die Zahl der Denkfabriken seit Mitte der 2000-er Jahre kräftig gestiegen.

In Westeuropa sitzen die meisten Thinktanks in Großbritannien (288), gefolgt von Deutschland (195) und Frankreich (180). In Österreich sind es laut Studie 40. In China werden bereits 435 Denkfabriken gezählt, in Indien 280, in Japan 109. In Russland sind es 122.

Im Ranking der einflussreichsten und renommiertesten Thinktanks liegt die Brookings Institution (USA) an der Spitze, gefolgt von Chatham House (Großbritannien) und der Carnegie Endowment for International Peace (USA). Als zweitwichtigste europäische Denkfabrik folgt das Bruegel Institut (Belgien) an fünfter Stelle.

Heimische Spitzendenker

Das Austrian Economic Center (AEC) ist als wichtigste österreichische Denkfabrik unter den Nicht-US-Instituten am 123. Platz gereiht. Unter den Top westeuropäischen Instituten nimmt es den 79. Platz ein. In dieser Kategorie findet sich das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) auf Platz 110 und das Hayek Institut auf Platz 115.

Im Ranking der wichtigsten nationalen Wirtschaftsforschungsinstitute liegt das wiiw auf Platz 23, das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) auf Platz 31 und das Institut für Höhere Studien (IHS) auf Platz 76. Brookings liegt hier an der Spitze.

Das Laxenburger Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) wird im Ranking der besten Energie- und Rohstoffforschungsinstitute auf Platz 42 gereiht. Top ist hier das Institute of Energy Economics Japan (IEEJ,). In der Kategorie Umweltforschung nimmt IIASA Platz 45 ein. Hier liegt das World Resource Institute (WIR, USA) an der Spitze.

Unter den besten Wissenschafts- und Technologie-Denkfabriken konnte sich IIASA auf dem 14. Rang platzieren. Das deutsche Max Planck Institut ist hier weltweit führend. In der Kategorie "Internationale Entwicklung" liegt das Wifo auf Platz 71, das AEC auf Platz 92 das wiiw nimmt Rang 127 ein. Spitzenreiter ist wieder das Brookings Institute. In der Kategorie "Internationale Wirtschaft" konnte das wiiw auf Platz 5 vorstoßen. Als Top-Institut in diesem Bereich gilt das Peterson Institute für International Economics (PIIE, USA).

science.ORF.at/APA

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