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Eine Maus in einem roten Laufrad

Krebstherapie am Laufrad

Sport hält gesund: Das weiß man. Eine Studie dänischer Forscher zeigt nun, dass er sogar vor Krebs schützen könnte. Zumindest bei Mäusen hemmt körperliche Bewegung das Wachstum von Tumoren.

Sport 17.02.2016

Um den Effekt zu untersuchen, haben die Wissenschaftler Lungen-, Leber-, und Hauttumore in Mäuse implantiert. Einer "Mausgruppe" wurde danach sechs Wochen der Zugang zu einem Laufrad gewährt, einer anderen nicht. Dabei liefen weibliche Mäuse aus der Gruppe mit Sportangebot freiwillig ungefähr vier Kilometer pro Tag, männliche Mäuse sogar knapp sieben.

Die Studie

"Voluntary Running Suppresses Tumor Growth through Epinephrine- and IL-6-Dependent NK Cell Mobilization and Redistribution" von Line Pedersen und Kollegen ist am 16. Februar 2016 im "Cell Metabolism" erschienen.

Ö1 Sendungshinweis

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 17. 2., 13:55 Uhr.

Tumorwachstum halbiert

Nach den sechs Wochen wiesen Mäuse, die sich sportlich betätigt hatten, ein viel geringeres Tumorwachstum auf als Artgenossen der Kontrollgruppe. In allen untersuchten Tumorarten konnte so eine Wachstumshemmung von bis zu 50 Prozent beobachtet werden.

Zwei Faktoren vermitteln die dabei zugrundeliegenden Mechanismen: das Stresshormon Adrenalin und ein Immunfaktor namens IL-6 (Interleukin-6). Beide werden bei sportlicher Betätigung vermehrt produziert und aktivieren zusammen sogenannte Natürliche Killerzellen. Diese gelangen über die Blutbahn zum Tumorgewebe, wo sie die Krebszellen angreifen.

Ähnlicher Mechanismus beim Mensch vermutet

"Wir sind sehr glücklich über die Ergebnisse dieser Studie! Denn obwohl schon länger bekannt ist, dass die Einwanderung von Natürlichen Killerzellen die Größe von Tumoren regulieren und kontrollieren kann, hat sich bisher noch niemand genau angesehen wie Sport das System reguliert", so die Studienautorin Pernille Hojman vom Zentrum für Entzündung und Stoffwechselforschung in Kopenhagen.

Als nächstes will Hojman den Mechanismus bei Menschen untersuchen, wobei sie ähnliche Resultate vermutet. Eine mögliche Anwendung der Erkenntnisse könnte dann eine Kombination aus herkömmlichen Krebsmedikamenten und einem speziellen Sportprogramm sein. Welche Art von körperlicher Betätigung am besten geeignet ist, will die Forscherin ebenfalls herausfinden.

Geraldine Zenz, Ö1 Wissenschaft

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