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Die Silben "au", "ei" und "eu" stehen in Druck- und Schreibschrift unter einander.

Handschrift - eine Kulturtechnik in Gefahr?

Die handschriftlichen Fähigkeiten des Nachwuchses nehmen ab, sagen Umfragen. Tastatur und Touchscreen scheinen Kindern und Jugendlichen oft näher als der Stift. Deutsche Experten sehen im digitalen Zeitalter eine Kulturtechnik bedroht.

Bildung 17.02.2016

Schon im Vorschulalter sollten Kinder beim Zeichnen kurvenreiche Linien trainieren. "Die Bewegung brauchen die Kinder später in der Schule, für das 'n' und viele andere Buchstaben", erklärt Motorikforscher Christian Marquardt.

Hintergrund der Übungen: Die Fähigkeit, von Hand zu schreiben, lässt bei Kindern im digitalen Zeitalter deutlich nach. Das hat nun schon eine zweite Umfrage ergeben, die bei der Bildungsmesse Didacta in Köln vorgestellt wurde. Experten sehen eine Kulturtechnik in Gefahr und wollen gegensteuern.

Die Lage sei höchst besorgniserregend, betont der Präsident des Didacta-Verbands, Wassilios Fthenakis. Es gehe um eine wertvolle Technik, die in der kulturellen Entwicklung der Menschheit eine maßgebliche Rolle gespielt habe. "Es ist wichtig, dass diese Kulturtechnik nicht auf dem Altar der neuen Medien geopfert wird."

Folge der Digitalisierung

Aus der repräsentativen Umfrage des deutschen Schreibmotorik Instituts - rund 1.000 Mütter wurden befragt - ergibt sich: Etwa 1,2 Millionen Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren könnten nicht ausdauernd leserlich und unverkrampft schreiben. Noch trister ist das Ergebnis einer Erhebung des deutschen Lehrerverbands von 2015 - nach Befragung von 2.000 Lehrkräften: Jeder zweite Junge und fast jedes dritte Mädchen habe Probleme, eine gut lesbare Handschrift zu entwickeln. Das sollte bis Ende der vierten Klasse gelingen.

Schreiben heißt heute für viele Kinder und Jugendliche zumindest in der Freizeit: Auf ihre Smartphones, Tablets und Laptops eintippen. Wissenschaftler Marquardt beklagt die Folgen. "Dass es Probleme beim Handschreiben gibt, wissen wir seit Langem." Nun sei aber das Ausmaß deutlich - und zwinge zum Handeln.

"Es ist nachgewiesen, dass das Handschreiben andere Hirnareale aktiviert." Also zu einem konzentrierteren, tieferen und nachhaltigeren Lernen führe. Er befürchtet: Verschlimmere sich das Handschrift-Problem der Schüler, könnten sich die Stimmen mehren, die auch in der Schule, im Unterricht und bei Klassenarbeiten der Einfachheit halber stärker auf den digitalen Weg und die Tastatur setzen wollen. Die neue "Aktion Handschreiben 2020" soll nun in Deutschland eine bessere Förderung des Handschreibens bewirken.

science.ORF.at/dpa

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