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Ein Elefant in einer afrikanischen Savanne

Mit Genanalysen auf der Jagd nach Wilderern

Wilderei und Tierschmuggel zählen neben Drogen-, Waffen- und Menschenhandel zu den lukrativsten Einnahmequellen internationaler Verbrechersyndikate. Allein mit illegalem Elfenbeinhandel verdienen sie rund drei Milliarden Dollar pro Jahr. DNA-Analysen sind eine neue und höchst wirksame Waffe im Arsenal der Artenschützer.

Genetik 16.02.2016

Rund 450.000 Elefanten leben derzeit in Afrika. Aber nicht mehr lange. Denn pro Jahr werden etwa 50.000 Tiere wegen ihrer Stoßzähne abgeschlachtet. Samuel Wasser, Biologe an der University of Washington, baute über die Jahre aus Haut-, Haar- und Kotproben eine DNA-Datenbank auf.

Ö1-Sendungshinweis

Dem Thema widmete sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell am 16. 2. um 13.55 Uhr.

Wenn Behörden nun eine Elfenbeinladung beschlagnahmen, kann man die genetische Information der Stoßzähne mit der Datenbank vergleichen. So erfährt man, wo die Tiere getötet wurden. "Die Elfenbeinladungen, die mehr als eine halbe Tonne wogen, stammten in den letzten zehn Jahren aus zwei Regionen: Bei 22 Prozent handelt es sich um Waldelefanten aus Grenzregion von Gabun zur Republik Kongo. 78 Prozent stammten aus Tansania", so Wasser.

Wenn man weiß, wo gewildert wird, könne man die jeweiligen Ursprungsregionen verstärkt überwachen. Ginge es nach Wasser, würde er die Wirtschaftshilfe an Staaten wie Tansania von ihrer Effektivität im Kampf gegen den Elfenbeinhandel abhängig machen.

Delikates Schuppentier

Hyeon Jeong Kim, eine Doktorandin im Wasser-Labor, will nun die DNA-Methode zur Bestimmung der Herkunft auf das derzeit am meisten gewilderte Tier anwenden: den Pangolin. Insgesamt acht Arten dieses ameisenfressendes Schuppentieres leben in Asien und in Afrika. Sein Fleisch gilt als Delikatesse, und seinen Schuppen wird medizinische Wirkung zugeschrieben.

"Die Ladungen übertreffen jene von Elfenbein. 2015 wurden in China 11,5 Tonnen beschlagnahmt. Das waren rund 2.600 Tiere", erklärt Kim. Pangolins sind nur etwa so groß wie ein Spaniel, scheu und nachtaktiv. Eine DNA-Datenbank ist also die einzige Möglichkeit festzustellen, wo besonders viel gejagt wird und wie viele Tiere überhaupt noch existieren.

Madeleine Amberger, Ö1 Wissenschaft

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