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Studenten im Hörsaal

FHs wollen nicht alle Studien anbieten

Bis 2017 sollen Universitäten und Fachhochschulen (FHs) ihr Studienangebot abgleichen: Das wünscht sich Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP). Eins zu eins übernehmen wollen die FHs keine Studien, betont nun die Fachhochschulkonferenz. Auch der Wunsch nach einem Promotionsrecht für die FHs bleibt bestehen.

Hochschulpolitik 22.02.2016

"Wir wollen keinen Bauchladen für Studiengänge", so der Präsident der Fachhochschulkonferenz, Helmut Holzinger, bei einer Pressekonferenz am Montag. "Wir haben ein klares Profil. Das ist ein Studium auf Hochschulniveau mit Berufsfeldbezug. Wir werden daher den Berufsfeldbezug herstellen."

Auf die Nennung von konkreten Studien, die an die FHs übersiedeln könnten, wollte sich Holzinger aber nicht einlassen: "Sonst kommen wir in der Diskussion nicht weiter." Klar sei aber, dass dafür ein massiver Ausbau der FHs nötig sei: "Wir brauchen Ressourcen und Infrastruktur, um diese Fächer zu übernehmen."

Forderung nach Promotionsrecht bleibt

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Ö1 Sendungshinweis

Über das Thema berichtete auch die Ö1 Journale, 22.2., 12 Uhr.

Durch die von Mitterlehner angestrebte Profilschärfung der einzelnen Hochschulsektoren nicht abbringen lässt sich die FHK von ihrer Forderung nach der Etablierung von Doktoratsstudien. Derzeit würden die Unis hier stark auf Exklusivität pochen. "Wenn man aber diverse EU-Dokumente analysiert, spricht die EU dort sehr stark von industrienahen Doktoraten. Dazu können die FHs mit ihrem Fokus auf angewandte Forschung einen Beitrag leisten."

Am Beispiel der Privatunis könne man sehen, wie extern akkreditierte Doktoratsprogramme funktionieren könnten, meinte Holzinger: "Wir fordern aber kein Promotionsrecht für jede FH."

Das FH-Qualitätssicherungssystem soll seiner Ansicht nach auf alle Hochschulen übertragen werden. In Deutschland müssten seit der Umstellung auf das Bachelor/Master-System alle Hochschulen akkreditiert werden - entweder über eine Programm- oder eine Systemakkreditierung. Auch in der Schweiz sei eine institutionelle Akkreditierung Pflicht, wenn man sich Fachhochschule, Pädagogische Hochschule oder Universität nennen wolle.

FH-Absolventen sind "billiger"

Von den Unis forderte Holzinger Entgegenkommen bei der Anerkennung von Studienleistungen an FHs: "Bei den Verfahren wird manchmal hochschulisches Erbsenzählen in den Mittelpunkt gestellt und nicht so sehr die Kompetenz der Studierenden." Außerdem verlangte er ein jährliches Benchmarking zwischen Unis und FH: "Damit die Beurteilung der Hochschulen nicht anhand der Türschilder geschieht."

Schon jetzt scheue man hier keinen Vergleich: Ein FH-Absolvent koste den Bund knapp 20.000 Euro, ein Uni-Absolvent rund 85.000 Euro - und obwohl die FHs heute etwa 15 Prozent der Hochschulstudenten stellen, erhalten sie nur ca. acht Prozent des Hochschulbudgets.

Kein Thema ist für Holzinger eine Konzentration der FHs auf die Lehre bei gleichzeitigem Wegfall der Forschung. "Das Thema Forschung ist an einer Hochschule nicht wegzudenken. Die FHs wären keine Hochschule, wenn es keine anwendungsbezogene und transferorientierte Forschung gäbe."

science.ORF.at/APA

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Forum

 
  • vielleicht wollens das nicht,

    dergrossenagus, vor 153 Tagen, 15 Stunden, 45 Minuten

    weil die genau wissen, dass wenn die s´Leistungsnieveau auf echten Uni-Level anheben, d´Durchfallsquoten genauso hoch sind wie dort... Das schadet dann dem Ruf der FHs, obwohl eh jeder weiß, dass die nur die Light-Variante vom Diplomstudium an einer Uni sind!!!

    • Leistungsniveau?

      bitteichweißwas, vor 153 Tagen, 13 Stunden, 56 Minuten

      wenn man sich anschaut, was von den Unis kommt, die tw. nicht einmal elementare praktische Fähigkeiten haben, die sie dann endlich im Beruf anwenden können, dann ist mir eine FH allemal lieber.

      Du kannst als Beispiel das Medizin-, Pharmazie- oder Jusstudium nehmen. Jeder von denen braucht nach Absolvierung der Uni mit tollem Mag., Master, Doktorrat oder wie auch immer das heißt, nach wie vor weitere Jahre (!) an praktischer Ausbildung mit zusätzlichen Prüfungen (Arzt, Apotheker, Anwalt / Notar / Richter) , weil sie für den Job nach Absolvierung des Studiums noch nicht ausreichend ausgebildet sind. Was bitte wird dann jahrelang studiert, wenn das immer noch nicht ausreicht?

      Was man vielleicht auch sagen muss, dass die Studenten an den Unis vor allem mit Bürokratie zu kämpfen haben, um Praktikumsplätze, Übungsplätze und Prüfungstermine zu bekommen. Dinge, die mit dem Studium an sich nichts zu tun haben, aber die Studenten blockieren. An der FH ist das geregelt, jeder kann in der vorgesehenen Zeit sich ausschließlich mit Wissenserwerb beschäftigen.

    • ...und daher keine besondere Initiative an den Tag legen müssen,

      ihrwerdeteuchnochwundern, vor 153 Tagen, 12 Stunden, 31 Minuten

      was den Firmen eh lieber ist. Wo kommen wir denn hin, wenn ein Frischgefangter Fragen stellen würde, oder gar Abläufe in Frage stellt?