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Bakterien in Großaufnahme

Darmbakterien gegen Mangelernährung

Darmbakterien können mehr als nur verdauen. Das Zusammenspiel der unzähligen Untermieter ist entscheidend für einen gesunden Organismus. Dass die richtige Bakterienmischung sogar die Folgen von Mangelernährung lindern könnte, haben Forscher nun an Mäusen getestet.

Therapie 19.02.2016

Bakterien haben einen schlechten Ruf, zu Unrecht. Denn in den vergangenen Jahren wird immer deutlicher, wie wichtig inbesondere der Mikrokosmos im Darm für den Organismus ist. Er steuert eine ganze Reihe körperlicher Prozesse und soll sogar unsere Psyche beeinflussen. Nur wenn die Darmflora aus dem Gleichgewicht kommt, kann sie auch krank machen.

Die Besiedlung des Darms beginnt bei der Geburt und wird mit zunehmenden Lebensalter immer dichter. Wie gut sich die Darmflora entwickelt, hängt daher wesentlich von der Ernährung in den ersten Lebensjahren ab. Bei mangelhaft ernährten Kindern verläuft die Entwicklung gebremst.

Das bestätigen auch die Untersuchungen der Forscher um Laura Blanton von der Washington University School of Medicine an unterernährten Kindern in Malawi. Das Mikrobiom in ihrem Darm glich jenem von jüngeren Kindern und nicht dem gesunder Gleichaltriger. Die unreife Darmflora wirkt sich unter anderem negativ auf das Wachstum der Kinder aus.

Wachstum normalisiert

Aus diesem Zusammenhang entwickelten die Forscher einen therapeutischen Ansatz: Man könnte die Folgeerscheinung des Mangels mit gesunden Darmbakterien bekämpfen. Getestet haben sie die Methode an jungen Mäusen, die vorerst keine eigene Darmflora besaßen. Sie erhielten Stuhlproben von sechs bis 18 Monate alten malawischen Kindern, die entweder gesund oder unterernährt waren.

Die Mäuse mit den gesunden Bakterien nahmen bei gleichem Futter deutlich mehr an Gewicht und Muskelmasse zu als Versuchstiere mit einem unterentwickelten Mikrobiom. Ließ man beide Gruppen zusammenleben, glich sich zudem die Darmflora der Tiere an, und alle wuchsen wieder normal. Nur zwei Bakterienstämme sollen laut den Forschern hauptsächlich für das gesunde Wachstum verantwortlich sein: Ruminococcus gnavus und Clostridium symbiosum.

Langfristige Folgen bekämpfen

Eine zweite ebenfalls an Mäusen durchgeführte Studie zeigt, dass sich mit Darmbakterien auch die langfristigen Folgen von Mangelernährung bekämpfen lassen. Dafür verwendeten die Forscher um Martin Schwarzer von der Université de Lyon zwei Stämme von Lactobacillus plantarum, von denen man weiß, dass sie die Aktivität von Hormonen und somit das Wachstum junger Fruchtfliegen beeinflussen.

Zuvor hatte das Team festgestellt, dass unterernährte Versuchsmäuse auch dann nicht normal weiterwuchsen, wenn man ihnen wieder ausreichend Futter gab. Erst nachdem man ihnen die zwei Bakterienstämme eingepflanzt hatte, nahmen sie wieder deutlich an Gewicht zu.

Gemeinsam zeigen die Studien, wie eine verbesserte Darmflora das Wachstum beeinflusst und wie es durch bestimmte Darmbakterien gezielt wiederhergestellt werden könnte. Zukünftige Untersuchungen sollen zeigen, ob sich die Methode auch eignet, körperliche Folgen von Mangelernährung bei Menschen zu lindern.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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