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Seltenes Mineral Nevadait

Mineralien, seltener als Edelsteine

Diamanten oder andere Edelsteine - von solch einem Geschenk zum Valentinstag träumen zumindest manche Frauen. Etwas wirklich Besonderes seien Rubine und Smaragde aber gar nicht, geben US-Mineralogen zu bedenken: "Wenn du einen seltenen Ring schenken möchtest, vergiss Diamanten, schenk Ichnusait aus Sardinien."

Raritäten 13.02.2016

Laut Robert Hazen von der Carnegie Institution in Washington ist von dem Mineral nur ein einziges Vorkommen auf der ganzen Welt bekannt. Hazen hat zusammen mit Jesse Ausubel von der Rockefeller University in New York eine Liste der gut 2.500 Mineralien erstellt, bei denen es nur fünf oder weniger Fundstellen weltweit gibt.

So manches der Vorkommen sei kleiner als ein Zuckerwürfel, schreiben die Forscher. Zumindest für die Wissenschaft sind sie von unschätzbarem Wert: Sie können Hinweise darauf geben, was die Erde von anderen Planeten unterscheidet.

Keine Schönheit

Die Studie in "American Mineralogist":

"On the Nature and Significance of Rarity in Mineralogy" von Robert Hazen und Ausubel, erschienen am 12. Februar 2016.

Zugegebenermaßen ist der sardische Ichnusait weniger schmückend als ein Edelstein: Das Mineral ist farblos und mit bloßem Auge nur schwer zu erkennen. Dafür sei das Mineral aber ein Beispiel für wirkliche Seltenheit, betont Hazen. Der Ichnusait entstand im Erdboden aus einer Mischung der chemischen Elemente Thorium und Molybdän. Entdeckt wurde das einzigartige Exemplar 2013 auf der Mittelmeer-Insel.

Ichnusait

American Mineralogist / Paulo Biagioni et al

Der unscheinbare Ichnusait

Einen besseren Schmuckstein würde der Nevadait darstellen. Das Mineral bildet hellgrüne bis türkise Kügelchen und ist ebenfalls eine echte Rarität. Nur an zwei Orten auf der ganzen Welt ist das Mineral zu finden: In der Gold Quarry Mine im US-Bundesstaat Nevada und im Kara-Chagyr-Gebirge in Kirgistan.

Besondere Steine

Insgesamt sind bei der Internationalen Gesellschaft für Mineralien derzeit mehr als 5.000 Mineralienarten erfasst. Viele der Raritäten darunter seien nicht dafür geeignet, einen Ring oder eine Kette zu schmücken, weil sie schmelzen, verdunsten oder verpuffen würden, erklären die Wissenschaftler. Die Mineralien formten sich unter extremen Bedingungen - und lösen sich auf, wenn sie in eine andere Umgebung kommen.

Seltenes Mineral Nevadait

Robert Downs, University of Nevada

Der seltene Nevadait

Wirklich einzigartig können Mineralien auch wegen ihrer speziellen Entstehungsgeschichte sein. "Manche Mineralien sind selten, auch wenn sie aus üblichen Zutaten, aber unter sehr kontrollierten Bedingungen entstehen", sagt Hazen. Das Mineral Hatrurit beispielsweise besteht aus drei Komponenten, die reichlich vorhanden sind: Kalzium, Silizium und Sauerstoff. Aus ihnen bilde sich Hatrurit jedoch nur bei einer Temperatur von mehr als 1.250 Grad Celsius. Außerdem darf kein Aluminium in der Umgebung vorhanden sein.

Regelmäßige Neuentdeckungen

Pro Jahr werden zwischen 50 und 80 neue Mineralien entdeckt, so der Geschäftsführer der Geowissenschaftlichen Sammlungen und Leiter der Mineralogischen Sammlungen der TU Bergakademie Freiberg, Andreas Massanek. Der Wert lasse sich dabei nicht daran festmachen, ob ein Mineral häufig vorkomme oder nicht: "Ein Mineral kann teuer werden, wenn der Bedarf dafür da ist."

Seltenes Mineral Fingerit

Robert Downs, University of Nevada

Der wasserlösliche Fingerit

Mineralien-Sammler hätten verschiedene Beweggründe. "Manche sehen die Mineralien schon als Geldanlage", sagt Massanek. Kleinere Mineralien, die optisch nicht viel hermachen, seien vor allem für systematische Sammler interessant, die eine Kollektion vervollständigen wollen. "Für wissenschaftliche Einrichtungen spielt der finanzielle Wert eine untergeordnete Rolle."

Für einen Aspekt allerdings ist der kommerzielle Wert sehr wohl von großer Bedeutung: das Aufspüren neuer Arten. Sie werden hauptsächlich bei der Suche nach Kostbarkeiten wie Gold, Uran oder seltenen Erden gefunden.

Amelie Richter/dpa

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