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Rohes Fleisch, Schinken und Milch

Bio: Mehr gute Fette in Fleisch und Milch

Es gibt viele gute Gründe, sich von Bioprodukten zu ernähren. Ob sie allerdings auch gesünder sind, blieb bisher heftig umstritten. Zwei Studien liefern nun neue Argumente für die Befürworter der These. Laut den Forschern finden sich in Biofleisch und -milch deutlich mehr gesunde Fette.

Lebensmittel 16.02.2016

"Bio ist kaum gesünder" - so lautete das ernüchternde Fazit einer großen Metastudie aus dem Jahr 2012. Für die Kritiker des Biotrends waren die Schlagzeilen ein gefundenes Fressen. Dabei hatten die Forscher auch festgestellt, dass die biologisch angebauten Lebensmittel weniger durch Pestizide belastet sind - für gesundheitsbewusste Esser vermutlich ein ausreichendes Argument.

Ganz abgesehen davon greifen viele Menschen nicht deswegen zu Bio, weil sie sich einen persönlichen Nutzen versprechen. Sie berufen sich vielmehr auf ökologische Vorteile: Ökologischer Landbau schont die Umwelt, indem er etwa den Nährstoffreichtum des Bodens erhält und das Grundwasser weniger belastet. Zudem sorgt er für eine artgerechte Tierhaltung und wirkt sich positiv auf die Artenvielfalt aus.

Gibt es Unterschiede?

Aber - wie es mittlerweile aussieht - gibt es vielleicht doch auch gesundheitliche Argumente für den Griff ins Bioregal: So sollen etwa Tomaten aus ökologischem Landbau deutlich mehr Vitamin C und sekundäre Pflanzenwirkstoffe enthalten als konventionell kultivierte Exemplare.

Für Biogetreide ergab eine Studie aus dem vergangenen Jahr ebenfalls Vorteile: Durchschnittlich 60 Prozent mehr Antioxidantien fanden die Forscher um Carlos Leifert von der Newcastle University in den Ökokörnern.

In ihren aktuellen Arbeiten widmen sich Leifert und seine Kollegen nun zwei weiteren Nahrungsmitteln, die zumindest in westlichen Industrieländern bei manchen täglich auf dem Speiseplan stehen: Milch und Fleisch. Für die Metastudie zu Milchprodukten haben Forscher die weltweiten Daten von fast 200 Arbeiten ausgewertet, für die Fleischstudie jene von 67 Untersuchungen. Die Daten stammen aus Afrika, Asien, Amerika und Europa, aber nicht aus Österreich.

Bei manchen Nährstoffen ist das Ergebnis deutlich: Sowohl Milch als auch Fleisch aus ökologischen Landbau enthalten um ca. 50 Prozent mehr Omega-3-Fettsäuren als die tierischen Produkte aus konventionellem Anbau.

Lebenswichtige Fette

Diese ungesättigten Fettsäuren sind lebensnotwendig und müssen dem menschlichen Organismus über Nahrung zugeführt werden. Ein Mangel erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie für Krankheiten des Nerven- und Immunsystems. Laut der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA) nehmen die Menschen in Europa zu wenige Omega-3-Fettsäuren zu sich. Sie empfiehlt sogar eine Verdopplung der derzeitigen Menge. Auf dem Festland ist das aber gar nicht so einfach umzusetzen, denn große Mengen sind nur in Meerestieren und -pflanzen enthalten.

Angesichts der neuen Erkenntnisse könnte der Umstieg auf tierische Bioprodukte die tägliche Zufuhr auf einfache Weise erhöhen, und zwar ohne gleichzeitig mehr Kalorien und gesättigte Fette aufzunehmen. Schon ein halber Liter Biomilch liefert laut den Forschern 16 Prozent der empfohlenen Tagesdosis, aus derselben Menge konventioneller Milch erhält man nur elf Prozent.

Weniger schlechte Fette

Aber auch bei anderen Fetten zeigten sich gesundheitsrelevante Unterschiede: Biofleisch enthält weniger Palmitin- und Myristinsäure - die gesättigten Fettsäuren erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In der Biomilch finden sich zudem 40 Prozent mehr konjugierte Linolsäuren sowie leicht erhöhte Mengen an Eisen, Vitamin E und Carotinoiden.

Jod im Überfluss

Nur bei einem Inhaltstoff lag die konventionelle Milch den Forschern zufolge deutlich vorne: bei Jod. Sie enthält um 74 Prozent mehr davon. Das Spurenelement ist in Lebensmittel natürlicherweise sehr selten vorhanden, abgesehen von Meeresfrüchten. Deswegen wird es häufig zugesetzt, etwa zu Speisesalz und Tierfutter.

Die hohen Mengen an Jod in der Milch sind laut den Autoren aber ein zweischneidiges Schwert, denn ein Zuviel davon ist genauso schädlich wie ein Mangel. In Ländern, wo ohnehin schon das Speisesalz mit Jod angereichert wird, könnte das viele Jod in der Milch zu einem gefährlichen Überschuss führen.

Für die bessere Nährstoffbilanz bei den Bioprodukten machen die Forscher die Haltungsstandards in der ökologischen Landwirtschaft verantwortlich, z. B. müssen Kühe teilweise im Freien grasen, und Tiere erhalten generell mehr natürliches Futter. Auch die geringeren Produktionsmengen seien vermutlich günstig für die Nährstoffe.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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