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Ein Bluttropfen auf einem Finger

Schnelltest: Nützlich, aber kaum verwendet

Virus oder Bakterien? Vor dieser Frage stehen viele Ärzte, wenn Menschen mit Husten, Halsweh und Fieber zu ihnen kommen. Ein einfacher Bluttest könnte bei der Antwort helfen und dazu beitragen, dass Antibiotika seltener verschrieben werden. Allein: Er wird nicht verwendet, weil ihn die Krankenkassen nicht bezahlen.

Antibiotika 13.02.2016

Gefahr Resistenz

25.000 Menschen sterben in der EU jedes Jahr, weil sie sich mit Bakterien infiziert haben, gegen die Antibiotika nicht mehr wirken. Resistenz heißt der Fachbegriff dafür, und diese Resistenz wird ein immer größeres Problem in der öffentlichen Gesundheit.

Der für Gesundheit zuständige EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis nannte erst kürzlich als Gründe, dass noch immer "viel zu viele Menschen glauben, dass Antibiotika gegen durch Viren hervorgerufene Krankheiten helfen würden". Hinzu komme eine falsche, nämlich vermeintlich vorbeugende Anwendung.

Ergebnis in zehn Minuten

Gegen die Beharrlichkeit, mit der manche Menschen beim Arzt Antibiotika einfordern, obwohl sie an einem viralen Infekt leiden, und die falsche Anwendung gibt es seit einigen Jahren ein relativ einfaches Gegenmittel: den CRP-Test.

Durch einen kleinen Stich in den Finger werden wenige Tropfen Blut abgenommen und auf das C-reaktive Protein (CRP) analysiert. Leidet jemand an einer durch Bakterien verursachten Entzündung, steigt die Menge dieses Eiweißes im Blut schnell. Innerhalb von zehn Minuten ist klar, ob ein Antibiotikum gebraucht wird oder die Krankheit von Viren ausgelöst wurde, gegen die Antibiotika nicht helfen.

Werden von Krankenkasse nicht bezahlt

In den Hals schauen, abhören, die Ohren kontrollieren - das alles wird vom Arzt natürlich trotzdem gemacht, und oft genügen diese Untersuchungen schon, um über die Verabreichung von Antibiotika entscheiden zu können. Aber es gibt eben immer wieder Zweifelsfälle, und gerade da könnte ein CRP-Schnelltest nützlich sein.

Dass er dennoch nicht öfter verwendet werden, hat einen einfachen Grund, so Gert Wiegele, Obmann der Allgemeinmediziner in der Ärztekammer und praktischer Arzt in Kärnten: "Das Hauptproblem ist: Diese Schnelltestungen werden von den Krankenkassen nicht bezahlt. Deswegen werden sie von der Kollegenschaft kaum verwendet. Man müsste sie den Patienten privat verrechnen, und da ist die Bereitschaft nicht immer sehr groß."

Oder anders gesagt: Bevor jemand zwischen 15 und 45 Euro - so viel würde laut Wiegele je nach verwendetem Test die Untersuchung kosten - privat investiert, um möglicherweise doch ein Antibiotikum verschrieben zu bekommen, nimmt er lieber gleich das Medikamentenrezept.

Nützlich während der Grippewelle

Besonders während einer Grippewelle würde er den Test relativ häufig einsetzen, so Wiegele: "Die Menschen kommen mit Halsweh. Und man fragt sich: Ist das jetzt ein viraler Infekt mit einem sehr roten Hals oder ist es eine beginnende eitrige Angina? In solchen Zweifelsfällen wäre so ein Schnelltest sehr hilfreich."

Im Jänner und Februar, der Grippehochsaison, würde er wahrscheinlich täglich zumindest einmal zu einem CRP-Test greifen, um Zweifel auszuräumen, im Rest des Jahres aber deutlich seltener, sagt der praktische Arzt mit Hinweis auf seine jahrelange Erfahrung.

Sinkender Verbrauch

Wiegele betont auch: Seiner Einschätzung nach würde der Verbrauch an Antibiotika sinken, wären die Tests in den Allgemeinordinationen frei verfügbar. "Man würde medikamentenökonomisch sicherlich richtig handeln, wenn man die klinische Diagnose mit solchen Test unterstützt."

Und auch internationale Studien zeigen: Wo die Verschreibung von Antibiotika an einen CRP- oder ähnlichen Test gekoppelt wird, sinkt der Verbrauch. Und damit sinkt auch die Gefahr, dass sich Resistenzen gegen Antibiotika entwickeln, weil diese zu oft oder falsch eingesetzt werden - wie auch der EU-Gesundheitskommissar kritisierte.

Reaktion der WGKK

Die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) als größte Krankenversicherungsanstalt Österreich bestätigt, dass sie den Test bei praktischen Ärzten nicht bezahlt. Die Gründe: CRP-Tests müssten nicht unbedingt in den Ordinationen ausgewertet werden, weil das auch Laborinstitute machen könnten. Und in Wien sei die Labordichte entsprechend hoch.

Außerdem sei von den Allgemeinmedizinern noch kein Wunsch nach Kostenübernahme bei CRP-Schnelltests formuliert worden - im Gegensatz zu den Kinderärztinnen und -ärzten, bei ihnen werden die Tests von der Krankenkasse bezahlt.

Elke Ziegler, science.ORF.at

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