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Wohlriechende Händelwurz

Warum Blumen im Flachland stärker duften

Blütenpflanzen duften auf den Bergen weniger stark als in flachen Gefilden: Ein schweizerisch-österreichisches Forscherteam hat nun herausgefunden, warum. Laut den Erkenntnissen "fliegen" Insekten, die eine bestimmte Orchideenart bestäuben, mehr auf stark duftende Pflanzen – allerdings nur in tieferen Lagen.

Botanik 18.02.2016

Das hat ein Team um den aus Wien stammenden Biologen Florian Schiestl von der Universität Zürich herausgefunden. Im Mittelpunkt ihrer Forschung stand der Wohlriechende Händelwurz, eine Orchideenart, die auch in den österreichischen Alpen vorkommt.

Bestäuber spielen zentrale Rolle

Die Forscher maßen für die Studie über zwei Jahre hinweg Blütengröße und -farbe, sowie Duftmoleküle bei über 1.000 Exemplaren der Pflanze. Außerdem untersuchten sie, welche bestäubende Insekten im Flachland und welche in höheren Lagen die Blüten besuchten.

Dabei konnten sie ihre Beobachtung aus einer früheren Studie bestätigen, dass die Individuen der gleichen Art im Tiefland stärker dufteten als in den Bergen. Zudem fanden sie den möglichen Grund dafür: Die Bestäuber in tieferen Lagen zogen Blüten mit stärkerem Duft vor, die in den Bergen hatten jedoch keine solche Präferenz.

Bei Blütengröße und -farbe fanden die Forschenden hingegen keine unterschiedlichen Vorlieben der Bestäuber in den verschiedenen Regionen.

Die Studie

"Why Do Floral Perfumes Become Different? Region-Specific Selection on Floral Scent in a Terrestrial Orchid" von Karin Gross und Kollegen ist am 17. Februar 2016 in "Plos One" erschienen.

Eine Wohlriechende Händelwurz wird bestäubt

Gross et al.

Eine Wohlriechende Händelwurz wird bestäubt

200 Arten, die bestäuben

Bei ihren Untersuchungen identifizierten die Wissenschaftler fast 200 Arten, die die Händelwurzblüten bestäubten, darunter Schmetterlinge, Motten, Fliegen und Käfer. Die Artenzusammensetzung unterschied sich dabei zwischen den Pflanzen im Flachland und jenen in den Bergen.

Unterschiedliche Arten mit verschiedenen Duftvorlieben könnten der Grund für den geografisch bedingten Selektionsdruck auf Blütenduftstoffe sein. Diese Theorie wollen die Forscher in weiteren Studien überprüfen.

"Wir konnten erstmals zeigen, dass Bestäubung ein Faktor beim Selektionsdruck für geografische Duftunterschiede ist", erklärte die Studienautorin Karin Gross von der Universität Zürich. Es ließe sich allerdings nicht ausschließen, dass es auch andere Gründe für Duftunterschiede innerhalb der gleichen Art gebe. Bestäubervorlieben spielen aber wahrscheinlich eine zentrale Rolle.

science.ORF.at/APA/sda

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