Standort: science.ORF.at / Meldung: "Schon ein bisschen Abnehmen bringt viel"

Ein Mensch steht auf einer Waage, man sieht nur die Füße.

Schon ein bisschen Abnehmen bringt viel

Konsequent abzunehmen ist für sehr dicke Menschen oft extrem schwierig. Eine neue Studie zeigt jetzt: Schon einige Kilos weniger bringen viel Gutes. Wer es schafft, fünf Prozent abzuspecken, reduziere das Risiko für viele gewichtsbedingte Erkrankungen deutlich.

Dickleibigkeit 23.02.2016

Der Körperfettanteil schrumpfe um acht Prozent - auch beim besonders ungesunden Bauchfett (sieben Prozent), berichten Forscher in einer neuen Studie. "Das ist ein großer Ertrag für einen kleinen Einsatz", bilanziert Seniorautor Samuel Klein von der Washington University in St. Louis.

Soll Mut machen

Die Studie

"Effects of Moderate and Subsequent Progressive Weight Loss on Metabolic Function and Adipose Tissue Biology in Humans with Obesity" von Faidon Magkos und Kollegen ist am 22. Februar 2016 in "Cell Metabolism" erschienen.

Gängige Empfehlung in den USA für Übergewichtige sei derzeit eine Gewichtsreduktion um fünf bis zehn Prozent, heißt es in der Studie. Schon bei einer vergleichsweise kleinen Gewichtsreduktion aber würden verschiedene Risikofaktoren für Typ-2-Diabetes und koronare Herzerkrankungen deutlich vermindert, schreibt das Team. Der Stoffwechsel verbessere sich, ebenso die Insulin-Sensitivität der Organe, auch der Blutzuckerwert nehme ab.

Schafft man es, mehr als zehn Prozent Gewicht abzuspecken, profitieren demnach verstärkt auch die Muskeln - und allgemein vergrößern sich die positiven Gesundheitseffekte etwa beim Fettstoffwechsel und den Entzündungswerten, schreiben die Autoren. "Wir hoffen, dass diese Ergebnisse Menschen mit starkem Übergewicht Mut machen, überschaubare Schritte zu unternehmen", sagt Klein.

Body-Mass-Index von 38

An der Studie nahmen 40 Erwachsene ohne weitere Erkrankungen teil, deren Body-Mass-Index (BMI) im Durchschnitt bei knapp 38 lag - ab 30 spricht man von Fettleibigkeit. Ein Teil der Testgruppe wahrte ihr Gewicht, die übrigen Männer und Frauen nahmen im Zuge einer sechsmonatigen Diät rund fünf, zehn oder 15 Prozent ab. Währenddessen wurden ihre Blutwerte und andere gesundheitlich relevante Daten wie Blutdruck und Herzfrequenz überwacht.

Die Ergebnisse der Studie seien erfreulich, sagt Christina Holzapfel vom Kompetenznetz Adipositas (TU München). Schon zuvor hätten Analysen gezeigt, dass eine moderate Gewichtsabnahme von fünf bis zehn Prozent die Stoffwechsellage verbessere.

"Sie wirkt sich stets auch auf die Lebensqualität aus, auch auf die Gelenke." Wichtig sei es, sein Körpergewicht dauerhaft zu reduzieren. Der gesamte Lebensstil - Bewegung, Ernährung, Verhalten - müsse sich ändern.

Kleineres Ziel erspart Gefühl des Scheiterns

Die detaillierteren Gründe, die die Studie dafür liefert, dass der Stoffwechsel bereits bei geringer Gewichtsreduktion positiv beeinflusst wird, könnten künftig helfen, Patienten die Zusammenhänge besser zu erklären, sagt Dirk Müller-Wieland von der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG). "Das Ziel, fünf Prozent Gewicht zu verlieren, motiviert ungemein."

Abzunehmen ist für fettleibige Menschen weit schwieriger als allgemein oft angenommen. Das gilt für Erwachsene ebenso wie für Kinder und Jugendliche. Umso wichtiger kann es als Motivationsfaktor sein, dass dabei schon sehr kleine Schritte sehr gut für die Gesundheit sind, sagen Experten.

Sich kleine Ziele zu setzen, könne vielen Betroffenen das Gefühl des Scheiterns ersparen, betonen auch die Autoren der aktuellen Studie. Fünf Prozent weniger Gewicht seien weit eher zu erreichen als ein Minus von zehn Prozent.

science.ORF.at/dpa

Mehr zu dem Thema: